Doppelter Torklau? Karlsruhe klagt über Schiri-Pech – St. Pauli reagiert
FC St. Pauli
In den vergangenen Jahren hatte St. Pauli oft Grund zu Schiri-Kritik. Beim 2:0 gegen den KSC aber entschied der Referee in drei strittigen Szenen pro Kiezklub.
Man muss schon relativ tief in die Vergangenheit zurückreisen, um derlei Spiele aufzufinden. Zumindest in den beiden Erstliga-Jahren gab es kein einziges Match, das der FC St. Pauli mal aufgrund strittiger Schiedsrichter-Entscheidungen gewonnen hätte. Vielmehr stimmte man auf dem Kiez relativ häufig und in der Regel nachvollziehbar Klagelieder an, vom jeweiligen Unparteiischen benachteiligt worden zu sein. Nach dem 2:0 gegen den KSC am Sonntag aber hatten vor allem die Gäste Grund zur Kritik – und die äußerten sie dann auch.
In der Summe ging es aus Karlsruher Warte um drei Szenen, mindestens zwei davon waren für neutrale Beobachter und auch Marcel Rapp nachvollziehbar. „Ich kann Max Senft und die Karlsruher verstehen, dass sie mit den Entscheidungen hadern“, sagte St. Paulis Coach in Richtung seines Kollegen. Der hatte seinem Ärger zuvor Luft verschafft, wenngleich ohne Polemik oder aggressiven Unterton. Ihm ging es um drei Szenen, die sämtlich großen Einfluss auf die Partie genommen hatten.
Foul an Eric Smith? St. Pauli im Glück beim aberkannten 0:1
21. Minute: Nach einem Aussetzer von Eric Smith im Aufbau gab es Ecke für den KSC. Marvin Wannitzek trat die Kugel vors Tor, wo Christoph Kobald zum Kopfball kam und traf. Allerdings pfiff Referee Lukas Benen aus Paderborn, nämlich ein vermeintliches Foulspiel von Sandro Trémoulet an Smith, der zu Boden gegangen war. „Aus meiner Sicht ein klar korrekt erzieltes Tor“, sagte Senft. „Wenn das ein Foul ist, gibt es keine Eckballtore mehr in der Liga.“
Sogar der vermeintlich Gefoulte räumte ein, dass man das mitnichten hätte pfeifen müssen. „Ich habe den Ellenbogen im Nacken gespürt und bin dann heruntergegangen“, sagte Eric Smith. Normalerweise sei es nicht erlaubt, das zu machen im Fußball. „Ich muss es noch mal sehen. Ich weiß nicht, wie viel Power es war. Ich hatte das Gefühl, dass er das Duell gewinnen würde. Dann habe ich meine Chance genutzt und es hat geklappt.“ Auch weil sich VAR Bastian Dankert, immerhin als solcher regelmäßig bei der WM und in der Champions League im Einsatz, gegen ein Eingreifen entschied.
Umstrittener Freistoßpfiff vor St. Paulis zweitem Tor
51. Minute: Bei einem Zweikampf auf der rechten Karlsruher Abwehrseite flipperte der Ball durch die Luft, Abdoulie Ceesay und Marcel Franke gingen mit hohem Bein gen Kugel, kurz darauf lag Ceesay am Boden. Benen hatte ein Foul von Franke wahrgenommen, im Gegensatz zu Senft: „Wenn man hier überhaupt Foul geben muss, dann in die andere Richtung.“ Tatsächlich wäre es wohl richtig gewesen, gar nicht zu pfeifen. So aber gab es den Freistoß, den Lars Ritzka zum 2:0 nutzte. Für das schwache Abwehrverhalten des KSC konnte Benen indes nichts.
St. Paulis Gegner wird noch ein zweites Tor annulliert
83. Minute: Lilian Egloff überwand St. Paulis Schlussmann Ben Voll aus zwölf Metern vom vermeintlichen Anschluss, ehe plötzlich die Fahne des Assistenten hoch ging. Abseits. Was durchaus überraschend war, denn der Ball war als missglückter Klärungsversuch von Eric Smith zum Schützen gelangt, was natürlich auch an Senft nicht vorbeigegangen war. Diesmal checkte Dankert die Nummer, beließ es aber bei der Entscheidung. Möglicher Hintergrund: Es war kein kontrollierter Ball von Smith, der versucht hatte, seinen Fuß in den Passweg zu stellen.
Trotzdem: Es war nur logisch, dass sich die Badener beklagten. Und es war angebracht, dass St. Pauli das nachvollziehen konnte. Denn bei Braun-Weiß weiß man aus eigener Erfahrung, wie ungerecht sich die Fußball-Welt anfühlen kann, wenn es grad nicht läuft und dann noch alles gegen einen entschieden wird.
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