Deutschlandtag der Jungen Union: Wüst richtet klare Worte an Bundeskoalition – „Reißt Euch zusammen“

Deutschlandtag der Jungen Union Wüst richtet klare Worte an Bundeskoalition – „Reißt Euch zusammen“

16.10.2026 · 21:00 Uhr

 NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU, r) und Johannes Winkel, Bundesvorsitzende der Jungen Union, stehen beim Deutschlandtag der Jungen Union gemeinsam auf der Bühne.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU, r) und Johannes Winkel, Bundesvorsitzende der Jungen Union, stehen beim Deutschlandtag der Jungen Union gemeinsam auf der Bühne.

Foto: Henning Kaiser/dpa/Henning Kaiser

Bonn · Im vergangenen Jahr wurde es beim Deutschlandtag der Jungen Union sehr ungemütlich für den Kanzler. Was blüht ihm diesmal? Bevor diese Frage beantwortet wird, redet ein anderer prominenter Gast aus NRW. Und Markus Söder wird auch erwartet.

Ob sich Friedrich Merz auf den Termin in seinem Heimatbundesland NRW freut? Man darf Zweifel haben, denn sein erstes Aufeinandertreffen mit der Jungen Union als Bundeskanzler bei einem Deutschlandtag war im vergangenen Jahr eine sehr unterkühlte Veranstaltung. Und da stand der Kanzler und CDU-Vorsitzende insgesamt noch deutlich weniger in der Kritik als in diesem Jahr.

Merz erlebte 2025 ein Scherbengericht

Doch der Auftritt von Merz 2025 im Europapark Rust war ein Scherbengericht und hatte eine lang anhaltende Verstimmung zwischen dem Parteinachwuchs und dem CDU-Chef zur Folge. Damals hatte sich die JU gegen das Rentenpaket der schwarz-roten Regierung gestellt, das dann nur mit Ach und Krach und heftiger Intervention durch den damaligen Unionsfraktionschef Jens Spahn durch den Bundestag gebracht wurde. In diesem Jahr erlitt Merz durch die Niederlagen der CDU in Ostdeutschland und Berlin einen Autoritätsverlust in der Partei, von dem er sich nur langsam wieder erholt. Auch die versprochenen Reformen, etwa bei der Rente, sind noch nicht verabschiedet.

Entsprechend kritisch wird die Stimmung gegenüber dem Kanzler in Bonn sein. Eine Wiederholung der Brüskierung des vergangenen Jahres, als sich bei der Rede von Merz kaum eine Hand rührte, wird dennoch nicht erwartet. JU-Chef Johannes Winkel ist mittlerweile Fraktionsvize der Unionsfraktion, der Chef der Jungen Gruppe im Bundestag, Pascal Reddig, hat in der Rentenkommission das Papier entscheidend mitverhandelt. Beide wissen mittlerweile um die Mühen von politischen Kompromissen und auch das Verständnis von Merz für den Reformeifer der JU ist deutlich gestiegen.

Winkel betont zur Eröffnung am frühen Abend: Allen, „die die Union schon abschreiben wollen und die sagen, wir brauchen gar keine Volksparteien mehr: Zieht Euch warm an, denn wir nehmen unsere Zukunft in die eigene Hand.“

In einer kämpferischen Rede geht der JU-Chef auch mit der SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hart ins Gericht, der Ambitionen auf den Parteivorsitz nachgesagt werden und die regelmäßig heftige Kritik an Merz, aber auch an der gesamten Regierung übt. „Wir müssen uns die Zukunft unserer Partei zurückholen“, fordert Winkel mit Blick auf die CDU. Er setzt ein deutliches Nein zu einer Zusammenarbeit mit der AfD.„Das ist eine Frage des Charakters, nicht der Umfragewerte.“

Wüst appelliert an Bundeskoalition

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) richtet einen recht offenen Appell an die schwarz-rote Koalition in Berlin. Wenn Politik der Mitte wieder gelingen solle, „dann braucht es einen anderen Umgang miteinander“, sagt Wüst. Der Job aller die Verantwortung tragen, heiße: „Reißt Euch zusammen.“ Am Ende sei es auch für jeden Politiker gut, der „da mittut in diesen Tagen“. Und er fordert SPD und Grüne in Berlin deutlich auf, ihre Verhandlungen mit der Linkspartei über eine gemeinsame Regierung umgehend zu beenden. Die Gespräche darüber seien „eine Schande für die Hauptstadt“. Auch Winkel kritisiert die Linke heftig, erhält dafür deutlichen Beifall.

Die JU berät über KI

Der Deutschlandtag der unabhängigen Jugendorganisation von CDU und CSU mit ihren etwa 90.000 Mitgliedern ist auch ein Schaulaufen der Unions-Prominenz. Am Samstag will die Junge Union einen Leitantrag mit dem Titel „Lust auf Zukunft - Deutschland zum KI-Anwendungsweltmeister machen“ beraten. Dazu spricht am Vormittag auch Digitalminister Karsten Wildberger, im Anschluss hält Merz seine Rede. CSU-Chef Markus Söder wird am Sonntag zu den Delegierten sprechen.

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