Die Furzgrundel lässt sich von Hitze und Trockenheit nicht beeindrucken

Kopf des Tages

Die Furzgrundel lässt sich von Hitze und Trockenheit nicht beeindrucken

Der Fisch des Jahres 2026, auch bekannt als Schlammpeitzger, verfügt über sehr spezielle Überlebensfähigkeiten – die ihm auch zu seinem Spitznamen verhalfen

Kopf des Tages

/

Karin Krichmayr

Nahaufnahme eines Schlammpeitzgers (Misgurnus fossilis), einem länglichen Fisch mit dunkler, fleckenartiger Musterung und Barteln am Maul. Der Fisch befindet sich am Gewässerboden.
Der Schlammpeitzger ist ein kurioser Auenbewohner mit außergewöhnlichen Eigenschaften.

Der Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis), auch Furzgrundel genannt, gehört nicht gerade zu den bekannten Fischarten. Kein Wunder, denn er lebt im Verborgenen. Er ist meist nachtaktiv, gut getarnt und grundelt bevorzugt im Schlamm der Auenlandschaften, in denen er beheimatet ist.

Der längliche, aalförmige Fisch kann bis zu 30 Zentimeter Länge erreichen und ist damit der größte Vertreter der heimischen Schmerlenarten. Charakteristisch sind seine zehn Barteln rund um das unterständische Maul. Er fühlt sich in seichten, stehenden oder langsam fließenden Gewässern wohl. Daher können ihm auch Hitze und Trockenheit nicht viel anhaben: Er gräbt sich dann tief in den Schlamm ein und kann so mehrere Monate überleben.

Unter diesen Bedingungen kommt ihm seine ganz spezielle Fähigkeit zugute. Er kann nämlich über den Darm atmen, was ihm im Volksmund den Spitznamen Furzgrundel, mancherorts auch Gewitterfurzer, eingebracht hat. Denn wenn das Wasser sehr sauerstoffarm ist, schluckt der Schlammpeitzger kurzerhand Luft, entzieht ihr im Darm Sauerstoff und pupst die restlichen Gase wieder hinaus – mitunter geräuschvoll und von Bläschen begleitet. Diese außergewöhnliche Form der Anpassung hilft ihm, auch in warmen, zeitweise austrocknenden Gewässern zu überleben.

Ein Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) liegt auf einer ausgestreckten Hand. Der langgestreckte, schlanke Fisch hat eine braune, gemusterte Haut. Im Hintergrund sind Wasser und Schilf zu sehen.
Exemplare wie dieses sind nicht oft anzutreffen. Meist verstecken sich die Furzgrundeln im Schlamm.

Auf dem Rückzug

Aber selbst mit diesen Überlebenskünsten geht es ihm langsam an den Kragen, oder besser: die Barteln. Zwar wurde er von der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Fische gestrichen, er gilt aber immer noch als stark gefährdet. Durch die Regulierung von Flüssen, die Entkoppelung der Auen von den Hauptgewässern, Verschmutzungen durch die Landwirtschaft und den Klimawandel gehen ihm immer mehr Lebensräume verloren.

Momentan ist die Furzgrundel in Nieder- und Oberösterreich, der Steiermark, dem Burgenland und Kärnten zu finden. Wichtige Rückzugsgebiete sind unter anderem der Nationalpark Donau-Auen, die March-Auen, das Neusiedlersee-Gebiet sowie ehemalige Donau-Nebenarme in Oberösterreich. Besonders stabile Bestände mit aktiver Fortpflanzung wurden im Grabensystem der Alten Thaya bei Hohenau und im WWF-Schutzgebiet bei Marchegg dokumentiert.

Mit der Wahl zum Fisch des Jahres 2026 ist der unscheinbare Darmatmer nun ins Licht der Öffentlichkeit getreten und zu so einem Botschafter für den dringenden Schutz von Aulandschaften aufgestiegen. Der Flatulenz sei Dank! (Karin Krichmayr, 7.8.2026)

Forum: 70 Postings

Ihre Meinung zählt.

Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.