Nahost: Warum der Dollar an Macht verliert
Dollar: Weichenstellung in Nahost
Mit dem Verlust der Vormachtstellung im Nahen Osten könnten die USA einen ähnlichen Weg gehen wie Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg – mit ähnlichen Konsequenzen für den Dollar.
Porträt des US-Präsidenten George Washington auf der Ein-Dollar-Note. Foto: IMAGO/Zoonar
Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Deshalb zunächst ein Blick in die Vergangenheit: Großbritannien war bis in die 1950er-Jahre die Schutzmacht im Nahen Osten. Das änderte sich am 23. Juli 1952 mit dem Sturz des letzten ägyptischen Königs Faruk I. durch einen Putsch von General Muhammad Nagib und Oberstleutnant Gamal Abdel Nasser.
Der spätere Staatspräsident Nasser wollte das formal souveräne Ägypten endgültig vom Einfluss Großbritanniens lösen. Weil britische und französische Aktionäre aber noch den Suezkanal kontrollierten, verstaatlichte Nasser die Kanalgesellschaft am 26. Juli 1956. Das war der Auslöser der Suezkrise: Großbritannien, Frankreich und Israel griffen Ägypten an.
Es war jedoch eine ungewöhnliche Allianz der USA mit der damaligen Sowjetunion, die schließlich für eine diplomatische Niederlage der Briten sorgte. Damit hatten die USA ihr Ziel erreicht, die Briten als Schutzmacht im Nahen Osten zu verdrängen.
Aufstieg des Petrodollar
Eingeleitet wurde dieser Prozess bereits am 14. Februar 1945. An diesem Tag trafen sich US-Präsident Franklin D. Roosevelt und der saudische König Abd al-Aziz ibn Saud an Bord des US-Kreuzers USS Quincy im Suezkanal. Das Treffen gilt als Ausgangspunkt der langen sicherheits- und energiepolitischen Zusammenarbeit beider Länder.
Der Nachkriegsboom ließ die globale Ölnachfrage von sieben Millionen Barrel pro Tag im Jahr 1945 bis zur ersten Ölkrise 1973 auf 55 Millionen Barrel pro Tag steigen. 1974 gründeten Saudi-Arabien und die USA eine gemeinsame Wirtschaftskommission. Zugleich schuf das US-Finanzministerium besondere Möglichkeiten für Saudi-Arabien, seine Öleinnahmen in US-Staatsanleihen anzulegen.
Ein großer Teil der saudischen Dollar-Einnahmen floss so zurück in den amerikanischen Kapitalmarkt. Der Dollar stieg zur weltweit wichtigsten Handelswährung auf; internationale Finanzgeschäfte wurden vor allem in Dollar abgewickelt. Die Folge: Die Nachfrage nach US-Staatsanleihen drückte das Zinsniveau in den USA und erleichterte der US-Regierung die Aufnahme von Schulden. Diese haben kürzlich die Marke von 40.000 Milliarden Dollar überschritten.
Die Schutzmacht strauchelt
Bekommen jetzt die USA ihre Version der Suezkrise? Wie der 14. Februar 1945 könnte auch der 26. Februar 2022 in die Geschichte eingehen. An diesem Tag beschlossen die G7-Staaten und die Europäische Union, Russland den Zugriff auf einen großen Teil seiner Devisenreserven zu versperren. In der Rückschau eine folgenschwere Entscheidung, auch für den Dollar.
Der Beschluss führte anderen Ländern vor Augen, dass Währungsreserven in Dollar im Konfliktfall Sanktionen unterworfen werden und damit blockiert sein können. Dabei werden ausländische Käufer angesichts der amerikanischen Schuldenexzesse eigentlich gebraucht. Ein Ausdruck des gestiegenen Misstrauens gegenüber dem Greenback ist, dass Zentralbanken seit 2022 große Mengen Gold gekauft haben. So hat etwa die People’s Bank of China ihre Goldreserven erheblich aufgestockt.
Verlieren die USA jetzt die Kontrolle über den Nahen Osten, könnte der Dollar weiter an Rückendeckung verlieren. Das haben die Finanzmärkte womöglich noch nicht ausreichend eingepreist.

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Auffällig ist, wie moderne Drohnen und Präzisionswaffen das militärische Kräfteverhältnis verschieben. Die Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine zeigen: Teure traditionelle Waffensysteme wie Panzer, Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe werden zunehmend durch vergleichsweise günstige Drohnen und Raketen bedroht.
Damit wird der Einsatz klassischer Waffensysteme aufwendiger und kostspieliger. Durch den Einsatz billiger Drohnen können Länder von ihrem Gegner den Einsatz sehr viel teurerer Abfangsysteme erzwingen. Für die USA und ihre Verbündeten wird es damit schwieriger und vor allem teurer, ihre militärische Überlegenheit auszuspielen.
Die jüngste Reise von CIA-Direktor John Ratcliffe nach Moskau wird von einigen Beobachtern ebenfalls als Zeichen amerikanischer Schwäche gedeutet. Möglich, dass Moskau darauf mit neuen Eskalationen reagiert. Diese würden dann in China registriert werden. Peking dürfte genau beobachten, wie stark die USA militärisch im Nahen Osten und in Europa gebunden sind.
Relevant wäre das für Taiwan. Die USA unterhalten zwar Stützpunkte unter anderem in Japan, Guam und auf den Philippinen. Aber Washington hat Personal und militärisches Gerät aus dem Indopazifik in den Nahen Osten verlegt, etwa Kriegsschiffe und Teile von Raketenabwehrsystemen. Je mehr militärische Ressourcen die USA im Nahen Osten aufwenden müssen, desto schwieriger wird es, gleichzeitig im Indopazifik eine glaubwürdige Abschreckung aufrechtzuerhalten.

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