Dreister Betrug: Oma und Enkel kassieren die AOK ab
Stand: 16.07.2026, 19:07 Uhr
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Bei der AOK Hessen gibt es immer mehr Hinweise auf Betrug im Gesundheitswesen. Die Rückforderungen gehen in die Millionenhöhe.
Betrug im Gesundheitswesen hat anscheinend Konjunktur. Noch nie musste das Team zur „Fehlverhaltensbekämpfung“ bei der AOK Hessen so vielen Hinweisen nachgehen wie in den vergangenen beiden Jahren. Die Betrugsmechaniken und Tatbestände haben sich in den vergangenen Jahren kaum verändert, meldet die Krankenkasse am Donnerstag.
Luftleistungen und Doppelabrechnungen führen die Liste an. Gefolgt von Leistungsmissbrauch, Abrechnungen von Leistungen ohne Qualifikation und Urkundenfälschung. Erheblich zugenommen habe auch die Zahl der Strafanzeigen in diesem Kontext, teilt die Kasse am Donnerstag mit. Speziell bei der Pflegeversicherung und der häuslichen Krankenpflege werde betrogen. Daraus ergaben sich für diese beiden Jahre gesicherte Forderungen in Höhe von rund 4,8 Millionen Euro, meldet die Krankenkasse am Donnerstag.
Zahlreiche Betrugsfälle im Gesundheitswesen
Fehlverhalten im Gesundheitswesen systematisch zu verfolgen, ist gesetzliche Pflicht einer jeden Krankenkasse. Die AOK Hessen war eine der Vorreiterinnen auf dem Gebiet. Angewiesen ist sie nach wie vor auf die Mithilfe der Bevölkerung. 1.232 Hinweise gingen in den Jahren 2024/2025 ein, das waren zehn Prozent mehr als im Zweijahreszeitraum davor. Mehr als die Hälfte waren aus externen Quellen, einige davon auch anonym. Daraus sowie aus älteren Fällen ergaben sich 195 Strafanzeigen gegenüber Leistungserbringern, Arbeitgebern und Versicherten. Die entstandenen Schäden sind je nach Leistungsbereich unterschiedlich hoch. Auf dem ersten Platz: Arznei- und Verbandmittel mit 1,8 Millionen Euro, gefolgt von der Pflegeversicherung.
So hatte ein bundesweit tätiger Lieferant für Verbandmittel blanko unterschriebene Rezepte nachträglich selbst bedruckt und dadurch Bestellungen ausgelöst. Diese Masche flog auf, weil eine Vielzahl der Verordnungen ein identisches Druckbild aufwies, obwohl diese von weit entfernten Praxen ausgestellt worden waren. Für die AOK Hessen fiel in diesem Fall ein Rückzahlungsbetrag in Höhe von 857.000 Euro für das Jahr 2025 an.
Dreiste Urkundenfälschung bei Verordnungen für Physiotherapie
Die Verhinderungspflege zeigt sich demnach besonders missbrauchsanfällig, weil die Beantragung besonders niedrigschwellig gestaltet ist. Hundertfach wurden Anträge gestellt, obwohl diese nie geleistet wurden: In einem speziellen Fall waren eine bei der AOK Hessen versicherte Privatperson und ihre Enkel, die als Mitarbeitende eines Pflegedienstes tätig waren, am Betrug beteiligt. „Die Hauptbeschuldigte nutzte gezielt bestehende Kontakte und Vertrauensverhältnisse zu Pflegebedürftigen, die sie im Rahmen dieser Tätigkeit betreute“, heißt es in dem AOK-Bericht. Der Gesamtschaden gegenüber der Pflegekasse belief sich auf über 72.000 Euro in allen Fällen, an denen jene Person beteiligt war.
Ein besonders dreistes Beispiel für Urkundenfälschung betrifft Physiotherapie, die auf dem Papier, nicht aber in Wirklichkeit erbracht wurde. Die Signaturen der Versicherten waren gefälscht – und noch nicht einmal besonders gut, heißt es in dem Bericht. Insgesamt 44 Verordnungen waren davon betroffen, rund 12.000 Euro forderte die AOK in diesem Fall zurück.
Wachsam sein, fordert unsere Kommentatorin
Gegen Betrug
Internationale Studien gehen davon aus, dass der Dunkelfeldschaden durch Abrechnungsbetrug und Korruption im Gesundheitswesen zwischen fünf und zehn Prozent der Gesamtausgaben im Gesundheitswesen betragen könnte. Das wäre in Deutschland ein zweistelliger Milliardenbetrag.
Die AOK behandelt alle Hinweise und Informationen streng vertraulich und unter Einhaltung der datenschutzrechtlichen Vorschriften. Die Stelle zur Bekämpfung von Fehlverhalten ist schriftlich, telefonisch oder über ein Formular auf der Homepage erreichbar.