Discounter in der Krise: Große Kette meldet zum zweiten Mal Insolvenz an – wie es weitergehen soll
Stand: 14.07.2026, 19:40 Uhr
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Für Kodi wiederholt sich die Geschichte: Kaum eineinhalb Jahre nach dem letzten Rettungsversuch steht der Nonfood-Discounter erneut vor dem finanziellen Aus.
Oberhausen – Das Unternehmen hat beim Amtsgericht Halle an der Saale einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt – Dutzende Filialen und Hunderte Jobs stehen nun auf der Kippe. Das Gericht hat dem Antrag entsprochen und die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Für die Geschäftsführung von Kodi bedeutet das: Sie bleibt voll handlungs- und weisungsbefugt und lenkt die Geschicke des Unternehmens weiter selbst, allerdings unter der Aufsicht eines vorläufigen Sachwalters.

Verantwortlich für die erneute Schieflage sind laut Unternehmensangaben mehrere Faktoren gleichzeitig: eine nach wie vor gedrückte Konsumstimmung, wachsender Konkurrenzdruck durch Online-Händler, hohe Energiepreise, steigende Lohnnebenkosten und zusätzlich hohe Mieten. In der Summe hätten diese Belastungen den Discounter erneut in die roten Zahlen getrieben.
Kodi-Geschäftsführer spricht Klartext: „Die Ausgangslage ist allerdings nicht einfach“
Wie tief der Einschnitt sitzt, macht Kodi-Geschäftsführer Fabian Grund im Rückblick auf das vorangegangene Sanierungsverfahren deutlich: „Wir konnten unser vorangegangenes Sanierungsverfahren erfolgreich abschließen und den Geschäftsbetrieb stabilisieren. Die seinerzeit umgesetzten Maßnahmen haben eine wichtige Grundlage für die Fortführung unseres Unternehmens geschaffen. In den vergangenen Monaten haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen jedoch in einer Dynamik und Intensität verschärft, die zum Zeitpunkt nicht absehbar waren und unsere Situation erneut erheblich belasten.“
Den erneuten Gang zum Insolvenzgericht begründet er als bewussten Schritt: „Das nun eingeleitete Verfahren ist Ausdruck eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Situation. Unser Ziel ist es, den Fortbestand unseres Unternehmens zu sichern. Die Ausgangslage ist allerdings nicht einfach – das müssen wir ganz offen sagen.“
Rund ein Drittel der Kodi-Filialen vor dem Aus
Konkret heißt das für das Filialnetz: Von den derzeit 150 Standorten muss Kodi nach eigener Einschätzung rund 50 aufgeben. Damit einher geht auch ein Abbau von Stellen. Welche Filialen konkret geschlossen werden, ist noch offen – entsprechende organisatorische Entscheidungen würden derzeit geprüft und sollen in den kommenden Wochen feststehen. Bis dahin läuft der Betrieb an allen Standorten zunächst unverändert weiter, wie das Unternehmen mitteilte.
Für die Mitarbeitenden hat Grund eine offene, fast entschuldigende Botschaft: „Das ist eine harte Einschätzung – insbesondere für unsere Mitarbeitenden, die bereits ein Sanierungsverfahren mit großem Engagement begleitet haben und sich tagtäglich für KODi einsetzen. Dass wir ihnen diese Perspektive geben müssen, tut uns außerordentlich leid.“
Über die Neuigkeiten wurde die Belegschaft am Dienstag informiert. Finanziell sind die Beschäftigten zunächst abgesichert: Für Juli, August und September 2026 werden Löhne und Gehälter über das Insolvenzgeld gezahlt. Insgesamt beschäftigt Kodi derzeit 1.200 Menschen, davon 72 im Dienstleistungszentrum und 36 in der Logistik. Der Schwerpunkt des bundesweiten Filialnetzes liegt in Nordrhein-Westfalen.
Schon die zweite Pleite binnen 18 Monaten
Bereits im November 2024 war Kodi wegen Zahlungsschwierigkeiten in ein Schutzschirmverfahren gerutscht. Ein Konsortium von Investoren hatte das Unternehmen damals aufgefangen und 150 der ursprünglich 230 Filialen übernommen. Erst im Februar dieses Jahres hatte Kodi mit der Übernahme des ostdeutschen Konkurrenten Mäc Geiz noch für positive Schlagzeilen gesorgt.
Begleitet wird das laufende Verfahren von der Insolvenz- und Sanierungskanzlei AndresPartner, die parallel auch die – rechtlich unabhängige – Sanierung der Schwestergesellschaft Mäc Geiz betreut. Die Kanzlei bringt nach eigenen Angaben umfangreiche Erfahrung in der Restrukturierung von Handelsunternehmen mit. Als vorläufiger Sachwalter wurde der Sanierungsexperte Prof. Dr. Lucas F. Flöther von der Kanzlei Flöther & Wissing bestellt; er überwacht das Verfahren unabhängig im Interesse der Gläubiger.
Die Kodi Handels GmbH mit Sitz in Oberhausen beliefert nach eigenen Angaben seit 1981 Kundinnen und Kunden mit Produkten des Alltags. Das Sortiment aus Haushalts- und Drogeriewaren umfasst mehr als 2.700 Artikel aus Bereichen wie Reinigen, Kochen, Dekorieren, Heimwerken, Textilien und Lebensmittel. (Quellen: Lebensmittel Zeitung, Lebensmittel Praxis, INDat, dpa) (han)