Die Schweiz trocknet aus, aber die Speicherseen der Skigebiete sind randvoll
Die Schweiz trocknet aus, doch die Speicherseen der Skigebiete sind randvoll
Für die künstliche Beschneiung der Schweizer Skipisten steht in den meisten Gebieten genug Wasser zur Verfügung. Jetzt muss es nur noch genügend kalt werden.
30.08.2026, 05.30 Uhr
2 Leseminuten

Der Naturspeichersee Lej Nair Pitschen im Engadin: Im November und Dezember brauchen die Skigebiete gewaltige Mengen Wasser.
Getty
Der sich zu Ende neigende Sommer war in jeder Hinsicht extrem. Andauernde Hitze sowie Trockenheit brachten die Schweiz an den Anschlag. Vor allem den Gewässern geht es schlecht. Fische sterben, und Schiffe kommen nicht mehr durch. Die Pegel von Seen, Flüssen und Grundwasser erreichten diesen Sommer neue Tiefstände. Und obwohl der Regen zurückgekommen ist, dürften sie sich nur langsam erholen.
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Doch es gibt eine Branche, die zumindest deswegen keine Sorgen hat: der Wintertourismus. Zwar hat es in den letzten Monaten viel zu wenig Niederschlag gegeben. Dennoch sind die meisten Speicherseen, welche im Winter die Anlagen zur künstlichen Beschneiung der Pisten speisen, randvoll. Das zeigt eine Umfrage bei fast einem Dutzend grösserer Schweizer Skigebiete. Eine nationale Übersicht über die Füllstände der Wasserreservoire gibt es nicht.
«Unsere beiden Naturspeicherseen Lej Alv und Lej Nair Pitschen sind vollständig gefüllt», teilt zum Beispiel das Resort St. Moritz Engadin mit. Dasselbe gilt für die beiden Speicherseen im Berner Oberländer Skigebiet Adelboden Lenk. Und Martin Hug, CEO der Zermatter Bergbahnen, schreibt: «Unsere Speicherseen sind aktuell gut gefüllt.»
Doch wie kann das sein?
Die Ausgangslage in den Bergen ist anders als im Flachland. Zum einen gab es häufiger Gewitter. Zum anderen werden viele Speicherseen durch Schmelzwasser gespeist. Und da es diesen Sommer auch in grosser Höhe aussergewöhnlich warm war, sammelten sich ansehnliche Mengen in den Speicherbecken.
Damit ist die wichtigste Ressource für die anstehende Skisaison vorhanden. «Aus heutiger Sicht erwarten wir keine Einschränkungen der Beschneiungsleistung für den kommenden Winter», so Martin Hug von den Zermatter Bahnen.
Der Kunstschnee ist für die Skigebiete zur Existenzgrundlage geworden. Ohne diese Technologie könnten sie nicht mehr zuverlässig wirtschaften. Vor allem die grossen Resorts sichern damit ihr Geschäft. In der Schweiz können rund 54 Prozent der Pistenfläche künstlich beschneit werden. Jedes Jahr werden mehr Anlagen gebaut.
Dafür braucht es aber genügend Wasser. Gemäss dem Verband Seilbahnen Schweiz geht rund ein Prozent des gesamtschweizerischen Wasserverbrauchs auf das Konto der künstlichen Beschneiung. Wichtig ist jedoch, dass das flüssige Gold dann zur Verfügung steht, wenn es gebraucht wird. Und das ist kurz vor Saisonbeginn im November und Dezember. Dann werden enorme Mengen verbraucht, um die weisse Grundlage für den ganzen Winter zu legen.
Genügend Wasser ist aber nur die eine Voraussetzung, damit die Skigebiete ihre Beschneiungsanlagen pünktlich in Betrieb nehmen können. Die andere ist, dass es kalt genug ist. Denn bei zu hohen Temperaturen nützen auch volle Speicherseen nichts.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
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