Deutsche Springreiter verpassen WM-Einzelmedaille in Aachen

Der deutsche Springreiter Daniel Deußer springt auf seinem Pferd Otello de Guldenboom über ein Hindernis.

Stand: 23.08.2026 • 18:59 Uhr

Gold im Team, starke Form - aber kein Einzel-Erfolg: Die deutschen Springreiter haben zum WM-Abschluss in Aachen das Podium verpasst. Besonders bitter aus deutscher Sicht: Daniel Deußer und Otello leisteten sich beim letzten Hindernis einen Fehler, der schließlich die Medaille kostete.

Von Markus Kramer (Aachen)

Als bester Deutscher musste sich Deußer beim Einzelwettbewerb mit Platz sechs begnügen. Auch Marcus Ehning mit Coolio (7.) und Sophie Hinners (9.) zeigten gute Leistungen, konnten in den Kampf um die Medaillen aber nicht mehr eingreifen. Die deutsche Equipe war nach Team-Gold und starken Einzelplatzierungen aussichtsreich in den Finaltag gestartet, konnte das herausragende Niveau aus den Vortagen aber nicht ganz halten.

"Es ist schon irgendwo enttäuschend" sagte Deußer nach seinem Wettkampf im WDR-Interview. Deußer haderte insbesondere mit dem Abwurf am letzten Hindernis, das ihn letztlich die Medaille kostete: "Nach der Führung auf Platz sechs zu enden, ist natürlich schade. War das die Kraft oder die Konzentration? Das muss man analysieren."

Bundestrainer Becker: "Hatten das Quäntchen Glück nicht"

"Der Teufel steckt im Detail" befand Bundestrainer Otto Becker. "Wir erleben, wie eng das ist: Man muss die Qualität haben, die Tagesform haben und das Quäntchen Glück haben. Im Team-Wettbewerb hat alles gepasst und wir haben souverän gewonnen. Heute hatten wir das Quäntchen Glück eben nicht, da ist dann hier und da ein Fehler passiert, den wir sonst nicht haben."

Es gewann der Schweizer Steve Guerdat mit Dynamix de Belheme, der gemeinsam mit Deußer vor dem Finaltag geführt hatte. Anders als Deußer aber hielt Guerdat sein Weltklasse-Niveau und ließ sich nach seinen beiden Ritten im Aachener Hauptstadion ausgiebig feiern. Silber ging an Thibeau Spits (Belgien), Harry Charles (Großbritannien) holte Bronze.

Ergebnis Springreit-Einzelwertung
Platz Paar Strafpunkte
1. Steve Guerdat und Dynamix de Belheme (SUI) 0,86
2. Thibeau Spits und Impress-K (BEL) 5,60
3. Harry Charles und LT Holst Freda (GBR) 7,17
4. Piergiorgio Bucci und Hantano (ITA) 7,57
5. Roberto Teran Tafur und Dez' Ooktoff (COL) 7,58
6. Daniel Deußer und Otello (GER) 8,86

Mehrere Deutsche mit guter Ausgangslage

Die Ausgangslage hatte extreme Spannung sowie aus deutscher Sicht Grund zum Optimismus geboten: Deußer ging vom geteilten ersten Rang in den Sonntag, Hinners (4.) und Ehning (5.) starteten mit nur wenig Rückstand ebenfalls aussichtsreich in den Medaillenkampf. Einzig der hochgehandelte Vogel hatte auf Platz 14 nach den vorangehenden Prüfungen etwas Rückstand.

Vogel und United Touch waren es dann auch, die als erstes deutsches Paar auf den nach knapp zwei Wochen Reitsport durchaus mitgenommen Rasen im Aachener Hauptstadion kamen. Vogel und sein Hengst konnten allerdings wie schon zuvor bei dieser WM nicht ihre Topleistung abrufen. Der Weltranglistenzweite steuerte ein Hindernis mit einer scharfen Kurve an, doch United Touch verweigerte angesichts des minimalen Anlaufs den Sprung.

Richard Vogel verpasst den Finaldurchgang

"Wir konnten es leider auch heute nicht auf den Punkt bringen", sagte Vogel im WDR-Interview. Erneut nahm der 29-Jährige sein Pferd in Schutz: "United Touch war wieder fantastisch, kam gut rein, aber ich habe keine gute Wendung geritten." Mit 10 zusätzlichen Strafpunkten konnte sich das Paar nicht für den zweiten Umlauf der besten zwölf Paare qualifizieren.

Je mehr Paare den Parcours absolvierten, desto deutlicher wurde, wie anspruchsvoll der erste Umlauf am Finaltag war. Insgesamt blieben von 25 Paaren nur sechs ohne Strafpunkte, also ohne Abwürfe und innerhalb des Zeitlimits. Aus deutscher Sicht war allerdings kein Reiter unter diesen sechs Paaren: Ehning, Hinners und Deußer leisteten sich jeweils einen Abwurf und fielen im Ranking zurück.

Brash stürzt, Deußer mit Last-Second-Abwurf

Bester Deutscher vor dem Finaldurchgang war Deußer auf Rang vier. Zum Start der besten zwölf hielten die Zuschauer aber den Atem an: Der Brite Scott Brash geriet auf Hello Mango aus dem Gleichgewicht und fiel vor einem Hindernis aus dem Sattel. Während sein Pferd alleine durch das Stadion lief, rappelte sich Brash aber auf und winkte dem Publikum zu.

Auch das fünfte und letzte Springen der gesamten Springreit-Konkurrenz forderte Mensch und Pferd extrem. Hinners und Singclair hatten zu kämpfen und leisteten sich zwei Abwürfe, auch Ehning auf Coolio leistete sich einen Abwurf. Deußer ritt mit Otello anschließend stark, patzte aber ausgerechnet am letzten Hindernis. Ohne den Abwurf in letzter Sekunde hätte das Paar Silber geholt.

Als letzter Starter ging Guerdat in den Parcours, und wie schon bei den vier Prüfungen davor präsentierte sich der 44-Jährige mit Hengst Dynamix extrem souverän: Als einziges Paar der gesamten Konkurrenz blieben Guerdat und Dynamix komplett ohne Abwurf.

Team-Gold, dann der Dämpfer zum Abschluss

So endete die Springreit-Woche für Deutschland mit einem Dämpfer. Nach Team-Gold am Freitagabend und starken Leistungen gleich mehrerer deutscher Reiter waren die Hoffnungen auf eine Einzelmedaille oder sogar den WM-Titel groß. Doch anders als unter Flutlicht hielten die Nerven der deutschen Paare an diesem Sonntagnachmittag in Aachen nicht ganz.

Unsere Quelle:

  • WDR-Reporter vor Ort

Sendung: wdr.de, Die Ritte der Deutschen beim Springreit-Einzelfinale, 23.08.2026, 14.15 Uhr