„55 Prozent keine Straftäter“: Dobrindt lässt dennoch Afghanen abschieben – mithilfe der Taliban

Dobrindt lässt Afghanen abschieben – die meisten haben sich nichts zuschulden kommen lassen

Stand: 26.09.2026, 21:31 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Dobrindt arbeitet mit den radikalislamistischen Taliban zusammen – und schiebt gleichzeitig nach Afghanistan ab. Viele sind keine Straftäter.

Berlin/Kabul – „Deutschland schiebt Menschen, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen, in ein Land ab, in dem ein islamistisches Terrorregime, willkürliche Gewalt und extreme Not herrschen“: Clara Bünger, Linken-Abgeordnete und Mitglied im Innenausschuss, ist sauer. Sie hatte die Regierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) bezüglich Abschiebungen von Afghanen befragt und als Antwort erhalten, dass ca. 488 Afghanen für Abschiebeflieger gemeldet seien.

Abschiebeflug nach Afghanistan

Vor Abschiebung sind die Menschen aus Afghanistan in Deutschland nicht mehr geschützt. © Sebastian Willnow/dpa

Allerdings führt die Bundesregierung weiter aus: Nach Kenntnis der Bundespolizei liegt bei 267 Menschen aus der Gruppe derjenigen, für die zwischen dem 8. Juli und dem 18. September ein entsprechendes Amtshilfeersuchen an die Bundespolizei gerichtet worden sei, keine strafrechtliche Verurteilung vor. Das sind rund 55 Prozent. Das Innenministerium von Alexander Dobrindt (CSU) teilte Bünger zudem mit, bis auf Bremen und Mecklenburg-Vorpommern hätten alle Länder Afghanen gemeldet, die sie abschieben wollten.

Seit dem Antritt der schwarz-roten Koalition wurden insgesamt 250 afghanische Staatsangehörige nach Afghanistan abgeschoben, wobei Dobrindt Ende Juli erklärte, man werde sich nicht mehr ausschließlich auf „Straftäter“ und „Gefährder“ beschränken – auch wenn dies in der Vergangenheit bereits angezweifelt wurde. Nun ist es offiziell, ab sofort auch andere Ausreisepflichtige dorthin abzuschieben, obwohl die radikalislamistischen Taliban das Land nach wie vor mit Terror überziehen.

Das Dobrindtsche Innenministerium steht vermehrt in der Kritik, weil es mit den Taliban zusammenarbeitet, nur um weitere Abschiebungen zu forcieren. Ende August war bekannt geworden, dass drei Diplomaten der Taliban nach Deutschland gereist waren, um in Zusammenarbeit mit den Behörden Abschiebungen von Afghanen vorzubereiten. Es handele sich um ein „technisches Unterstützungsteam“, das die Voraussetzungen dafür schaffen soll, dass in den afghanischen Vertretungen in Deutschland Dokumente ausgestellt werden können, die die Taliban akzeptieren, hieß es von Behördenseite.

Dobrindt arbeitet mit Taliban für Abschiebungen zusammen

Der NDR hatte zudem recherchiert, es gehe hier nicht nur darum, der Merz-Regierung entgegenzukommen. Vielmehr sollen die Taliban-Diplomaten sicherstellen, dass die hohen Einnahmen der afghanischen Vertretungen, die diese durch die Ausstellung von Pässen und Urkunden erzielen, unter Umgehung von Finanzsanktionen nach Afghanistan überführt werden. Bünger sagte hierzu: Die Bundeswehr habe die Taliban jahrelang militärisch bekämpft, jetzt kooperiere Deutschland mit den Radikalislamisten und liefere ihnen Menschen per Abschiebeflieger aus. (Quellen: eigene Recherche, dpa, NDR) (ktho)