Diese Hühner könnten ihren Platz verlieren: A40-Anwohner protestieren gegen Ausbau der Autobahn

Mit geübten Handgriffen schöpft Thomas Kunst eine kleine Schüssel voll Mehlwürmer aus einem Eimer und wirft sie seinen Hühnern zum Fressen hin. Seit fast 40 Jahren gehört das zum Alltag des gebürtigen Mülheimers. Wenn es nach den Plänen der Autobahn GmbH geht, könnte damit irgendwann Schluss sein. Sein Hühnerstall müsste dem Ausbau der A40 weichen. "Keine Hühner mehr", fasst Kunst knapp zusammen.

Der Hang soll für den A40-Ausbau in Mülheim gerodet werden

Denn obwohl zwischen Kunsts Garten und der A40 nur rund 14 Meter liegen, ist von der Autobahn heute kaum etwas zu sehen. Zwischen Garten und Fahrbahn liegt ein dicht bewachsener Hang. Oben auf dem Hang steht eine drei Meter hohe Lärmschutzwand, die durch das Dickicht kaum zu erkennen ist.

Sieben Meter Hang und rund acht Meter Lärmschutzwand

Wo heute ein dicht bewachsener Hang steht, könnte künftig eine deutlich steilere und weitgehend kahle Böschung liegen. Darüber würde die neue, bis zu 8,5 Meter hohe Lärmschutzwand aufragen. "Ich freue mich schon in Zukunft darauf, auf eine Betonwand zu schauen", sagt Kunst mit sarkastischem Unterton.

Erörterungsprozess in der Stadthalle Mülheim zum A40-Ausbau

Denn die neue Wand soll nach Angaben der Autobahn GmbH von der Anwohnerseite aus gewartet werden. Dafür wäre ein entsprechender Weg entlang der Wand notwendig. Wie viel Platz dann noch für Bäume und Sträucher bleibt, ist bislang offen. Für Maas geht es deshalb um mehr als den Lärmschutz.

Thomas Maas guckt in die Kamera
Es geht hier darum, dass man im Garten sitzt, sich am Wochenende erholen möchte und dann auf einen 15 Meter hohen Kahlschlag mit Wand schaut. Thomas Maas

In dieser Woche können Institutionen wie zum Beispiel Umweltorganisationen und Anwohner ihre Einwände gegenüber der Autobahn GmbH und der zuständigen Bezirksregierung Münster vortragen.

Bei dem dreitägigen sogenannten Erörterungstermin in der Stadthalle Mülheim geht es allerdings noch nicht um die endgültige Entscheidung über den Ausbau der A40. Vielmehr werden die Einwände der Betroffenen aufgenommen und mit den Verantwortlichen diskutiert. Sie sollen nun in den weiteren Entscheidungsprozess einfließen.

Autobahn GmbH bleibt stellenweise vage beim A40-Ausbau in Mülheim

Für die Autobahn GmbH ist Mario Korte, Leiter der Außenstelle Essen, beim Erörterungstermin vor Ort. Am Montag und Dienstag musste er sich bereits zahlreichen Fragen und Bedenken der Anwohner stellen. In einigen Punkten, etwa bei der konkreten Ausgestaltung der Böschung und der späteren Bepflanzung, blieb er vage. Insgesamt verwies Korte bei dem Termin auf die unterschiedlichen Interessen, die bei dem Projekt berücksichtigt werden müssten.

Einige Anwohner hatten außerdem bemängelt, dass die Zahlen zur Auslastung der Autobahn veraltet seien - das Gutachten stammt aus dem Jahr 2017. Auf Nachfrage des WDR hatte eine Sprecherin der Autobahn GmbH erklärt, dass ständige Monitorings diese Zahlen bestätigen würden.

Mario Korte schaut in die Kamera
"Natürlich ist das für die Anwohner emotional behaftet, aber man muss die Belange aller im Blick behalten." Mario Korte, Autobahn GmbH

Die endgültige Entscheidung über den weiteren Verlauf des A40-Ausbaus liegt nun bei der Bezirksregierung Münster. Wann sie fällt, ist noch offen. Für Thomas Kunst bedeutet das: Auch die Frage, ob seine Hühner bleiben können und wie der Blick aus seinem Garten künftig aussieht, ist vorerst nicht geklärt.