Deutsch-russisches Verhältnis am Tiefpunkt: Kreml reagiert empört auf Sanktionen

Deutsch-russische Beziehungen am Tiefpunkt: Putin spricht nach deutschen Sanktionen von einem «schweren Fehler»

Der Kreml streitet eine Schuld am Drohnenvorfall in Leipzig kategorisch ab und stellt die deutschen Vorwürfe als Akt der Verzweiflung einer schwachen Regierung dar. Moskau hat bereits Gegenmassnahmen angekündigt.

02.09.2026, 13.29 Uhr

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Russlands Präsident Wladimir Putin behauptet, die Ursache für die jüngste Eskalation liege auf westlicher Seite.

Russlands Präsident Wladimir Putin behauptet, die Ursache für die jüngste Eskalation liege auf westlicher Seite.

Kristina Solovyova / Imago

Die Reaktion aus Russland liess nicht lange auf sich warten. «Moskau wird auf alle antirussischen Entscheidungen eine Antwort geben», sagte die Sprecherin des russischen Aussenministeriums, Maria Sacharowa, kurz nachdem die deutsche Regierung am Dienstagabend Strafmassnahmen gegen Russland angekündigt hatte. Berlin sieht es als erwiesen an, dass der Kreml hinter dem gescheiterten Drohnenangriff am Flughafen Leipzig steckt.

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Diese Antwort werde sehr schnell erfolgen, doppelte später der stellvertretende Aussenminister Alexander Gruschko am Rande eines Wirtschaftsforums im fernen Wladiwostok nach. Präsident Wladimir Putin hatte bereits davor an einer Pressekonferenz zum Abschluss des Treffens der Shanghai Cooperation Organisation von einem «schweren Fehler» gesprochen, den Deutschland mit den Sanktionen begangen habe.

Immer weniger Vertretungen

Worin die Gegenmassnahmen konkret bestehen werden, ist noch nicht bekannt. Da der Kreml von einer «spiegelbildlichen» Reaktion spricht, ist jedoch mit der Schliessung des deutschen Generalkonsulats in St. Petersburg sowie des Goethe-Instituts in Moskau zu rechnen. Die deutsche Regierung hat unter anderem angekündigt, das russische Generalkonsulat in Bonn sowie das Russische Haus in Berlin schliessen zu lassen.

Über das Russische Haus, das offiziell als Kultureinrichtung fungiert, aber dem Kreml auch für geheimdienstliche Zwecke dienen soll, läuft in Deutschland seit Wochen eine Debatte. Der Kreml hatte schon vor der jüngsten Zuspitzung angedroht, dass eine Schliessung der Einrichtung Auswirkungen auf das Goethe-Institut haben werde.

Das deutsche Generalkonsulat in St. Petersburg ist neben der Botschaft in Moskau Deutschlands letzte diplomatische Vertretung in Russland. Die Konsulate in Kaliningrad, Jekaterinburg und Nowosibirsk mussten bereits Ende 2023 ihren Betrieb einstellen. Gleichzeitig wurden die russischen Konsulate in Leipzig, München, Frankfurt und Hamburg geschlossen.

Das Konsulat in St. Petersburg wurde 1972 eröffnet und ist neben der Botschaft in Moskau die einzige bundesdeutsche Vertretung in Russland, die bereits zu Sowjetzeiten existierte. Mit der Schliessung fielen die bilateralen diplomatischen Beziehungen endgültig auf ein Niveau zurück, wie es letztmals vor der Ostpolitik von Bundeskanzler Willy Brandt bestanden hatte.

Auch in den kulturellen Beziehungen wäre ein neuer Tiefpunkt erreicht. Das Goethe-Institut hat die Förderung der deutschen Sprache und Kultur zum Auftrag. Die Staaten der ehemaligen Sowjetunion bilden einen Schwerpunkt der Auslandtätigkeit der Kultureinrichtung.

Seit dem russischen Grossangriff auf die Ukraine ist das Institut in seiner Tätigkeit in Russland jedoch stark eingeschränkt. Nun könnte es ganz geschlossen werden. Das Deutsche Historische Institut in Moskau, eine andere auf die Förderung des gegenseitigen kulturellen Verständnisses ausgelegte Einrichtung, musste bereits im Juni 2024 als «unerwünschte Organisation» die Arbeit einstellen.

«Zeichen der Schwäche»

Der Kreml schreibt alle Verantwortung für diese Entwicklung Deutschland zu. Unter einem komplett fabrizierten Vorwand habe Berlin einmal mehr eine Eskalation der bilateralen Beziehungen herbeigeführt, sagte die Aussenamtssprecherin Sacharowa. Putin stellte die jüngsten Strafmassnahmen als Akt der Verzweiflung einer Regierung dar, die mit dem Rücken zur Wand stehe. Beweise für eine russische Verwicklung in den Drohnenvorfall von Leipzig gebe es keine.

«Die Lage des Kanzlers ist schwierig. Er geniesst kein Vertrauen in der Bevölkerung, weil er die nationalen Interessen nicht schützt. Unternehmen müssen schliessen, der Lebensstandard sinkt», sagte der russische Präsident bei der Pressekonferenz in Bischkek. Mit seinem Vorgehen gegen Russland wolle Merz davon ablenken, auch wegen der anstehenden Landtagswahlen. Vor allem in Sachsen-Anhalt müssen die Regierungsparteien mit einer herben Niederlage rechnen.

Leugnen und Abstreiten

Der russische Präsident fügte an, dass Russland schon beim Anschlag auf Nord Stream grundlos beschuldigt worden sei. Eine ukrainische Urheberschaft gilt mittlerweile als plausibelste Erklärung für die Sprengung der Gaspipelines in der Ostsee.

Miteinander zu vergleichen sind die beiden Vorfälle freilich nicht. Zwar gab es nach dem Nord-Stream-Anschlag tatsächlich Spekulationen über eine russische Täterschaft. Die deutsche Regierung erhob mangels Beweisen aber nie offizielle Anschuldigungen gegen Moskau. Auch Sanktionen wurden in der Sache keine erlassen.

Die Ausgangslage ist nun viel deutlicher. Der misslungene Anschlag in Leipzig gleicht anderen Sabotageaktionen, die Russland im Nato-Gebiet zugeschrieben werden, nicht zuletzt, weil er sich gegen die westliche Unterstützung der Ukraine richtete. Eine am Leipziger Flughafen gefundene Drohne befand sich in der Nähe ukrainischer Frachtflugzeuge, die Rüstungsgüter transportieren.

Dass Moskau jegliche Verantwortung für den Anschlag von sich weist und ihn als Hirngespinst eines antirussischen Westens darstellt, darf niemanden überraschen. Der Kreml hat viel Übung im Leugnen seiner Missetaten: Die Nervengasangriffe auf Sergei Skripal und Alexei Nawalny gehören ebenso dazu wie der Abschuss eines Linienflugzeugs von Malaysia Airlines über dem Donbass, die Bombardierung eines Theaters in der ukrainischen Stadt Mariupol, in dem Hunderte von Kindern Schutz gesucht hatten, sowie unzählige andere Verbrechen der russischen Streitkräfte im Laufe dieses Krieges.

Absage an Verhandlungen

In der Pressekonferenz am Dienstagabend kündigte Putin neuerliche massive Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur an und erteilte Verhandlungen mit dem «terroristischen Regime in Kiew» eine Absage. Gleichzeitig nehmen Vorfälle auf Nato-Gebiet wie der misslungene Drohnenanschlag in Leipzig seit einiger Zeit zu. Dennoch sind es in der Darstellung des Kremls der Westen und die Ukraine, die eine Eskalation suchen.

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