Die FPÖ stößt mit ihrer Leugnung der Klimakrise auch eigene Wähler vor den Kopf

Colette M. Schmidt

Die FPÖ stößt mit ihrer Leugnung der Klimakrise auch eigene Wähler vor den Kopf

Weiter so zu tun, als sei dies ein Sommer wie immer, wird zusehends absurder und gefährlicher. Reaktionen auf FPÖ-Seiten zeigen, wie weit die Partei von den Problemen der Menschen entfernt ist

Kommentar

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Colette M. Schmidt

Ein Feldbrand in einer ländlichen Region, bei dem dichter Rauch und Flammen sichtbar sind. Ein Feuerwehrauto und Feuerwehrleute arbeiten an den Löscharbeiten. Im Hintergrund sind blauer Himmel, Wolken und angrenzende Felder zu sehen.
Die Felder sind trocken, die Fueerwehr – wie hier im Waldviertel – im Dauereinsatz. Das kann niemand in Österreich mehr ignorieren.

2025 war das drittwärmste Jahr der Messgeschichte. Das ist die ernüchternde Klimabilanz von Copernicus, dem weltweiten Beobachtungsprogramms der Europäischen Union.

Und wer sich nicht den gesamten bisherigen Sommer in einem klimatisierten Raum ohne Kontakt zur Außenwelt aufgehalten hat, weiß: 2026 ist eine weitere dramatische Eskalation.

"Muspilli"

Der Planet brennt. Die apokalyptischen Bilder von Waldbränden von Kanada über Europa bis Indonesien könnten die Germanen-affinen Freiheitlichen an ein althochdeutsches Gedicht erinnern. Muspilli heißt die Dichtung, in der das Verbrennen jedes Baumes beschrieben wird. Übersetzt heißt Muspilli "Weltenbrand". Normal ist daran nichts. Es ist eine literarische Beschreibung des Endes.

Aber man muss nicht ins 9. Jahrhundert zurückgehen. Selbst in den 1990ern oder Nullerjahren Geborene wissen aus eigener Erinnerung: So heiß war es noch nie.

Von FPÖ-Politikerinnen und Politikern aber tönt es seit Jahren bis heute, es sei "im Sommer schon immer heiß gewesen". Warnungen vor der Klimakrise und Forderungen nach einem radikalen Schwenk in der Energiegewinnung seien nur "Klimahysterie".

Als jetzt die Bauern um Hilfe riefen, eine Bevölkerungsgruppe, die immer öfter nicht nur die ÖVP, sondern auch die FPÖ wählt, reagierte die FPÖ doch.

Nein, natürlich lenkte sie nicht ein und gab endlich zu, dass der Klimawandel, so wie es die Wissenschaft rund um den Erdball erforscht hat, menschengemacht ist. Vielmehr hatten FPÖ-Politiker, von Parteichef Herbert Kickl abwärts, die Idee, die Regierung zu attackieren. Die müsse jetzt "liefern", weil es nicht regnet.

Kompromisse statt Spaltung

Zugegeben wartete man auf den ÖVP-Landwirtschaftsminister lange und vergeblich. Laut ORF vermeldet die Hagelversicherung aktuell eine Milliarde Euro Schäden am Land. Das ist zehnmal so viel wie 2025. Nun schnürt die Regierung immerhin ein Hilfspaket für die Landwirtschaft. Jene Bundesregierung, die seit ihrem Antritt jede Woche die schwierige Aufgabe meistern muss, zwischen drei Parteien einen Kompromiss zu erzielen. Aber gut, das ist auch ihr Job.

Der Job von Herbert Kickl ist es offenbar weiterhin, vor allem zu spalten. Neben der Realität austrocknender Flüsse und verdorrender Felder wirken seine Brandreden ohne Lösungsansätze wie eine schlechte Parodie von Charlie Chaplins "großem Diktator".

Um die Regierung anzugreifen, schoben Kickl und andere Blaue auf Facebook zuletzt die Not der Bauern vor. Ein Schuss, der nach hinten losging. Tausende verärgerte und kritische Postings waren die Folge. Echte Empathie nahmen Betroffene der Hitzewelle der FPÖ schwer ab.

"Ins Leere"

Tatsächlich gibt es gute Gründe, die Regierung zu kritisieren: So beklagt die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb im Kurier-Interview, dass man beim Thema Klimaschutzmaßnahmen bei der Regierung noch immer völlig "ins Leere" rede. Warum hört die Koalition nicht auf die Wissenschaft?

Dass die FPÖ mit der Wissenschaft ein Problem hat, ist lange bekannt – nicht nur beim Thema Klima.

Vielleicht kann man FPÖ-Fans einreden, dass die Wissenschaft nur recht hat, wenn es einem passt. Aber der Bevölkerung ausreden, dass es abnormal heiß ist, wenn Äcker verdorren und Wälder abbrennen, zeigt, dass man Leute für dumm verkauft. Hier hat sich die FPÖ verspekuliert. (Colette M. Schmidt, 10.8.2026)

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