Wachkoma, Drogensucht, Alkohol: 130 Selbsthilfe-Gruppen stellen sich in Gelsenkirchen vor

Es ist ein Zucken, ein Blinzeln oder ein Daumen-Heben. Diese Kleinigkeiten bedeuten Diana Schwarz die Welt. Denn das bedeutet für sie, ihr Freund Alpay kann sie verstehen - und zwar ganz bewusst. Warum das so besonders ist? Alpay liegt seit sechs Jahren im Wachkoma und befindet sich aktuell in einem Zimmer in einem Gladbecker Pflegeheim. Mit gerade einmal Ende 30 bekam er plötzlich einen Herzinfarkt. Diana Schwarz musste ihn reanimieren.

Jeden Tag ist sie hier. Oft bleibt sie von morgens bis abends, um sich um ihren Freund zu kümmern. "Ich liebe ihn einfach. Und ich bin mir sicher: Er würde das gleiche für mich tun", sagt sie. Sie bewegt zum Beispiel seine Gelenke, damit sie nicht steif werden oder macht mit ihm Geräusche an einer Ratsche, damit er etwas wahrnehmen kann.

"Psychisch am Ende"

Doch die Situation ist auch für Diana Schwarz sehr belastend. Sie hat ihren Job aufgegeben und ist oft psychisch am Ende. "Ich komme immer wieder mal nach Hause und breche direkt in Tränen aus. Vor allem, wenn es mal Rückschläge gibt." Vor einiger Zeit wurde es zu viel. "Ich habe einfach 'Wachkoma' und 'Hilfe' in die Suchmaschine eingegeben. So bin ich auf die Gruppe gestoßen."

Die Selbsthilfegruppe war das Beste, was mir in dieser Situation hätte passieren können. Diana Schwarz, Freundin eines Wachkoma-Patienten

Seitdem besucht sie regelmäßig die Gruppe "Wachkoma NRW" in Gelsenkirchen. Dort trifft sie sich mindestens einmal im Monat mit anderen Angehörigen. Auch Ärzte besuchen manchmal die Gruppe - oder andere Experten, die Vorträge halten. "Ich habe zum Beispiel gelernt, welche Phasen es bei der Krankheit gibt, welche Hilfsmittel ich brauche und wie ich sie bei der Krankenkasse beantrage."

Selbsthilfe-Tag mit über 130 Gruppen

Damit sich noch mehr Menschen Hilfe suchen, veranstaltet die Kontaktstelle Selbsthilfe des Paritätischen in Gelsenkrichen am Samstag den "Selbsthilfe-Tag". Über 130 Selbsthilfe-Gruppen stellen ihr Angebot vor.

An den Infoständen und in persönlichen Gesprächen soll den Besuchenden auch die Scham davor genommen werden, sich Hilfe zu suchen. "Selbsthilfe bedeutet nicht, dass man alles alleine schaffen muss. Im Gegenteil", sagt Katja Pelizäus, von der Selbsthilfe Kontaktstelle des Paritätischen in Gelsenkirchen.

Selbsthilfe bedeutet, Menschen zu finden, die verstehen, weil sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Katja Pelizäus, Selbsthilfe Kontaktstelle

Wie genau die einzelnen Selbsthilfegruppen ihr Angebot gestalten, können sie mit den Mitgliedern jeweils selbst entscheiden, erläutert Pelizäus.

Das Wichtigste in Kürze

Der Selbsthilfetag Gelsenkirchen findet am Samstag, 19. September, von 10 bis 14 Uhr im Gemeindehaus hinter der Apostelkirche, Horster Straße 35, in Gelsenkirchen-Buer statt.

  • Es gibt Live-Musik von dem inklusivem Mädchen-Musikprojekt sowie einen Auftritt des Theaters “Blitzlicht”.
  • Der Eintritt ist frei.
  • Der Paritätische hat an insgesamt 23 Orten in NRW Selbsthilfe Kontaktstellen, die ganzjährig übers Internet erreichbar sind.