Digitalrechtsexperte Forgó über KI: Europas Einfluss "sehr, sehr begrenzt"

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Digitalrechtsexperte Forgó über KI: Europas Einfluss "sehr, sehr begrenzt"

Nikolaus Forgó, Digitalrechtsexperte an der Universität Wien, sieht im "ZiB 2"-Interview die Selbstregulierung der KI-Branche mit Skepsis. KI-Warnungen haben Marketinggründe

Oliver Mark

Eine Art Selbstregulierung soll es also richten: US-Präsident Donald Trump will trotz Warnungen vor existenziellen Risiken Künstlicher Intelligenz die Aufsicht über die Technologie ihren Entwicklern selbst überlassen. Es sei eine "moralische Verpflichtung", so Trump, denn täten sie das nicht, wären die Firmen dem Untergang geweiht.

Ob das ein überzeugendes Argument ist, wollte Armin Wolf am Mittwochabend in der ZiB 2 von Nikolaus Forgó, Digitalrechtsexperte an der Universität Wien, wissen. "Nicht wahnsinnig", sagte Forgó, denn: "Diese Unternehmen stehen zum Teil gerade knapp vor dem Börsengang und sind jetzt natürlich durch kommerzielle Interessen determiniert." So sage man nicht alles, was im Interesse der Menschheit ist, sondern eher, was im Interesse der Aktionärinnen und Aktionäre ist.

Parallelen zur Tabakindustrie?

Er, Forgó, kenne keine Beispiele, dass es gelungen sei, eine potenziell gefährliche Technologie über eine Art Selbstregulierung in die Schranken zu weisen. Was fehle, ist externes Monitoring und Transparenz. Moderator Armin Wolf erwähnte die Tabakindustrie als negatives Beispiel. Durch "wissentliches" Belügen der Öffentlichkeit hätte sie "dutzende Millionen Todesopfer" verursacht. Im Gegensatz zum Tabak gebe es bei der KI aber auch positive Aspekt, so Forgó: "Eine gefährliche Technologie oder ein gefährliches Produkt sind beide."

Dass die KI die Menschheit ausrotten wird, wie manche KI-Apologeten und -Kritiker zugleich mahnen, glaubt Forgó nicht. Er sieht in den Untergangsszenarien vorwiegend einen Marketinggag, der den Börsengängen und der Wettbewerbssituation mit China geschuldet sei. US-Firmen hätten ein großes Interesse daran, das eigene Potenzial als "möglichst schillernd" darzustellen. Das manifestiere sich auch in Börsenprospekten. "Wenn ein Waffenhersteller an die Börse geht, wird er auch nicht schreiben, dass die Waffe ganz harmlos ist." Was Forgó schon ortet, sind ernsthafte Gefahren. Deswegen sei es sinnvoll, sie zu regulieren.

"Reale Gefahr" im Krieg

Eine "reale Gefahr" sei beispielsweise der Einsatz von KI in kriegerischen Auseinandersetzungen. Die KI entscheide, wer unter welchen Voraussetzungen angegriffen werde. Um diese Gefahr in den Griff zu bekommen, benötige es völkerrechtliche Verträge, sagt Forgó. "Genauso wie bei den Atomwaffen." Europa könne hier allerdings nicht auf Augenhöhe mitreden, weil es technologisch hinterherhinke. Bei den USA ortet Forgó derzeit kein Interesse an einer Regulierung.

Nikolaus Forgo, Digitalrechtsexperte an der Universität Wien, sitzt im Studio der
Nikolaus Forgo, Digitalrechtsexperte an der Universität Wien.

Der europäischen AI-Act sei zahnlos, weil sich die Implementierung verzögere. "In Österreich gibt es nicht einmal eine Stelle, die zuständig wäre", sagt Forgó. Europa ist gut im Regulieren, nicht aber im Durchsetzen – etwa gegenüber Unternehmen, die in den USA oder in China sitzen. Wenn Brüssel ruft, spitzt Open AI nicht zwingend die Ohren.

Theoretisch könnte Europa Strafen verhängen, aber: Wie bereits die Datenschutzgrundverordnung zeige, führe die Androhung nicht unbedingt zu einer Disziplinierung. "Die Einflussmöglichkeiten innerhalb der Europäischen Union sind sehr, sehr begrenzt." Sachlich und am Punkt! (Oliver Mark, 1.10.2026)

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