Deutschland Tour - Zwei für den Sieg
Deutschland Tour Politt und del Toro - Zwei für den Sieg
Stand: 19.08.2026 • 19:51 Uhr
Für Nils Politt und sein Team UAE hätte die Deutschland Tour nicht besser
starten können. Nach Isaac del Toros Sieg im Prolog gehen sie nicht nur als
Gejagte in die nächsten Tage, sie haben auch für den Gesamtsieg zwei Eisen
im Feuer.
Als Radsportler muss man praktisch veranlagt sein. Sei es beim Einparken mit dem Camper wie Georg Zimmermann oder wenn es darum geht, noch letzte Details am Rennrad einzustellen wie Nils Politt. Alles andere als praktisch war in Bad Orb jedoch das Wetter. Pünktlich zur Streckenbesichtigung goss es aus Eimern. Und das sehr zum Missfallen der Fahrer, die pitschnass zu ihren Bussen zurückkehrten.
So auch Nils Politt, der auf dem 2,6 Kilometer langen Prolog durch die beschauliche Kurstadt knapp die Top Ten verpasste. Noch vor dem Start, von der Streckenbesichtigung durchnässt, hatte er auf trockenes Wetter gehofft. Dieser Wunsch wurde ihm dann zum Rennstart auch erfüllt. Und überhaupt sei es – trotz des Regens – ein schönes Gefühl, wieder bei dem Rennen am Start zu stehen, welches er 2021 bereits gewinnen konnte.
Politt deutet eigene Ambitionen an
Seitdem gelang keinem heimischen Fahrer mehr der Sieg bei der Deutschland Tour. Ob nun ausgerechnet Nils Politt diese Durststrecke beenden kann? Da war er sich selbst nicht so sicher. "Das Rennen ist nicht einfach in diesem Jahr", so der 32-Jährige gegenüber der Sportschau. "Da sind schon ein paar Anstiege zu absolvieren und es sind einige starke Bergfahrer dabei. Wir haben Isaac und Antonio im Team, dem das Streckenprofil wie auf dem Leib geschneidert ist."
Mit Isaac und Antonio meint der UAE-Kapitän seine Teamkollegen Isaac del Toro sowie Antonio Morgado. Insbesondere Ersterer ist der große Star dieser Deutschland Tour, wurde der Mexikaner doch erst bei der Tour de France im Juli Dritter - hinter seinem Teamkameraden und Superstar Tadej Pogacar. Ohne den Deutschen als Edelhelfer wäre dies jedoch kaum möglich gewesen. Und so deutet Politt eigene Ambitionen an. "Wir müssen schauen, wie der Rennverlauf ist. Aber ich denke, die Tour könnte schon was für mich sein und irgendwie versuche ich natürlich, meine Karte zu spielen", so der Kölner.
Tour-Sieg als großes Ziel
Wie die weitere Tour tatsächlich aussehen könnte, zeigte allerdings schon der Auftakt in Bad Orb. Denn ausgerechnet del Toro holte den Sieg im Prolog. Unverhofft: "Das überrascht mich ein bisschen, aber ich bin sehr glücklich, das nach Hause gebracht zu haben und schaue jetzt, was in den nächsten Tagen so passiert", so der Mexikaner auf der Pressekonferenz nach dem Rennen. Mit seiner Überraschung war del Toro nicht allein, galten doch Sprinter wie Paul Magnier oder Mathias Vacek als die großen Favoriten in Bad Orb.
Nun ist del Toro der Gejagte und nicht, wovon er im Vorfeld ausging, der Jäger, wenn die erste Etappe nach Schwäbisch Hall ansteht. "Da kann ich mich nicht entspannen. Die nächsten Tage werden sehr hektisch, aber wir wollen versuchen, den Sieg zu holen", kündigt del Toro, der sich neben dem Blauen Trikot des Gesamtführenden auch noch das Sprint- und Nachwuchstrikot sicherte, an. Überraschend dabei: Wer am Ende vom Team UAE ganz oben steht, ist wohl noch nicht in Stein gemeißelt. "Nils ist der Kapitän und ich freue mich, von seinen Erfahrungen zu lernen."
Die Vuelta als Konkurrenz
Im Gegensatz zu Nils Politt ist del Toro das erste Mal bei der Deutschland Tour am Start. Dass die Rennveranstalter solch einen großen Namen begrüßen dürfen, freut den ARD-Experten und Sportdirektor der Deutschland Tour, Fabian Wegmann. Denn immerhin startet am Samstag die Vuelta d’Espana, zudem gehört die Deutschland-Rundfahrt lediglich zur zweitklassigen UCI ProSeries. "Wir sind wirklich stolz, dass del Toro dabei ist. Der war auch schon Hamburg bei den Cyclassics am Start und ist immer noch motiviert, obwohl er dort stürzte." Dennoch fehlen aus den genannten Gründen die ganz großen Namen.
Umso wichtiger sei es, dass dafür mit Nils Politt ein deutschlandweit bekanntes Gesicht dabei ist. Und vielleicht auch um den Sieg mitfahren kann. "Das ist natürlich immer schön für das deutsche Publikum. Alle kennen ihn und haben ihn bei der Tour vorne im Feld gesehen", sagt Wegmann. "Das ist dann schön, wenn die Fans ihn hier live sehen können."
Radsportfest an der Kalmit
Besonders viele von ihnen werden am Samstag zur Königsetappe erwartet, wenn es direkt zweimal über die Kalmit geht, den höchsten Berg des Pfälzerwaldes. "Da erwarte ich so viele Leute wie am Alpe d’Huez, es haben sich viele Fans und Gruppen angemeldet. Darauf freue ich mich extremst", so Wegmann.
Dass der Radsport derzeit boomt, merkt auch Nils Politt. "Ich denke, der Radsport in Deutschland ist wieder am Kommen. Wir haben es bei der Tour de France im Elsass gesehen, wie viele deutsche Fans da waren. Das war fast wie ein Heimspiel", schwärmt Politt nach dem Prolog gegenüber dem ARD-Hörfunk. "Es macht einfach wieder riesengroßen Spaß, in Deutschland Radrennen zu fahren." Was die nächsten Tage angeht, gibt sich er sich sodann entspannt. "Wenn ich ehrlich bin, kenne ich nur die Start- und Zielorte. Wie sie dann verlaufen, werde ich mir immer erst am Morgen anschauen."