Dreijähriger leidet an mehreren Erkrankungen – doch seine Begleithündin Tilda gibt ihm Hoffnung

Stand: 31.07.2026, 07:00 Uhr

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Unterstützung auf vier Pfoten soll Hündin Tilda bieten. Der dreijährige Theo findet bei ihr auch Trost.

Unterstützung auf vier Pfoten soll Hündin Tilda bieten. Der dreijährige Theo findet bei ihr auch Trost. © Maja Frühling

Der kleine Junge aus dem südhessischen Froschhausen hat einen Tumor im Kleinhirn und einen Hydrocephalus. Die Ausbildung seiner Begleithündin Tilda kostet die Familie 10.000 Euro.

Froschhausen – „Wir wissen nicht genau, womit wir es zu tun haben. Das ist das, was uns Angst macht“, erzählt Theos Mutter Sabrina Sparr. Der Dreijährige leidet an neurologischen Erkrankungen und einem Hirntumor. Die Ursachen von Theos Erkrankungen sind noch unklar: „Wir haben zwar etliche Diagnosen, können aber nicht viel machen, da ein klarer Therapieansatz fehlt“, sagt Sparr. Um dem Jungen ein wenig Entlastung zu bieten, sammelt die Familie nun Spenden für die Ausbildung eines Begleithundes.

Schon mit einem Jahr war erkennbar, dass etwas nicht stimmte. Eine Beule zeichnete Theos Oberkopf. „Er war immer unser kleines Einhorn“, erinnert sich Sparr. Zunächst hielt der Kinderarzt die Beule für unbedenklich. Später erhielt die Familie die Diagnose Hydrocephalus. Dies ist eine neurologische Erkrankung, bei der sich zu viel Flüssigkeit im Gehirn und in den umgebenden Flüssigkeitsräumen ansammelt. Dadurch vergrößern sich die Hirnkammern, und der Hirndruck steigt. Während eines MRT wurde zusätzlich ein Tumor in Theos Kleinhirn entdeckt. Eine für Motorik und Bewegung wichtige Gehirnregion ist davon betroffen.

Eine mögliche Folge des Tumorwachstums könnte also sein, dass Theo in Zukunft nicht mehr laufen kann. Aktuell sei ein operativer Eingriff durch die Größe und Position des Tumors aber noch zu gefährlich. „Du wartest jeden Tag, bist quasi im ständigen Überlebensmodus, bis es so weit ist, dass der Tumor groß genug ist“, erzählt Sparr.

Dreijähriger leidet unter Schmerzen durch verschiedene Erkrankungen

Theo hat durch den erhöhten Hirndruck mit permanenten Kopfschmerzen zu kämpfen. Die Nebenwirkungen der Medikamente, die er wegen des Hydrocephalus einnimmt, prägen seinen Alltag. Appetitlosigkeit, Durchfall, Schlafprobleme und Müdigkeit begleiten den Jungen täglich.

Zu sehen ist die vorgewölpte Fontanelle von Theo, durch des Hypocephalus (Bild stammt aus Theos erstem Lebensjahr)

Wie eine Beule wirkt die gewölbte Fontanelle von Theo. Der Hypocephalus war bereits mit einem Jahr sichtbar. © Maja Frühling (Repro)

Auch emotional ist Theo stark belastet: Er sei schnell extrem aufgebracht, konzentrationslos und in scheinbar ständiger Anspannung. „Es ist klar, dass Kinder mal wütend und trotzig sind, dass mal gehauen und geschrien wird – aber nicht in dieser Ausprägung“, erzählt die dreifache Mutter. Theos Geschwister Henry und Ronja sind ein und sechs Jahre alt.

Mit anderen Kindern Kontakt zu knüpfen, falle Theo schwer. Auf dem Spielplatz beobachte er das Treiben der anderen Kinder oft lange, bevor er sich auf eine neue Situation einlasse, beobachtet seine Mutter. Es käme ihr manchmal so vor, als habe er „Angst vor der Welt“.

Auch die Reittherapie beruhigt Theo, der unter verschiedenen Symptomen leidet

Theo besucht bislang noch keinen Kindergarten. Er sei zu beschäftigt mit Arztbesuchen und Therapiestunden, und für eine reguläre Kita emotional zu instabil. Ruhe findet er während seiner Reittherapie: Das gemeinsame Bürsten, Satteln und Reiten im Wald sei einer der wenigen Momente in der Woche, in denen Theo wirklich zur Ruhe kommen könne, bemerkt die 34-Jährige. Ihr ist aufgefallen, dass Theo im Umgang mit Tieren zart und zutraulich ist.

Stütze auf vier Pfoten

Ein Begleithund ist darauf trainiert, seinen Besitzer in verschiedenen Aspekten des täglichen Lebens zu unterstützen und zu begleiten. Die Ausbildung eines Begleithundes beginnt oft früh. Die Welpen werden sorgfältig ausgewählt, basierend auf ihrem Temperament und ihrer Intelligenz. Gemeinsam mit dem Besitzer lernt der Hund dann die Bedürfnisse seines Besitzers kennen und angemessen zu reagieren. Begleithunde können kleine praktische Aufgaben übernehmen, wie die Türklinke oder den Lichtschalter betätigen. Sie vermitteln aber auch durch ihre stetige Präsenz das Gefühl von Sicherheit und Entspannung. Sie tragen zur Verbesserung der Unabhängigkeit und Lebensqualität ihrer Besitzer bei.

So sind Theos Eltern bei der Suche nach weiteren Therapie- und Fördermöglichkeiten auf Begleithunde gestoßen. Begleithunde unterstützen Menschen, die es schwer haben, ihren Alltag alleine zu stemmen. Sie helfen bei praktischen Aufgaben und geben emotionalen Halt. Einen eigenen Hund habe sich Theo schon lange gewünscht, und einen guten Zugang zu Vierbeinern zeigte er bereits beim Hund seiner Großmutter, erzählt Sparr.

Vor Kurzem ist Tilda bei Familie Sparr eingezogen. Die drei Monate alte Australian-Shepherd-Hündin stammt von einer Züchterin aus Hanau. In Zusammenarbeit mit dem Hundezentrum Deutschland wird Tilda nun zu einem Alltagsbegleit- und Therapiehund ausgebildet. Sie soll Theo helfen, zur Ruhe zu kommen, Ängste abzubauen und Sicherheit zu finden. Sollte sich sein körperlicher Zustand verschlechtern, könnte sie ihn außerdem bei alltäglichen Herausforderungen unterstützen. Zu Tilda könne Theo Nähe aufbauen und zugleich Distanz wahren, erklärt seine Mutter. Sie ist sich sicher, dass „Tilda Theo etwas geben kann, dass wir als Eltern ihm manchmal nicht geben können“.

Wer für den dreijährigen Theo spenden mag, kann dies über folgende Wege tun: Die IBAN zum Spenden lautet DE34505922000202228688 (Empfänger: Sabrina Sparr, Verwendungszweck: „Theo und Tilda“/„Spende für Theo“). Zum digitalen Spendenaufruf gelangen Spender über www.gofund.me/7eb7e4c7a.

Die 2.500 Euro für die Anschaffung von Tilda konnte Familie Sparr über eine Ratenzahlung abwickeln. Da für Theo bislang kein Pflegegrad bewilligt wurde, ist die Familie auf weitere Unterstützung angewiesen. Nach einem ersten Spendenaufruf im vorherigen Jahr, bei dem bereits 2.000 Euro zusammenkamen, bittet sie nun erneut um Hilfe. Ziel sind 10.000 Euro für die Anschaffungs- und Ausbildungskosten von Tilda sowie die weiteren Nebenkosten. Alles, was über diese Summe hinaus gespendet wird, leite die Familie an die Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt weiter.

Die Froschhäuserin ist selbst Mitglied im Verein und bedauert, dass es in der näheren Umgebung keine vergleichbaren Angebote für betroffene Familien gibt. Sparr möchte außerdem darauf aufmerksam machen, dass nicht jede Erkrankung oder Behinderung sichtbar ist. Und dass Kinder wie Theo häufig als Systemsprenger angesehen werden, und nicht als das, was sie eben sind: „besondere kleine Krieger“. Nach all den Diagnosen und Arztbesuchen bewundert Theos Mutter besonders seine Stärke. „Wenn ich sehe, wie Theo mit einem Lächeln aufwacht, gibt das unfassbare Kraft“, erzählt sie. „Theo ist stark, und dabei ist ihm gar nicht klar, wie stark er eigentlich ist“.