Die Stadt will Geld für das Förderprojekt „Zukunft Innenstadt“, aber nicht jeder ist davon begeistert

Stand: 29.09.2026, 07:00 Uhr

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After Work Treff auf dem Meininger Platz in Obertshausen

Veranstaltungen wie das einmal monatlich stattfindende After-Work-Event tragen zur Belebung der Innenstadt bei. Solche Aktivitäten will die Stadt ausbauen und hofft dafür auf Unterstützung aus dem Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“. © Michael Prochnow

Die Obertshausener Stadtverordnetenversammlung hat mehrheitlich für eine Bewerbung um Landesmittel gestimmt. Doch um das Geld zu bekommen, muss Obertshausen erstmal Geld ausgeben.

Obertshausen – Um die Teilnahme der Stadt Obertshausen am vom Land Hessen aufgelegten Förderprogramm „Zukunft Innenstadt“ hat es in der jüngsten Sitzung der Obertshausener Stadtverordnetenversammlung eine kontroverse Debatte gegeben. Am Ende stimmte das Parlament gegen die Stimmen der Sozialdemokraten bei Enthaltung der Grünen mehrheitlich für eine Bewerbung der Stadt um Fördermittel für Projekte, die zur Belebung der Innenstadt beitragen sollen.

Der Haken aus Sicht der SPD: Fördermittel des Landes bekommt die Stadt nur, wenn sie auch Mittel aus dem eigenen städtischen Haushalt beisteuert. Dafür sehen die Sozialdemokraten angesichts der höchst angespannten Haushaltslage keinen Spielraum.

„Uns steht das Wasser bis zur Oberkante Unterlippe“

Walter Fontaine, Fraktionschef der SPD, drückte es drastisch aus: „Wir haben bis heute keinen genehmigten Haushalt, und uns steht das Wasser bis zur Oberkante Unterlippe.“ In dieser Situation könne es sich die Stadt nicht leisten, 60.000 Euro für neue Projekte auszugeben. „Wir sollten erst einmal alles tun, um Bestehendes zu bewahren“, erinnerte Fontaine unter anderem an den sogenannten „Stadteuro“.

Auf diese Unterstützung für Tagesmütter wird die Stadt Obertshausen möglicherweise künftig verzichten und würde damit 120.000 Euro einsparen. Auch die mögliche Streichung der Freiluftkonzerte im Rahmen des Kultursommers und die geplante Erhöhung von Mieten in städtischen Wohnungen nannte Fontaine in diesem Zusammenhang.

CDU will sich die Chance auf Landesförderung nicht entgehen lassen

Nach Ansicht der CDU-Stadtverordneten Ina Kreher sollte sich die Stadt Obertshausen die Chance auf eine Landesförderung hingegen nicht nehmen lassen, denn alle drei in der Beschlussvorlage des Magistrats genannten Projekte seien sinnvoll. So plant die Stadt, die bereits bewährte O‑Card zu einer digitalen Innenstadtplattform weiterzuentwickeln. Im Rahmen des Projekts „NextFab“ sollen Präsentationsflächen für Start-ups und junge Unternehmen geschaffen werden.

Und unter dem Schlagwort „Kulinarisches Obertshausen“ sollen unter Einbindung von Gastronomie, Handel und Vereinen neue kulinarische und kulturelle Veranstaltungsformate entwickelt werden, die die Innenstadt als Ort der Begegnung stärken. Für jedes dieser drei Projekte erhofft sich die Stadt Fördergelder in Höhe von jeweils 100.000 Euro. Dafür müsste die Stadt jeweils einen Eigenanteil von 20.000 Euro aufbringen.

„Wir wären schön blöd“, sagt BfO-Fraktionsvorsitzende Schulz

„Wir wären schön blöd, wenn wir dieses Angebot vom Land nicht annähmen“, meinte auch Laura Schulz, Fraktionsvorsitzende der Bürger für Obertshausen (BfO). Sie nannte es ebenso wie der CDU-Fraktionsvorsitzende Lukas Kreher nicht sachgerecht, einzelne Projekte gegeneinander auszuspielen. Außerdem werde das Geld ja nur dann ausgegeben, wenn Obertshausen überhaupt in das Förderprogramm aufgenommen wird.

Bürgermeister Manuel Friedrich (unabhängig) bezeichnete die Bewerbung um die Fördermittel als eine „Option auf Geld“: „Wenn wir am Ende zu der Einschätzung kommen, dass wir die Projekte doch nicht finanzieren können oder wollen, dann nehmen wir die Fördermittel einfach nicht in Anspruch.“ (von Dirk Iding)