DFB-Frauen: Nutzt Mahmutovic ihre Tor-Chance gegen Berger?
Nach der geglückten Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr beendet die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen ihr Länderspieljahr mit zwei echten Härtetests.
Mit den Freundschaftsspielen am Freitag gegen Australien (20.30 Uhr MESZ) und kommende Woche Dienstag gegen Japan (17.45 Uhr MESZ) will Bundestrainer Christian Wück ein wenig den "Turnier-Ernstfall" simulieren. Schließlich könnten oder werden auf dem Weg zum erklärten Ziel, dem WM-Finale im Maracana-Stadion von Rio de Janeiro, Gegnerinnen von ähnlich großem Kaliber warten.
Die Wahl fiel bewusst auf zwei Gegner von anderen Kontinenten. "Die Spielidee ist nicht so, wie wir sie in Europa kennen. Darauf möchte ich meine Mannschaft vorbereiten", sagte Wück. "Das werden Spiele auf ganz hohem Niveau, aber sie werden uns auf ganz andere Art und Weise fordern als europäische Teams."
Man habe über die letzten Jahre "eine ganz gute Grundlage geschaffen. Diesen Weg wollen wir weitergehen und verfeinern", so Wück. Es gehe um den "nächsten Schritt" in der Entwicklung. Es gebe "viel Grund zu Optimismus", ergänzte Sportdirektorin Nia Künzer: "Wir sind uns unserer Stärken bewusst. Die müssen wir aber gegen Topteams zu 100 Prozent zeigen, um auch bestehen zu können."
Nutzt Ena Mahmutovic ihre Chance im Tor?
Ähnlich wie bei den Männern beim Neustart unter Jürgen Klopp ist vor allem die Position im Tor interessant. Anders als nach dem Abgang von Manuel Neuer ist bei den DFB-Frauen allerdings noch keine klare Nummer eins vorhanden: Ann-Katrin Berger, die sich nach dem Finale der UEFA Nations League im vergangenen Dezember nach kurzer Bedenkzeit entschied, mindestens für einen weiteren Turnierzyklus zur Verfügung zu stehen.

Allerdings fehlt die 35-Jährige bei den anstehenden Länderspielen in Absprache mit dem Trainerstab und auf eigenen Wunsch. Sie steht in den USA in der National Women's Soccer League für Tabellenführer Gotham FC im Tor und geht mit ihrem Klub in die heiße Phase der Saison. Bis Anfang November sind noch drei Partien zu absolvieren, danach beginnen die Playoffs.
Parallelen zu Bayern-Ersatzmann Jonas Urbig
So rückt im DFB-Team gegen Australien und Japan Ena Mahmutovic in den Fokus. Die 22-jährige Torhüterin des FC Bayern München gilt als große Hoffnung im deutschen Tor und potentielle Nachfolgerin für Berger - ähnlich wie ihr Vereinskollege Jonas Urbig bei den Männern.
Beide sind 2003 geboren, beide stammen aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen, beiden wird im Verein wie im Nationalteam eine große Zukunft vorausgesagt. Einziger Unterschied: Anders als Urbig ist Mahmutovic im Klub bereits die Nummer eins. Vor der Saison 2025/2026 setzte sie sich im internen Duell gegen Maria Luisa Grohs durch und übernahm den Stammplatz zwischen den Pfosten.
Im DFB-Trikot muss sie dagegen noch warten - hier hat ihr wiederum Urbig einen Schritt voraus. Obwohl im Verein nur Nummer zwei, deutet vieles darauf hin, dass Klopp ihn zur neuen Nummer eins macht.

Ena sei "die Zukunft der Nationalmannschaft", schwärmt auch Bayern-Direktorin Bianca Rech kürzlich und machte sich dafür stark, dass ihre Keeperin nicht nur nominiert werde, sondern auch regelmäßig spielen dürfe. Berger sei, so entgegnete Wück, aber "noch einen Tacken voraus".
Gleichzeitig lobte der Bundestrainer Mahmutovic: "Die Leistungen von Ena sind sehr gut. Sie hat mittlerweile auch eine gute Präsenz auf dem Platz", erklärte er und kündigte an: "Sie wird ihre Spielzeit bekommen."
Debüt mit Patzer, Debüt als Feldspielerin
Ihren Vertrag in München hat Mahmutovic bis 2029 verlängert. Sie kommt bislang aber nur auf zwei Einsätze in der A-Nationalmannschaft. Dabei war sie bereits im Februar 2023 zum ersten Mal für das Team nominiert. Ihr Debüt ist auch schon fast zwei Jahre her.
Im Dezember 2024 stand sie im Freundschaftsspiel gegen Italien auf dem Platz und patzte am Ende entscheidend. Nach einem Rückpass verlor sie den Ball an eine heraneilende Stürmerin, die ihr das Leder abnahm und locker zum 2:1-Siegtor ins leere Tor einschieben konnte. Danach kam bislang nur noch ein weiterer Länderspieleinsatz hinzu. Allerdings stand Mahmutovic im Kader der deutschen Mannschaft für die Europameisterschaft 2025.

Wäre es nach ihrem Vater gegangen, der aus Montenegro stammt, wäre Mahmutovic gar keine Torhüterin geworden. "Er sagt immer noch, ich wäre draußen besser gewesen, weil ich beide Füße gut einsetzen kann", sagt sie.
Dass muss wohl auch ihr damaliger Trainer Thomas Gerstner beim MSV Duisburg so gesehen haben, als er Mahmutovic im Mai 2020 ihr Bundesliga-Debüt bescherte. Allerdings sammelte die damals erst 16-Jährige nicht als Torhüterin erste Spielminuten.
Duisburg hatte zu viele Ausfälle und so musste die Ersatztorhüterin kurz vor dem Abpfiff als Feldspielerin einspringen: "In der Nachspielzeit hat mich der Trainer dann eingewechselt", erinnert sie sich. "Ich durfte zwei Sprints machen, so war eben mein Debüt."
Heute überwiegen dagegen Mahmutovics Vorzüge im Tor. "Sie ist eine der talentiertesten Torhüterinnen der Welt", schwärmte Bayern-Trainer José Barcala. Sie sei eine, die Spiele entscheiden könne, so der Spanier. Vielleicht ja in Zukunft auch regelmäßig im DFB-Team.