Diebstahl von Geschäftsgeheim­nissen: Apple versendet Aufforderun­gen an OpenAI-Mitarbeiter

Apple eskaliert im Rechtsstreit mit OpenAI um den Vorwurf des Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen. Medienberichten zufolge hat der Konzern nun rund 40 ehemalige Mitarbeiter, die inzwischen für den KI-Spezialisten arbeiten, per anwaltlichem Schreiben zur Sicherung relevanter Dokumente und Kommunikationsdaten aufgefordert.

Neue Mitarbeiter sollen Interna mitgenommen haben

Im Rechtsstreit erhebt Apple schwere Vorwürfe gegen OpenAI sowie zahlreiche Mitarbeiter, die bis vor Kurzem noch für den Konzern aus Cupertino tätig waren und anschließend zu OpenAI wechselten. Die Hintergründe der Klage hatte ComputerBase bereits in einem früheren Artikel aufgeschlüsselt. In der Klage wirft Apple dem KI-Unternehmen vor, über die neu eingestellten Mitarbeiter vertrauliche Informationen aus der Hardware- und Produktentwicklung erhalten und genutzt zu haben.

Im Mittelpunkt der Klage stehen unter anderem die ehemaligen Apple-Manager Tang Yew Tan und Chang Liu. Tan war 24 Jahre für Apple tätig und verantwortete zuletzt das Produktdesign von iPhone und Apple Watch, inzwischen ist er als Chief Hardware Officer bei OpenAI tätig. Chang Liu wechselte nach seiner Tätigkeit als Senior System Electrical Engineer bei Apple ebenfalls in das Hardware-Team von OpenAI.

Mitarbeiter sollen Informationen sichern

Nun hat Apple Medienberichte zufolge, die sich auf einen Artikel von Bloomberg (Paywall) stützen, sogenannte „Legal Preservation Letters“ an rund 40 ehemalige Mitarbeiter verschickt. Mit diesen Schreiben fordert das Unternehmen die Empfänger nicht zu einer Aussage auf, sondern verpflichtet sie dazu, potenziell relevante Unterlagen, E-Mails, Chatverläufe und andere Kommunikationsdaten für das spätere Verfahren aufzubewahren. Solche Schreiben dienen dazu, sicherzustellen, dass mögliche Beweismittel im weiteren Verlauf eines Gerichtsverfahrens weder gelöscht noch vernichtet werden. Der Schritt deutet darauf hin, dass sich Apple auf eine umfassendere und länger andauernde Beweisaufnahme vorbereitet.

Darüber hinaus könnte die Maßnahme darauf hindeuten, dass Apple davon ausgeht, weitere ehemalige Mitarbeiter könnten über Informationen verfügen, die für das Verfahren von Bedeutung sind. Ebenso ist denkbar, dass einzelne Empfänger im weiteren Verlauf des Verfahrens Gegenstand von Auskunfts- oder Beweisanforderungen werden. Bislang ist allerdings nicht bekannt, nach welchen Kriterien die angeschriebenen Personen ausgewählt wurden.

Apple dürfte von weiteren Verstößen ausgehen

Bereits in der Klageschrift hatte Apple erklärt, die bislang bekannten Vorfälle seien möglicherweise lediglich die „Spitze des Eisbergs“. Damit besteht durchaus die Möglichkeit, dass das Verfahren auf weitere Personen ausgeweitet wird. Ebenso könnte das nun versandte Schreiben als psychologisches Signal verstanden werden. Apple könnte damit den mittlerweile rund 400 ehemaligen Mitarbeitern, die inzwischen zu OpenAI gewechselt sind, verdeutlichen wollen, dass sie unter besonderer Beobachtung stehen und das Unternehmen ihre Tätigkeiten aufmerksam verfolgt.