„Die Stimmung war unfassbar“: DBB-Auswahl meldet sich überzeugend zurück in der Heim-WM
Der Unterschied hätte kaum größer sein können, auf dem Parkett und auf den Rängen. Keine 24 Stunden nach der enttäuschenden Klatsche zum WM-Auftakt gegen Spanien spielten sich die deutschen Basketballerinnen im zweiten Gruppenspiel gegen Japan zu Beginn in einen Rausch.
Der Plan von Bundestrainer Olaf Lange ging voll auf. In der Zone nutzte das Team seine Größenvorteile, von der Dreierlinie punktete es mit herausragender Quote und in der Verteidigung ließ es die japanischen Dreierspezialistinnen nicht zur Geltung kommen.
Die deutschen Fans unter den 8367 Zuschauenden in der ausverkauften Berliner Max-Schmeling-Halle feierten jede gelungene Aktion ausgelassen. „Gestern war die Stimmung auch cool, aber hier ist alles ein bisschen enger. Das war unfassbar und hat uns sehr geholfen“, sagte Alex Wilke.
Ganz so ekstatisch ging es im Verlauf zwar nicht weiter, der erste Sieg in dieser Heim-Weltmeisterschaft war für Spielerinnen und Publikum aber wie eine Erlösung. Am Ende setzte sich die DBB-Auswahl am Samstagabend mit 74:58 (28:11, 6:18, 24:10, 16:19) durch und steht nach zwei Spielen bei einem Sieg sowie einer Niederlage. Beste Werferinnen waren Frieda Bühner (19 Punkte) und Nyara Sabally (18).
Vor dem letzten Vorrundenspieltag ist die Lage in Gruppe A deutlich angespannter, als es erwartet worden war. Das lag vor allem an der ersten großen Überraschung des Turniers, die sich schon am Mittag ereignete. Außenseiter Mali besiegt die am Freitag noch derart souveräne spanische Mannschaft.

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Somit gehen alle vier Teams mit einer ausgeglichenen Bilanz ins Gruppenfinale. Deutschland trifft am Montag (17.50 Uhr) in der großen Arena in Friedrichshain auf Mali. Vom Gruppensieg bis zum Vorrundenaus ist alles möglich. „Wir wollen am Montag gewinnen, daher brauchen wir erst gar nicht rechnen“, sagte Lange.
Wie groß die Ausschläge bei den Gastgeberinnen sind, zeigte das Spiel gegen Japan sehr deutlich. Dem überragenden ersten Viertel folgte ein mittelgroßer Einbruch in den folgenden zehn Minuten. Plötzlich fand die Mannschaft kaum gute Abschlüsse und leistete sich derart viele Ballverluste, dass der Vorsprung immer weiter schrumpfte. Auch zwei Auszeiten von Lange halfen nicht, um zurück in den Rhythmus zu kommen.
Das gelang erst nach der Halbzeit, zumindest in Ansätzen. Auch wenn Point Guard Alexis Peterson wegen eines Infektes fehlte und Deutschlands beste Spielerin Leonie Fiebich (5 Punkte) mit ihrem Wurf haderte, arbeitete sich das Team in die Zone und wieder zweistellig in Führung. „Mir ist das total egal, wie viele Punkte ich mache“, sagte Fiebich. Es sei die Stärke des Teams, dass viele Spielerinnen in der Lage sind, das Geschehen an sich zu reißen.
Am Samstag gelang das vor allem auf den großen Positionen. Kapitänin Marie Gülich, Nyara Sabally und Frieda Bühner nutzten ihre physischen Vorteile und waren von den Japanerinnen meist nur mit einem Foul zu stoppen. Es sah in dieser Phase nicht immer schön aus, doch es war erfolgreich, und so ging die DBB-Auswahl mit 19 Punkten Vorsprung ins Schlussviertel.
Anders als in der ersten Halbzeit ließ sich die deutsche Mannschaft diesen Vorteil nicht mehr nehmen und geht mit Rückenwind in das Gruppenfinale. Wie schnell sich solche Tendenzen in einem Turnier ändern können, haben die ersten zwei Spieltage allerdings eindrucksvoll gezeigt.