„Ohne Warnung der Partner“: Selenskyj attackiert Verbündete nach Raketeneinschlägen in Kiew
Dramatische Eskalation: Russland ignoriert Trumps Waffenstillstand – und Kiew brennt ohne Vorwarnung
Stand: 14.10.2026, 13:44 Uhr

Russische Raketen treffen Kiews Energienetz, der Alarm heult erst im Moment des Einschlags auf. Präsident Selenskyj wirft den westlichen Partnern fehlende Warnungen vor.
Kiew – Nach einem schweren russischen Raketenangriff auf die ukrainische Hauptstadt richtet Präsident Wolodymyr Selenskyj deutliche Vorwürfe an die westlichen Verbündeten. Die Attacke auf die Kiewer Energieinfrastruktur und Wohnviertel habe die Stadt völlig unvorbereitet getroffen – weil elementare Geheimdienst-Warnungen der Partner ausgeblieben seien. Das berichtet unter anderem The Guardian.
Angriffe im aktuellen Ukraine-Krieg: Einschlag im Heizkraftwerk – Alarm heulte erst beim Treffer auf
Ziel des russischen Angriffs war unter anderem das Kiewer Heizkraftwerk CHP-4, das schwer beschädigt wurde. Zudem schlug eine ballistische Rakete in ein 25-stöckiges Wohnhaus im Kiewer Bezirk Darnyzkyj ein. Mindestens zwei Menschen kamen ums Leben, rund 20 weitere wurden verletzt.
Besonders brisant: Die Sirenen heulten in Kiew erst auf, als die ersten Detonationen bereits zu hören waren. „Erneut gab es keine Warnung von unseren Partnern“, kritisierte Selenskyj in einer Videobotschaft. Informationen über Raketenstarts seien unverzichtbar, um Menschenleben zu retten. Die Zivilbevölkerung habe dieses Mal keine Chance gehabt, rechtzeitig Schutzräume aufzusuchen.
Abhängigkeit von US-Satelliten: Technischer Fehler oder politischer Druck?
Der Vorfall rührt an ein zentrales Nadelöhr der ukrainischen Verteidigung. Bei ballistischen Raketen mit extrem kurzen Flugzeiten ist die Ukraine auf weltraumgestützte Infrarotsatelliten (SBIRS) der USA angewiesen. Eigene Radarstationen am Boden erfassen die Flugkörper erst wenige Sekunden vor dem Aufschlag.
In Kiew wird in Regierungskreisen darüber spekuliert, ob das Ausbleiben der Warnung mit den jüngsten Spannungen zwischen Washington und Kiew zusammenhängt. Bereits im Vorfeld gab es Medienberichte über Druck aus Washington bei Waffenlieferungen und Geheimdienstdaten, um ukrainische Gegenschläge auf russische Ölraffinerien zu stoppen. US-Sicherheitsexperten und frühere Regierungsberater warnten davor, dass der Streit zwischen Donald Trump und Selenskyj die militärische Unterstützung gefährden könnte.
Trump widerspricht – Merz und europäische Partner sichern Hilfe zu
US-Präsident Donald Trump wies Vorwürfe zurück, die USA hätten den Informationsaustausch gedrosselt. „Wir helfen ihnen und wir teilen Geheimdienstinformationen“, erklärte Trump vor dem Weißen Haus. Auch der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bemühte sich beim Warschauer Sicherheitsforum um Deeskalation: Der Datenaustausch laufe grundsätzlich weiter; Russland habe womöglich neuartige Waffen eingesetzt, die schwerer frühzeitig zu orten seien.
Rückendeckung erhielt Selenskyj aus Europa. Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bekräftigten in Telefonaten ihre Solidarität und kündigten zusätzliche Unterstützung für die Luftraumüberwachung an. Angesichts des bevorstehenden Winters verschärfen die Angriffe die Notlage: Landesweit führen die russischen Schläge zu massiven Stromausfällen bei Hunderttausenden Menschen. (Quellen: The Guardian, dpa) (cel)