„Wir sind kein Spielplatz“: Dreiste Urlauber-Unart bringt Alpenhütten in Bedrängnis – Wirt greift durch
Dreistes Nichterscheinen bringt Alpenhütten in Not: Deutscher Hüttenwirt rechtfertigt hartes Durchgreifen
Stand: 14.07.2026, 19:58 Uhr
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Eine Unart vieler Gäste bringt zahlreiche Hüttenwirte zunehmend in Schwierigkeiten. Ein Betreiber in den Alpen zieht jetzt die Reißleine und äußert sich exklusiv.
Salzkammergut – Übernachten in den Alpen – ein unvergessliches Erlebnis für viele Wanderer und Bergfreunde. Doch das Verhalten mancher Gäste macht den Hüttenwirten das Leben zunehmend schwer. Einer von ihnen hat jetzt scharfe Konsequenzen gezogen. Denn die dreiste Angewohnheit vieler Bergurlauber bringt Hüttenwirte zunehmend in Bedrängnis: das sorglose Reservieren auf Vorrat, ohne zu erscheinen.

Stephan Jobke, seit 2024 Alpenwirt der Rieder Hütte – eine urige Alpenvereinshütte auf 1765 Metern Höhe im Höllengebirge im oberösterreichischen Salzkammergut, nahe des Großen Höllkogels – hat sich auf Social Media zu Wort gemeldet. In einem Facebook-Video machte er seinem Ärger Luft. Gegenüber unserer Redaktion spricht er über sein Dilemma.
Ärger über Urlauber-Unart: Hüttenwirt spricht Klartext und zieht Konsequenzen
„So kann es nicht weitergehen“ ist in roten Buchstaben zu Beginn des Videos zu lesen. Die Situation sei kaum noch zu stemmen, erklärt der Hüttenwirt in seinem Facebook-Post. Die Rede ist von viel zu kurzfristigen Stornierungen von Buchungen oder dem sogenannten „No Show“ – also dem dreisten Nichterscheinen von Gästen. „Ich kann diesen Betrieb so sehr schwer führen“, bedauert Jobke.
Weder eine wirtschaftliche Planung noch ein sinnvolles Personalmanagement seien so machbar. Mitarbeiter reisten teilweise zwei Stunden an, um auf der Hütte zu arbeiten – und müssten dann wieder unverrichteter Dinge nach Hause fahren, weil Gäste einfach nicht auftauchten. „Die Berge und auch alle Hütten sind keine Freizeitarena, die wir auf Knopfdruck oder Münzeinwurf einfach öffnen und schließen können“, stellt er im Text zu seinem Video klar.
Alpenverein-Empfehlung zu Stornogebühr verdreifacht: Das sagt der Hüttenwirt
Als Konsequenz habe der Hüttenwirt nun seine Stornogebühren angehoben. Der Alpenverein empfiehlt seinen Hüttenwirten, ab fünf Tagen vor dem Aufenthalt eine Stornogebühr von zehn Euro pro Person und Nacht zu erheben. Auf der Rieder Hütte gilt ab sofort das Dreifache davon. Die neuen Regeln, die Stephan Jobke auf der Homepage veröffentlicht hat, sind eindeutig: Bis fünf Tage vor der Buchung ist eine Stornierung kostenlos. Ab dem fünften Tag vor Anreise werden 35 Euro pro Person fällig, ab dem dritten Tag 45 Euro. Wer einfach nicht erscheint, zahlt die volle Halbpension von 48 Euro pro Person.
Die Höhe der Stornogebühren rechtfertigt der Hüttenwirt im Gespräch mit Ippen.Media für den Münchner Merkur so: „Das ist das, was die Leute gebucht haben. Ich gebe den Ausfall zu 100 Prozent weiter.“ Dazu kommt ein logistisches Problem, das Tal-Urlauber leicht übersehen: Frisches Gemüse und Einkäufe für das Wochenende müssten Tage vorher den Berg hochgeschleppt werden.
„Das kann man nicht erst am Samstag kaufen. Wenn die Leute für das Wochenende gebucht haben und dann nicht kommen, haben wir die Lebensmittel umsonst hochgeschleppt“, erklärt Jobke. Für ihn geht es dabei auch um etwas Grundsätzlicheres: „Es geht einfach um Wertschätzung.“
Hüttenwirt greift durch: Alpenverein-Empfehlung zu Stornogebühr verdreifacht
Mit der Problematik nicht eingelöster Reservierungen steht der Wirt der Rieder Hütte nicht allein da. Wie der Österreichische Alpenverein im Juni 2026 mitteilte, werden derzeit 30 bis 40 Prozent aller Reservierungen auf Alpenvereinshütten wieder storniert. Hauptgrund: Viele Gäste halten sich mehrere Optionen offen und entscheiden erst kurzfristig – je nach Wetterlage. Besonders schmerzhaft seien dabei laut Alpenverein nicht nur die entgangenen Übernachtungseinnahmen, sondern die fehlenden Konsumationsumsätze: kein Gulasch, kein Kaiserschmarrn, kein Bier.
„Wir sind kein Spielplatz“: Überraschendes Feedback auf klare Ansage von Hüttenwirt
Wie Jobke im Gespräch mit Merkur.de erläutert, hat er bereits überraschend positives Feedback auf sein Video erhalten. Neben dem Ausgleich des wirtschaftlichen Schadens, sei sein Ziel auch gewesen, die Leute aufzurütteln – und das scheint zu funktionieren.

Gäste gingen schon jetzt viel bewusster mit ihrem Ausflug in die Berge um, fragten vorab nach, ob ihre Buchung realistisch einzuhalten sei, und machten sich mehr Gedanken über einen realistischen Zeitplan ihrer Wandertour. „Wir sind kein Spielplatz“, gibt der Wirt zu bedenken. Und das käme bei den Gästen jetzt endlich an. (Quellen: Interview mit Stephan Jobke, Facebook-Post Stephan Jobke, Alpenverein Österreich) (va)