Deutschland: Viele Klima-Ideen, aber kein eigenes Löschflugzeug

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Liebe Leserin, lieber Leser,

eine Flammenwand loderte Richtung Deutschland und beschäftigt auch die Politik hier in der Hauptstadt. Die Anpassung an den Klimawandel, der solche Großfeuer immer wahrscheinlicher macht, soll ins Grundgesetz, fordern die SPD-geführten Ministerien. Brandstifter sollen härter bestraft werden, fordert die SPD-Bundestagsfraktion. Die Linke fordert eine Höchsttemperatur in Wohnungen von 26 Grad. Wie man Letzteres durchsetzen will, ist mir ein Rätsel, alles andere mag sinnvoll sein.

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Aber die Männer und Frauen der Feuerwehr, die im Vollschutz ihrer Kevlaranzüge die Flammen zurückdrängen, stellen sich wohl ganz andere Fragen. Zum Beispiel: Warum hat Europas größte Industrienation kein einziges eigenes Löschflugzeug? Warum braucht es immer noch förmliche Amtshilfeersuche, um die Bundeswehr schnell zur Feuerbekämpfung einzusetzen? Und darf es sein, dass die Qualität der Feuerwehrausrüstung von der Finanzkraft einzelner Kommunen abhängt und nur reiche Gemeinden sich die modernsten Fahrzeuge leisten können? Schließlich kennt Feuer weder Landes-, Stadt- noch Kreisgrenzen.

In Deutschland engagieren sich über eine Million Menschen in 23.760 freiwilligen Wehren und fest angestellt in 114 Berufsfeuerwehren. Sie sorgen rund um die Uhr für unsere Sicherheit, und wenn das Jahrhundertfeuer gelöscht ist, sollte die Politik nicht nur Forderungen erheben, sondern sich mehr für ihre Bedürfnisse interessieren. Warum auch sollte „whatever it takes“ nur für die Ausstattung der Bundeswehr gelten? Die aktuelle Lage aus dem Brandgebiet finden Sie hier in unserem Liveticker.

Jörg Quoos.

Jörg Quoos.

Sie interessieren sich für politische Hintergründe und wollen wissen, was in der Hauptstadt hinter verschlossenen Türen passiert? Dann ist der Newsletter „Hauptstadt Inside“ von Jörg Quoos, dem Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion, genau das Richtige für Sie. Dreimal pro Woche fasst er zusammen, was Sie wissen müssen – und ordnet die Geschehnisse ein. Hier können Sie sich anmelden.

Landwirtschaftsminister unter Druck

Die anhaltende Trockenheit fördert nicht nur den Grund im Rhein zutage, sondern auch Kritik aus den eigenen Reihen am Bundeslandwirtschaftsminister. Der Satz „Ich kann‘s nicht regnen lassen, sonst tät ich‘s“, kam bei Landwirten, die wegen der extremen Trockenheit ihre Ernte verlieren, jedenfalls gar nicht gut an. Das böse Wort vom „Minister Tut-nix“ macht sogar schon die Runde. Macht der gelernte Metzger Alois Rainer in Zeiten des Klimawandels einen schlechten Job? Mein Kollege Christoph Link ging dieser Frage nach.

Wo ist der Kanzler?

Merz macht Windkraft-Gondelfahrt

Der Kanzler auf dem Fahrrad – ein Foto aus dem Archiv© picture alliance/dpa | Friso Gentsch

Friedrich Merz sei trotz der komplizierten politischen Lage ein erholsamer Urlaub gegönnt – aber es fällt auf, dass von ihm noch kein offizielles oder halboffizielles Foto gesichtet wurde. Helmut Kohl ließ sich am Wolfgangsee immer einmal im Urlaub fotografieren, schlüpfte dazu in die Freizeitjacke und nahm dazu – ganz Medienprofi – Hund/Rehkitz/Katze oder andere sympathische Tiere auf den Arm.

Auch Gerhard Schröder ließ mit Wolfsgrinsen manches Paparazzifoto in Italien zu. Angela Merkel erduldete stoisch die Urlaubsfotos in ihrem geliebten Südtirol bei schweißtreibenden Wanderungen mit Reinhold Messner und Ehemann Joachim Sauer. Markus Söder braucht keine Paparazzi, sondern sendet aktuell Insta-Selfies mit Deutschland-Käppi aus einem seltsam leeren Freibadbecken, wo ihm das Wasser bis zum Hals steht.

Der Kanzler wirkt diesen Sommer dagegen wie abgetaucht. Ich finde das in Ordnung und wünsche ihm eine gute Zeit beim Erholen. Friedrich Merz wird viel Kraft brauchen, wenn es in der Hauptstadt wieder richtig zur Sache geht.

Kein Luxus-Transport unter Palmen

Luftwaffe Bombardier Global 5000

Was macht der Regierungsjet auf den Seychellen? Jedenfalls keine Promis in den Urlaub fliegen....© Oliver Berg/dpa | Oliver Berg

An dieser Stelle will ich mit den Fake-News aufräumen, die der AfD-Abgeordnete Malte Kaufmann in die Welt gesetzt hat. Nein, niemand von der Regierung ließ sich mit einem Jet der Flugbereitschaft auf die Seychellen bringen. Dank einer Recherche der Bild-Kollegen wissen wir, dass die Bombardier Global 5000 mit der schwarz-rot-goldenen Lackierung auf dem Flughafen Mahé gegroundet wurde, weil sie nach einem Flugtraining unter tropischen Bedingungen Technikprobleme hatte. Nachfragen hilft, Herr Abgeordneter!

Ulrich Siegmund – der gefährlichste Mann Deutschlands?

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund

Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, scheint der neuer Titel zu gefallen© Peter Gercke/dpa | Peter Gercke

Zum Schluss ein Thema, in das ich mich eigentlich nicht einmischen wollte, aber nach der jüngsten Erklärung des Spiegel-Chefredakteurs und der breiten Debatte auch um uns Journalisten im Allgemeinen, will ich dazu eine Haltung formulieren.

Ein Magazin-Chefredakteur oder eine Chefredakteurin entscheidet am Ende, ob und wie eine Titelgeschichte erscheint. Aber bis dahin reden viele mit. Die Mitglieder der Chefredaktion, die Ressortleiter, die Autoren, die Meinungschefs. Auch Verlagsgeschäftsführer haben eine Meinung, auch wenn sie am Ende nicht entscheiden dürfen.

In mehreren Runden geht es auch um die sogenannte „harte“ Auflage, also die Frage: Wie viele Menschen kaufen spontan das Heft, nur weil sie der Titel besonders anspricht? Ich weiß, wovon ich rede, denn ich habe vor meiner jetzigen Aufgabe mit dem „Focus“ das zweite deutsche Nachrichtenmagazin geführt.

Natürlich darf man als Magazin den Titel „Der gefährlichste Mann Deutschlands“ machen. Aber wenn man die Latte derart hoch hängt, darf ein Reporterteam nicht aufrecht darunter durchmarschieren. Es muss der Beweis für die steile These geliefert werden – und die fehlt im Fall des AfD-Politikers Ulrich Siegmund. Die Story ist viel zu dünn und passt weder zur Schlagzeile noch zur Cover-Optik im Stil eines Fahndungsplakates.

Es halten sich in unserem Medienbetrieb – wie in allen Branchen – Unsitten, die man besser unterlässt, aber die leider nicht totzukriegen sind. Eine davon ist: Dünne Geschichte? Dann pimpen wir das mit einer Knaller-Schlagzeile. Das ist eine journalistische Verzweiflungstat, die sich bei diesem ernsthaften Thema zwingend verbietet.

Ich will diese Methode den Kollegen nicht unterstellen, aber da der Chefredakteur in seinem jüngsten Editorial den Spiegel-Erfinder Jakob Augstein bemüht, kann ich nur sagen: Ein Augstein hätte diese Geschichte zu dieser Schlagzeile niemals durchgewunken.

Das sagt mir meine Erfahrung und das sagen mir erfahrene Kollegen, die Augstein noch erlebt haben. Einer erinnerte mich an ein Zitat von ihm: „Der Journalist hat nicht das Mandat, Wahlen zu gewinnen und Parteien zu promovieren. Er gerät auf die Verliererstraße, wenn er versucht, Kanzler und Minister zu machen, Große oder Kleine Koalitionen zu begünstigen, kurz, wenn er der Versuchung erliegt, Politik treiben zu wollen. Unternimmt er es dagegen, Erkenntnissen zum Durchbruch zu verhelfen und zu sagen, was ist, dann ist er mächtig“.

Und was bleibt von der Geschichte? Sehr wahrscheinlich eine exzellente Auflage dieses Titels. Ein triumphierender AfD-Spitzenkandidat, der sogar Spiegel-Hefte kauft, um sie für seine Fans zu signieren. Und natürlich ganz normale Leserinnen und Leser, die sich – auch wenn Ulrich Siegmund politisch sicher nicht ungefährlich ist – fragen: Wenn er Deutschlands gefährlichster Mann sein soll, was sind dann Verfassungsfeinde, die nicht unsere Stimme, sondern unseren Tod wollen?

Mein Kollege Andre Dolle von der Braunschweiger Zeitung berichtet häufig aus Sachsen-Anhalt und hat Ulrich Siegmund beobachtet und gesprochen. Ein lesenswerter Text, auch ohne Knaller-Schlagzeile.

Ich wünsche Ihnen eine unaufgeregte Woche,

herzlich, Ihr

Jörg Quoos
Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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