Drei Weltrekorde im Eis: Miesbacher Fotograf begleitet Extrem-Schwimmer auf Spitzbergen
Stand: 01.09.2026, 07:00 Uhr
Kommentare

Eine außergewöhnliche Reisegruppe hat der Miesbacher Fotograf und Dokumentarfilmer Thomas „Jack“ Griesbeck nach Spitzbergen begleitet: Eisschwimmer auf der Jagd nach Weltrekorden. Drei davon brachten sie mit nach Hause – und viele einmalige Erlebnisse in unberührter Natur im hohen Norden.
Miesbach – „Ich hab jetzt den Rekord für den ersten Rückwärtssalto von einem Schiff auf knapp 79° Nord“, sagt Thomas „Jack“ Griesbeck lachend, wenn er von seiner jüngsten Expedition nach Spitzbergen erzählt. Der Miesbacher begleitete als Fotograf und Dokumentarfilmer eine Reise für Weltrekorde im Eisschwimmen in Gefilden, in denen vorher noch niemand schwimmen war. Neben seiner Dokumentationstätigkeit und dem einzigartigen Vergnügen, selbst inmitten von Eisbergen zu schwimmen, lieferte auch dieses Projekt für Griesbeck jede Menge Denkanstöße für Geschichten hinter dem Offensichtlichen.
Während das mit dem Rekord nur flapsig dahingesagt war, sei das tägliche Bad im eiskalten Wasser in der Borebukta-Bucht am Borebreen-Gletscher für ihn als Erfahrung wichtig gewesen, „um ein bissl zu verstehen, warum sie das machen und nicht nur schnell zu bewerten.“ Neben einigen, die einfach die Natur in sich aufsogen, habe die meisten der Wunsch nach einem Rekord angetrieben, erzählt der 29-Jährige über die besondere Reisegruppe, die unter anderem drei anerkannte Guinness-Weltrekorde erzielte. Genauestens dokumentiert von Griesbeck, dessen Kamera für diesen Auftrag nach der Atomuhr justiert war.
Seine vom Begleit-Zodiac geschossenen Fotos mit Uhrzeit und GPS-Daten machen die erfolgreichen Rekordversuche genau nachvollziehbar. Die des ersten Mannes aus Malaysia, der nachweislich im Eiswasser geschwommen ist. Die der Südafrikanerin, die schwimmend eine Eismeile zurücklegte, und die einer Mexikanerin, die bei dem Unterfangen die weiteste Distanz zurücklegte.
Um einen weiteren Weltrekord im Para-Eisschwimmen ergänzte die Hannoveraner Para-Triathletin Tina Deeken (50) ihre beeindruckende Rekordbilanz. Nach 14 Weltrekorden im Para-Eisschwimmen schwamm sie zunächst bei 4,9 Grad Wassertemperatur mit 325 Metern die erste offiziell dokumentierte Arctic-Polar-Distanz in arktischen Gewässern, um tags darauf mit 500 Metern in 11:44,97 Minuten die längste jemals dokumentierte Para-Eisschwimmdistanz unter Arctic-Polar-Bedingungen draufzusetzen.
Was Griesbeck als Nächstes plant, ist deutlich naheliegender. 15 Kilometer statt 3400 sind es von Miesbach nach Kleinhöhenkirchen, wo der Heuboden der Familie von Künstlerin Agnes Wieser vom 13. September bis 4. Oktober zur Galerie für die Kunstausstellung „Ansichtssache“ wird. Unter dem Motto „Was glaubst du zu wissen und wie sicher bist du dir dabei?“ präsentieren 13 Künstlerinnen und Künstler unterschiedlichster Disziplinen ihren „zweiten Blick“ auf die Dinge.

Griesbeck hat dafür vom Irschenberger Metallbauer Franz Nirschl den Korb eines Heißluftballons nachbauen lassen, der an sein Fotoprojekt mit Urban Oberthanner erinnert, der im Rollstuhl am Heißluftballon hängend 2000 Meter über dem Tegernsee im Sonnenaufgang Tuba spielt. „Häng dich dazu, dann weißt du, wie das ist“, hatte der nach einem Rodelunfall Querschnittsgelähmte damals über das „einfach geile“ Erlebnis geschwärmt. Im Heuboden soll das mit der 3,5 Meter hohen Ballon-Attrappe und großformatigen Landschaftsbildern von damals nun nachvollziehbar werden.
Neben der spektakulären Ansicht möchte der Miesbacher damit vermitteln, wie wichtig es ist, das eigene Leben wertzuschätzen, auch dann, wenn eine Behinderung manches erschwert. Am Sonntag, 27. September, wird Griesbeck im Rahmen von „Ansichtssache“ auch einen Vortrag über „das bewusste Erleben und Hinterfragen von Gesehenem“ halten und dazu auch Spitzbergen-Fotos dabei haben.