Die heilige Kuh, mehr Schneid und die Aktie Zeiler im "Blattsalat"

Medienglosse

Die heilige Kuh, mehr Schneid und die Aktie Zeiler im "Blattsalat"

Das "große Gerhard-Zeiler-Wunder" und Hans Niessl positive Nachricht mit leichtem Pessimismus

Glosse

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Günter Traxler

Das musste kommen. Das Sonntagstreffen der roten Länderchefs mit dem Parteichef war kaum angekündigt, da wartete "Österreich" bereits mit der ersten Sonntagsfrage zur Lage der SPÖ auf. Genau genommen waren es zwei Sonntagsfragen, eine mit Zeiler und eine mit Babler. Es stand dabei 19 zu 17 für Zeiler, was das Blatt zu der Einsicht bewog, das große Gerhard-Zeiler-Wunder bleibt aus – zumindest in der neuesten Umfrage der Lazarsfeld-Gesellschaft. Schlimmer: In der fiktiven Kanzlerfrage gibt es für Zeiler jedenfalls auch keinen "Startbonus". Mit 10 % wäre er zwar besser als Babler (8 %) unterwegs. FPÖ-Chef Herbert Kickl könnte er damit aber noch lange nicht das Wasser reichen. Und noch schlimmer: 29 Prozent halten Zeiler für wählbar, 38 Prozent sagen, Zeiler sei unwählbar. Da ist es kein Wunder, wenn es ferner heißt: Die Begeisterung in der SPÖ für den Medien-Manager hält sich derzeit allerdings in Grenzen.

"Die Presse am Sonntag" beschrieb den selbsternannten Kandidaten für den SP-Vorsitz als Sir mit Faible für die SPÖ. Als solcher hat er natürlich seine Fans, die gleich mehreres an ihm bewundern. Einerseits sehen seine Fans in ihm die letzte Rettung vor dem SPÖ-Untergang, andererseits sehen seine Fans in ihm das Format eines Franz Vranitzky und Viktor Klima, die beide die SPÖ noch nicht vor dem Untergang retten mussten. Vor allem aber: Mit dem Fokus auf "Kleinbürger" rechnen sich Fans von Zeiler gute Chancen aus.

Ein älterer Mann mit grauem Haar in einem dunklen Anzug sitzt vor einem roten Hintergrund. Er hat die Hände vor seinem Gesicht gefaltet und einen nachdenklichen Ausdruck.
Babler-Herausforderer und Medienmanager Gerhard Zeiler.

Die Burgenländer sind in der Zeiler-Frage zerstritten. Landeshauptmann Doskozil ist strikt und öffentlich gegen Zeiler, weil er ihn für zu links hält. Sein Amtsvorgänger Hans Niessl hält die Idee eines SPÖ-Chefs Zeiler für interessant, um den Mittelstand anzusprechen. Mutig greift "Die Presse am Sonntag" diese pannonische Diskrepanz auf und erinnert Niessl daran, dass der amtierende Landeshauptmann von der Idee Zeiler gar nicht begeistert ist. Es habe in den vergangenen Jahren doch die eine oder andere Wortmeldung Zeilers gegenüber Doskozil und umgekehrt gegeben.

Da kann Niessl mit einer positiven Nachricht aufwarten. Es gibt jetzt aber im Oktober ein Treffen zwischen Doskozil und Zeiler. Ich denke, wenn sich ein erfolgreicher Landeshauptmann und einer der erfolgreichsten Medienmanager zusammensetzen, wird eine kluge Entscheidung herauskommen und man wird das eine oder andere Missverständnis aufklären können. Möglicherweise sogar jenes, wonach Doskozil sich selbst als den einzig geeigneten SPÖ-Chef vorstellen kann. Und da tritt in Niessl wieder ein leichter Pessimismus zutage, meint er doch: Meiner Meinung nach kann es nur dann zu einem Miteinander kommen, wenn man sich auch bei wichtigen Themen trifft. Aber vielleicht ist das Thema, wer SPÖ-Chef sein soll, gar nicht so wichtig, dass man deshalb ein Miteinander trüben müsste.

Übertrieben war der Aufmacher des "Kurier" vom Dienstag: Fehlstart von Gerhard Zeiler stürzt die SPÖ in ein schweres Dilemma. Das schwere Dilemma hat schon vorher bestanden, und es dürfte die SPÖ noch länger begleiten. Der "Kurier" warf Zeiler auch mangelnde Sensibilität vor. Er dürfte viele Sozialdemokraten mit seinem Vorstoß überrumpelt haben. Bemängelt wird, dass kein klarer Plan und auch keine konkreten Inhalte vorlägen. Besonders traurig: Die Auftritte des SPÖ-nahen Medienberaters Peter Pelinka, der Zeilers Antrittsankündigung Freitagvormittag quasi vorwegnahm, hätten nicht geholfen. Es wird schon viel verlangt für so eine Bewerbung. Jetzt könne die Aktie Zeiler nur Dynamik bekommen, sollten sich weitere prominente Unterstützer zu ihm bekennen.

Dynamik könnte auch Zeilers Gastkommentar in "Profil" erzeugen, wo er die Hoffnung äußerte, Österreich muss nicht Sachsen-Anhalt werden, vorausgesetzt, man hört auf ihn. Hat er bisher im Geiste Anton Benyas davor gewarnt, die Kuh zu schlachten, die die Milch gibt, fordert er nun in dem Magazin, jede der Regierungsparteien wird auch die eine oder andere heilige Kuh schlachten müssen, und sie werden offen für neue Ideen sein müssen. Warum er das von anderen verlangt, ohne selbst bisher mit einer neuen Idee aufgewartet zu haben, außer dass man sie haben sollte, wird sich noch klären.

Österreich könnte aber doch Sachsen-Anhalt werden, weil die wichtigste Fähigkeit in Zeiten des Wandels verloren gegangen ist: Schneid. In diesem Fall kann sie einem auch von niemandem abgekauft werden. (Günter Traxler, 3.10.2026)

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