Olivenöl aus der Schweiz: Landwirte reagieren auf Klimaerwärmung
Dolce Vita nördlich der Alpen Was taugt Olivenöl aus der Schweiz?
Flüssiges Gold aus der Schweiz: Wie es Olivenbäume bis ins Zürcher Weinland geschafft haben und wie man gutes Öl erkennt.
09.08.2026, 18:01
Ein Stück warmes Brot, etwas Fleur de Sel und ein kleiner Teller mit der goldgrünen Flüssigkeit: Für viele ist Olivenöl längst ein Genussprodukt. Doch statt Importware aus Italien oder Spanien zu kaufen, entdecken Foodies inzwischen das heimische Olivenöl für sich.
«Das Olivenöl aus dem Tessin kann es durchaus mit sehr guten Ölen aus Ligurien oder dem Piemont aufnehmen», sagt der Essensforscher Dominik Flammer. Es sei für sein intensives Grün und seine fruchtige, pfeffrige Note bekannt.
Olivenlese am Hang des Monte Bre oberhalb des Lago di Lugano: Olivenöl aus dem Tessin hat eine jahrhundertealte Tradition.
Keystone / Ti-Press / Gabriele Putzu
Dass im Tessin Olivenbäume wachsen, ist allerdings nichts Neues: Schon die Römer brachten den Olivenanbau in die Region. Über die Jahrhunderte geriet er etwas in Vergessenheit, bis er Ende der 1980er-Jahre aus kulinarischer Leidenschaft wiederbelebt wurde.
Wenn man eine Literflasche für sieben Franken im Supermarkt kauft, ist das ein billiges Öl.
Seit 2021 ist das «Olio d'oliva ticinese» sogar offiziell im Inventar des kulinarischen Erbes der Schweiz eingetragen.
Landwirt reagiert auf Trockenheit
Doch die Geschichte des Schweizer Olivenöls endet längst nicht mehr südlich der Alpen. Im Zürcher Weinland wachsen auf einer Parzelle des Landwirts Raphael Anderegg über 130 Olivenbäume.
«Meine Frau und ich haben während unserer Ferien in Italien aus Jux ein Oliven-Tasting gemacht und dann herausgefunden, dass das Klima bei uns mittlerweile ähnlich ist», erzählt Anderegg.
Kurzerhand bestellte er Olivenbäume aus Italien und pflanzte sie auf ehemaligen Rebflächen an. Dahinter steckt auch die Anpassung an den Klimawandel. «Wir haben sehr trockene Bedingungen. Das Gras wächst nicht mehr und unser Mais für die Kühe wird in Zukunft kaum noch wachsen.»
Noch sind die Bäume erst drei Jahre alt, eine richtige Ernte ist frühestens nach sechs Jahren zu erwarten. Im Idealfall sollen sie später rund 500 Liter Olivenöl liefern.
Ob sich der Olivenanbau nördlich der Alpen langfristig etabliert? Flammer zeigt sich skeptisch: «Ich weiss nicht, ob die Bäume jeden Schweizer Frost überstehen.»
Zwar stehen in der Westschweiz mittlerweile bereits über 5000 Olivenbäume, doch das Risiko eines harten Winters ist in unseren Breitengraden immer dabei.
Wer dennoch eine der raren Flaschen Schweizer Olivenöl ergattert, darf auf ein besonderes Produkt hoffen. Doch woran erkennt man die Qualität des Öls?
Worauf es beim Olivenöl ankommt
Entscheidend ist laut dem Food-Experten vor allem die Frische: Hochwertiges Olivenöl wird aus fast unreifen Oliven gepresst und ungefiltert serviert. «Gute Produzenten weigern sich, Rüttelmaschinen zu verwenden, weil sie die Bäume schädigen. Sie schütteln die Bäume von Hand, lesen die Oliven auf und pressen sie frisch.»
Geerntete Oliven werden in einer Olivenmühle am Stadtrand von Athen in Griechenland in den Trichter der Presse geladen.
IMAGO / Thea Photography
Auch der Hinweis «extra vergine» könne ein Qualitätsmerkmal sein: Er deutet darauf hin, dass das Öl nicht raffiniert wurde – also chemisch gereinigt oder stark erhitzt. Darauf allein sollte man sich aber nicht verlassen: Immer wieder werden Öle miteinander vermischt und fälschlicherweise als «extra vergine» deklariert.
Für hochwertiges, kaltgepresstes Olivenöl zahle man 30 bis 50 Franken. «Wenn man eine Literflasche für sieben Franken im Supermarkt kauft, ist das ein billiges Öl. Das kann man zum Backen oder Braten verwenden, aber Mayonnaise oder Salatsauce würde ich damit nicht machen.»
Während günstiges Olivenöl durchaus zum Backen, Kochen oder Braten unter 150 Grad gedacht ist, sollte man kaltgepresstes Öl nur roh verwenden: Auf einer Scheibe warmen Brot, an einem Tomaten-Mozzarella-Salat oder über einem sämigen Risotto.