Dorfromantik: Gemütlich-gemeinsamer Geländebau
Brettspiel-Tipp
Dorfromantik: Gemütlich-gemeinsamer Geländebau
Die deutsche Verbrettspielung des deutschen Erfolgscomputerspiels von 2022 kann mit seiner simpler Mechanik auch als Brettspiel überzeugen
Test
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Alexander Putzendopler
Irgendwie sammeln sich hier gerade die Berichte zu Spielen im ruralen Umfeld bzw. zu "Spielen des Jahres" – ist nicht beabsichtigt, aber wohl indirektes Lob für die Juryentscheidungen. Anders als Kollege Alexander Amon hat der Autor die virtuelle Vorlage tatsächlich nicht nur nicht gespielt, sondern bis zum Erscheinen der papierenen Verarbeitung nicht einmal gekannt (ersteres hat sich bis heute nicht geändert). Somit war ein völlig unbelecktes Herangehen an den Schabernack möglich, als das Testexemplar plötzlich in heimischen Gefilden landete (also eigentlich bei einem Paketpartner ohne hinterlegten Zettel, aber das ist eine andere Geschichte).
Der erste Eindruck war einmal ein optisches Pfuigaxi, wie wenig lebensbejahend kann man ein Cozygame eigentlich gestalten? Familienspiele sind auch nicht gerade der Favorit im Hause Punkanwalt und überhaupt. Aber erstens mußte getestet werden, zweitens bürgen die beiden Autoren, Michael Palm und Lukas Zach, regelmäßig für qualitativ hochwertigen Stoff. Also munter ins ländliche Landleben ge-worfen und (semi)pittoreske Plättchen pöppeln.
Stadtentwicklung ohne Flächenwidmungsplan
Im Kern bietet Dorfromantik nichts, was andere Plättchenlegespiele nicht in myriadenfacher Varianz bereits auf die Spieltische der Welt gebracht haben. Plättchen ziehen, Plättchen legen, Punkte machen, weiter geht’s. Durch zwei Alterationen jedoch sticht artikelgegenständlicher Schachtelinhalt dann aber doch heraus und entwickelt eine ganz eigene Faszination: Einerseits schaffen wir unser dahinwach-sendes Dorf vollkooperativ, andererseits bietet das Spiel – ungewöhnlich für einen Vertreter derartiger ludorum familiarium – einen Kampagnenmodus, welcher enorm motivierend ist (ohne Legacyelemente, also nichts wird kaputtgemacht).
Ein Spielzug könnte schlichter nicht sein: Der aktive Spieler zieht ein Plättchen – je nach Situation "reguläre" Landschaft oder Auftrag – und legt dieses nach schnell verinnerlichten Regeln auf den Tisch, erweitert damit den Iststand der heimischen Kommune, bestenfalls wird durch Erreichen einer gewissen Gebietsgröße noch ein punkteträchtiger Auftrag erfüllt – zack, nächster Spieler. Die Anlegeregeln sind dabei der Mechanik zuträglich, optisch ein Graus für jeden OCD-ler: Ohne jeglichen Flächenwidmungsplan zu beherzigen, dürfen Wälder an Ackerflächen, diese wiederum an Dorfplätze grenzen. Lediglich Schienen und Flüsse müssen ihren korrekten Anschluß finden. Auch an diese optische Folter gewöhnt man sich aber eiligst.
Punktejagd in Pöppelhausen
Jetzt wäre das alles ja nett und fein, würde aber auf BGG maximal für 5,2 reichen. Was macht die allabendliche Partie aber doch so erstrebenswert? Das Kampagnen- respektive Errungenschaftsystem: Mit jeder Partie erringen die Spieler – Dorfromantik ist übrigens ein perfektes Zweipersonenspiel – gemeinschaftlich Punkte und Schritte auf der Kampagnenkarte, welche wiederum Schächtelchen mit neuem Spielmaterial und weiteren Herausforderungen freischalten. Diese wiederum erhöhen die Komplexität, aber auch die pro Partie erreichbaren Punkte – was wiederum (das Konzept perpetuiert sich) zu neuen Schächtelchen führt.
Der Anreiz, seine Partien jedes Mal deutlich zu verbessern, möglichst optimale Runden hinzulegen und bestenfalls in einem Durchgang zwei bis drei Herausforde-rungen zu bewältigen, ist so groß, daß die Knöpfe im Belohnungszentrum mit dem Dampfhammer gedrückt werden. Die Motivationsspirale dreht sich mit jedem Eintrag im Kampagnenlogbuch immer schneller.
Dennoch ist das Spiel kein Brecher, sondern eben eine wunderbare Art, einen Arbeitstag mit ein bis zwei Partien, die dann auch nach 20-30 Minuten pro Durchgang geschafft sind, ausklingen zu lassen. Bis dann am nächsten Abend die neueste Herausforderung wartet – es bleibt ja ohnehin auf dem Tisch liegen.
Mittlerweile gibt es eine (leicht) komplexere zweite Version, Dorfromantik: Sakura, sowie eine Reisevariante und eine Duelledition – die Sie bitte im Regal belassen, das funktioniert so einfach nicht.
Nach diesem erneuten Ausflug in der Bereich der Cozygames bleibt nur mehr, frohes Plättchenlegen zu wünschen und nächstes Mal kommt wieder etwas Oages, versprochen. (Alexander Putzendopler, 25.7.2026)
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