Arktis-Kreuzfahrtprojekt mit Umweltpreis ausgezeichnet

15. Oktober 2026, 19:47 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Der Deutsche Reiseverband (DRV) hat im Rahmen seines jährlichen Hauptstadtkongresses wieder die EcoTrophea verliehen – einen der wichtigsten Preise für Umwelt- und Sozialverantwortung im Tourismus. Dass ausgerechnet ein Kreuzfahrtanbieter die begehrte Auszeichnung erhielt, mag auf den ersten Blick überraschen. Warum sich die Jury nach eigenen Angaben dennoch einstimmig für ein Projekt des Anbieters HX Expeditions entschieden hat, erschließt sich bei näherer Betrachtung dann aber doch recht schnell.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Ausschreibung standen dem DRV zufolge „Ansätze, bei denen lokale Akteure aktiv in die touristische Entwicklung einbezogen werden, regionale Wertschöpfung und soziale Teilhabe gestärkt sowie kulturelle Identität und lokale Traditionen erhalten werden.“

Und genau hierum geht es beim Gewinnerprojekt „Northwest Passage: Creating Economic Value Through Community-Led Experiences“. Denn der Fokus liegt darauf, den Tourismus in der kanadischen Arktis stärker in die Hände der dortigen Inuit-Communitys zu legen.

Konkret bedeutet das:

  • Die Gemeinden sind an der Planung der Routen und touristischen Angebote beteiligt.
  • Lokale Anbieter und Akteure erhalten direkt Aufträge mit touristischen Leistungen.
  • Menschen aus den Communitys entscheiden selbst mit, wie sie ihre Kultur, Traditionen und ihr Wissen gegenüber den Reisenden präsentieren.
  • Führungen zu Kulturerbestätten, traditionelles Handwerk, traditionelle Praktiken und mündliches Storytelling bieten Menschen aus den jeweiligen Gemeinschaften selbst an.
  • Pro Community sind laut HX Expeditions mittlerweile 20 bis 30 Menschen unmittelbar beteiligt.

Auch wirtschaftlich profitieren die Gemeinden

Besonders wichtig war der Jury hierbei die messbare wirtschaftliche Wirkung. Bei zwei Reisen durch die Nordwestpassage im Sommer 2025 erzielten von den Gemeinden organisierte Aktivitäten Einnahmen von rund 260.000 Euro. Hinzu kamen etwa 77.000 Euro durch optionale Ausflüge, die Mitglieder der lokalen Communitys geleitet haben. Deren Einnahmen flossen direkt an beteiligte Personen.

Damit verbindet das Projekt drei Aspekte: wirtschaftliche Wertschöpfung vor Ort, Mitbestimmung der lokalen Bevölkerung und den selbstbestimmten Umgang mit der eigenen Kultur. „Wir sind uns der besonderen Verantwortung bewusst, die mit jedem Besuch dieser Gebiete einhergeht. Deshalb wollen wir Tourismus so gestalten, dass die Menschen vor Ort nicht nur beteiligt werden, sondern auch unmittelbar von der wirtschaftlichen Wertschöpfung profitieren“, erklärt Gebhard Rainer, Chief Executive Officer von HX Expeditions, im Hinblick auf die Auszeichnung.

Wie die Jury bewertet hat

Die EcoTrophea-Jury bewertete die eingereichten Projekte nach vier Kriterien: soziale Beteiligung und Wirkung (30 Prozent), Projektumsetzung (25 Prozent), wirtschaftlicher Nutzen (25 Prozent) und kulturelle Stärkung (20 Prozent). Neben HX Expeditions waren Ecomapu Travel mit „Community-Based Tourism for Valparaiso“ sowie G Adventures mit „Trees for Days“ nominiert.