EA Sports FC 27: Ich mag vieles – und fluche über alte Probleme
EA Sports FC 27: Zwischen Karriere-Liebe, neuem Spielgefühl und altbekannten Problemen
Matthias hat die ersten Partien in EA Sports FC 27 hinter sich und findet positive Entwicklungen in Karriere, FUT und Gameplay – aber auch alte Probleme.
Heute startet der Vorabzugang von EA Sports FC 27 für Käufer der teureren Versionen und damit fällt auch das Testembargo. Allerdings können wir euch unseren Test noch nicht präsentieren, da wir erst seit wenigen Tagen Zugang zum Spiel haben und unser Hauptverantwortlicher derzeit noch auf dienstlicher Reise weilt. Ich habe in den vergangenen Tagen aber schon ein wenig reingespielt und wollte euch an dieser Stelle meine ersten Eindrücke schildern.
Dabei muss ich aber gleich vorweg einordnen, aus welcher Sicht ich an das Spiel herangehe. Wenn es um EA FC oder ehemals FIFA geht, dann bin ich die Definition des Casual-Spielers. Ich spiele hauptsächlich gegen die KI, sei es im Karrieremodus oder in Ultimate Team. Verirre ich mich doch mal in den Rivals-Modus, dann komme ich in der Regel über Division 7 oder so nicht hinaus. Ich bin also weit davon entfernt, ein Profi in diesen Spielen zu sein. Nur damit ihr nicht zu übermäßige Erwartungen in meine Meinung steckt.
The Ground hat mich schnell verschreckt
Um mir ein erstes Bild von der diesjährigen Ausgabe zu machen, habe ich in alle Modi mal mehr oder weniger reingespielt. Die neue offene Spielwelt von The Grounds, die im Grunde den alten Clubs-Modus ersetzt, wird einem ja direkt bei Spielstart aufgezwungen. Ich habe den Modus dann über dieses Pflicht-Tutorial hinaus vielleicht noch fünf bis zehn Minuten weitergespielt. Aber das war alles so unfassbar Cringe und irgendwie so weit von Fußball entfernt, dass ich es schnell wieder ausgemacht habe.
Nicht viel mehr Zeit habe ich leider mit der Spielerkarriere verbracht, weil sich da im Vergleich zum Vorgänger so gut wie nichts verändert hat. Okay, es gibt jetzt diese Rivalitäten, aber davon habe ich noch nichts gesehen. Ich werde sicherlich später noch vernünftig eine Spielerkarriere durchspielen, aber für den Moment, war mir das zu wenig, um da meine erste Zeit mit zu verbringen. Ich habe mich dann in den vergangenen Tagen also hauptsächlich mit der Managerkarriere und dem Ultimate-Team-Modus beschäftigt.
Jeden Freitag berichten wir euch von einem Spiel, das uns aktuell einfach nicht loslässt. Mal ist es ein brandneuer Release, mal ein alter Lieblingsklassiker, ein übersehener Geheimtipp oder einfach ein Titel, der gerade überraschend viel Spaß macht.
Dabei geht es nicht nur darum, was gespielt wird, sondern vor allem warum: Was zieht uns gerade daran rein? Welche Momente bleiben hängen? Was macht das Spiel besonders, spannend, entspannend, nervig oder einfach richtig gut?
Wer regelmäßig vorbeischaut, findet hier jede Woche persönliche Spieleindrücke aus der Redaktion - von großen Blockbustern über Indie-Perlen bis hin zu Titeln, die man vielleicht längst vergessen hatte.
Interessante Neuerungen in der Kampagne
Die Karriere wirkt zunächst sehr vertraut. Bis auf ein paar leichte Designänderungen lächelt mich erst einmal das vertraute Menü an. Aber hier stecken durchaus interessante Veränderungen drin, die mir bisher sehr gefallen.
Allen voran feiere ich es absolut, dass man endlich diese elendigen Cutscenes bei Transfer- und Vertragsverhandlungen abgeschafft hat. Diese stummen Figuren, die sich da die Hände geschüttelt und sich dumm grinsend gegenübergesessen haben, trugen absolut nichts zu einem tollen Spielgefühl bei. Jetzt finden die Verhandlungen einfach per Telefon, a. k. a. in einem funktionalen Menü, statt. So hab ich gleich viel mehr Motivation, die Verträge meiner Spieler zu verlängern.
Manchmal sind schnöde Menüs einfach besser. Ich nehme auf jeden Fall das hier, jederzeit über den alten Transfer-Cutscenes.
Sehr, sehr spannend finde ich auch das neue System mit den dynamischen Spieler-Ratings. Ich habe da zwar noch nicht alle Feinheiten durchschaut, was, wann, wie und wieso die Werte meiner Kicker beeinflusst, aber die Grundidee dahinter ist super. Spieler, die super performen und sich vielleicht sogar in einen Rausch spielen, erhalten höhere Werte. Auch Negativspiralen sind natürlich möglich.
So ist mein linker Mittelfeldflitzer Janis Boziaris, der eine Grundstärke von 65 besitzt, nach einem guten Saisonstart derzeit mit Stärke 72 unterwegs. Ich sehe in dem System auf jeden Fall Potenzial für spannende Saisonverläufe, in denen ich mich mehr als früher anhand der Tagesform eines Spielers für Veränderungen in der Startelf entscheide.
Die dynamischen Werte meiner Kicker werden in der Squad-Übersicht direkt angezeigt und mit farbigen Pfeilen verdeutlicht. Rechts die Detailansicht von Chris Kinsombi, der (trotz Verletzung) gerade sechs Punkte über seiner Basisstärke unterwegs ist.
Mehr Belohnungen durch Spielen in FUT
Genauso viel wie Karriere spiele ich aber auch immer sehr gerne den Ultimate-Team-Modus. Nun gibt es berechtigterweise immer sehr viel an diesem Modus zu kritisieren, allen voran dessen monetäre Ausrichtung. Aber ich mag dieses Konzept, mir aus allen Spielern der Welt mein eigenes Traumteam zusammenzustellen und dann in verschiedenen Wettkämpfen damit anzutreten. Das hat für mich in den vergangenen Jahren auch ohne den Einsatz meiner Brieftasche immer sehr gut funktioniert.
Das große neue Feature in FUT in diesem Jahr ist die Galerie. Im Grunde ein Archiv aller Karten, die ich im Laufe des Jahres für mein Team gesammelt habe. Dabei spielt keine Rolle, ob ich die jeweilige Karte noch besitze oder nicht. In der Galerie sortiere ich meine Spieler in verschiedene Kategorien ein, die je nach Qualität der Spieler mit Punkten versehen und in einem Ranking-System bewertet werden. Im Grunde handelt es sich dabei um ein virtuelles Panini-Sammelheft. Es ist schick anzuschauen, aber wirklich signifikante Auswirkung auf das eigentliche Spiel hat es nicht.
Die neue Galerie des Ultimate-Team-Modus ist auch Teil der Idle-Animation des Spielmenüs. Mit steigender Sammlung soll sich die Ansicht weiterentwickeln.
Ansonsten haben sich meine ersten Stunden im Ultimate Team noch nicht groß anders angefühlt als die letzten Jahre auch. Es geht mir zunächst darum, die Grundlagen zu schaffen und mein mickriges Starterteam auf ein einigermaßen vernünftiges Niveau zu bringen. Als es an die ersten Spiele geht, fällt mir wohlwollend auf, dass es bei den Live-Events jetzt auch Singleplayer-Varianten gibt, die es mir erlauben, gegen die KI an solchen Aktionen teilzunehmen.
Zwar ist FUT noch immer links und rechts voll mit Verlockungen, die dazu dienen, mich dazu zu bringen, Geld im Shop auszugeben. Aber erfreut habe ich auch zur Kenntnis genommen, dass ich auch mehr davon habe, einfach nur das Spiel zu spielen. So gibt es mehr Coins am Ende jedes Spiels und zusätzlich auch Season-Points für den Fortschritt im Season Pass. Letztere versteckten sich bisher ausschließlich in den Objectives. Ob es dadurch für mich langfristig einfacher wird, den Verlockungen des Shops zu widerstehen, muss sich zeigen.
In Ultimate Team gibt es jetzt nach jedem Spiel mehr Coins und erstmals auch direkt Punkte für den Fortschritt im Season Pass.
Verändertes Spielgefühl mit alten Problemen
Doch wie spielt es sich denn nun eigentlich? Was schließlich zählt, ist auf dem Platz, oder so ähnlich. Im Vorfeld hatte EA natürlich mal wieder diverse Verbesserungen versprochen, was in den vergangenen Jahren ja häufig selten in großen, spürbaren Veränderungen im Gameplay mündete. Trotzdem hatte ich mir zunächst ein wenig Sorgen gemacht, weil der angekündigte verstärkte Fokus aufs manuelle Verteidigen sich nicht gerade nach einer guten Sache für einen Casual-Otto wie mich anhörte. Verteidigen war noch nie meine Stärke und die ohnehin schon dummen KI-Mitspieler sollten jetzt noch schlechter gemacht werden. Na, schönen Dank auch.
Aber ich muss sagen, am Ende stellt sich das sogar als eine gute Sache heraus. Allgemein habe ich erstmals seit vielen Jahren wieder das Gefühl, dass sich ein neues EA FC spielerisch anders anfühlt. Das liegt zu großen Teilen an dieser Veränderung beim Verteidigen und der Art, wie der Ball von Spielern geführt wird. Es gelingt mir viel häufiger, mit aktiven Verteidigungsaktionen an den Ball zu kommen. Jetzt muss ich nur noch beim Spielerwechsel besser werden, damit ich auch überhaupt in die richtigen Positionen komme.
Mit dem aktiven Spieler dem Gegner einen Ball abzunehmen gelingt mir mit dem veränderten Gameplay erfreulich besser als bisher.
Aufgefallen ist mir auch, dass das Spiel häufiger in das ganz normale Chaos ausartet, wie ich es auch im Stadion jedes Wochenende beobachte. Da vertändeln Spieler den Ball im Mittelfeld, nur um ihn von einem überraschten Gegenspieler gleich wieder in den Fuß gelegt zu bekommen. Es kommt auch häufiger mal zu ganz banalen Spielszenen wie Allerweltsfouls im Mittelfeld, taktischen Fouls durch Armfesthalten und so weiter. Allgemein mehr realistische Situationen abseits der großen Momente.
Das trifft meiner Beobachtung nach vordergründig auf den authentischen Spielmodus in der Kampagne zu. Im kompetitiven Modus, wie er in Ultimate Team unter anderem Standard ist, geht es nach wie vor deutlich gradliniger und flotter zur Sache. Dort ist mir besonders aufgefallen, dass für KI-Gegner in dieser Saison offenbar Flanken oder Ecken mit anschließendem Kopfballtor der neue Torgarant sind. Ich hab mich schon immer mit defensiver Kopfballarbeit schwergetan, aber dieses Jahr fällt es mir irgendwie noch schwerer, solche Bälle zu verteidigen.
Ein altes Problem bleibt für mich in beiden Spielmodi trotz des veränderten Spielgefühls aber erhalten: die unausgewogenen Schwierigkeitsgrade. Es ist wie in den vergangenen Jahren: Professional ist mir zu leicht und die nächste Stufe, Weltklasse, ist ein Ticken zu schwer. Auf Professional ist das Risiko von Niederlagen für mich fast nicht gegeben und auf Weltklasse muss ich schon sehr kämpfen, um mal was zu holen. Einen Sweetspot in der Mitte davon werde ich wohl auch in diesem Jahr nicht finden. Trotzdem werden bis zum Erscheinen des Nachfolgers vermutlich wieder hunderte Stunden auch in FC 27 zusammenkommen. Es ist halt Fußball. Und ein Leben ohne Fußball ist zwar möglich, aber irgendwie sinnlos.