Wadephul wirbt für neue Sahel-Initiative
Es ist gut 20 Jahre her, dass ein deutscher Außenminister Mauretanien besucht hat. Auf seiner dritten Afrika-Reise kommt Johann Wadephul in die Hauptstadt Nouakchott. Westlich der Stadt liegt die Atlantikküste, ringsum erstreckt sich die Sahara. Das muslimisch geprägte Mauretanien gilt als vergleichsweise stabile Demokratie. Für Wadephul ist das Land ein "Stabilitätsanker in der Region". Obwohl Mauretanien zu den ärmeren Staaten Afrikas zählt, ist es - anders als viele andere Länder der Sahelzone - seit Jahren von Terrorangriffen verschont geblieben.
Bundeswehr soll mauretanische Kräfte beraten
Terroranschläge gibt es dagegen im Osten, im benachbarten Mali. Von dort sind in den vergangenen Jahren mehr als 300.000 Menschen nach Mauretanien geflohen. Für das Land mit seinen rund fünf Millionen Einwohnern eine wachsende Belastung. Entsprechend groß ist die Sorge, dass auch der Terrorismus die Grenze überschreiten könnte. Deshalb wünscht sich Mauretanien von Deutschland vor allem eine engere Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich, wie Außenminister Mohamed Salem Ould Merzoug bei der Pressekonferenz in Nouakchott betont.

Wadephul will das unterstützen: "Wir haben entschieden, dass die Bundeswehr nächstes Jahr hier beratend tätig werden soll, das wird vom Verteidigungsministerium vorbereitet. Vielleicht können wir auch unsere Polizeibehörden überzeugen, ins Gespräch zu kommen."
Der deutsche Außenminister kündigt zudem eine gemeinsame außenpolitische Initiative für die Sahelzone an. Deutschland und Mauretanien wollen dort einen neuen Ansatz entwickeln. Beide Länder hätten ein unbelastetes Verhältnis zu den Staaten des Sahel und hofften deshalb auf offene Ohren, so Wadephul.
Engagement gegen Terror unterstützen
Der Außenminister steht aber auch unter dem Eindruck des gesellschaftlichen Engagements in Mauretanien. Er besucht ein UN-Büro für die Verbrechensbekämpfung, wo er mit Frauen sprach, die sich dabei besonders engagieren. Sie erzählen ihm, wie sie als Familienvorstände andere Familien besuchen und bei der Extremismus-Bekämpfung helfen. "In diesen Familien sind einzelne männliche Familienmitglieder dem Extremismus verfallen", so Wadephul. Es sei wichtig mit ihnen und den Männern zu sprechen, aber vor allem den Frauen zu helfen. "Das nehme ich mit nach Deutschland und sage, so etwas sollen wir unterstützen", bekräftigt Wadephul.

Ein stabiles Mauretanien ist für Deutschland von großer Bedeutung. Aufgrund seiner geopolitisch sensiblen Lage ist das Land auch für Europa ein wichtiger Partner in Migrationsfragen. Mauretanien gilt als das wichtigste Transitland auf der Atlantikroute nach Europa. Seine Destabilisierung könnte daher erhebliche Migrationsbewegungen Richtung Norden auslösen. Vor diesem Hintergrund stufte die Bundesregierung das Land kürzlich als "zentralen Partner der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in der Sahelzone" ein. Die deutsche Unterstützung für Mauretanien beläuft sich derzeit auf 275 Millionen Euro.
Wunsch nach mehr Kooperation
Jenseits staatlicher Hilfen setzt Wadephul auf stärkere Investitionen deutscher und europäischer Unternehmen. Sein mauretanischer Amtskollege sieht vor allem bei erneuerbaren Energien, insbesondere grünem Wasserstoff, sowie beim Ausbau der Infrastruktur Potenzial für eine engere Zusammenarbeit. Mauretanien verfügt dafür über wichtige Rohstoffe und Flüssiggasvorkommen. Noch stärker in den Fokus rückt das Thema Energie am zweiten Reisetag in Nigeria. Dort wird Wadephul Dienstagfrüh erwartet.