Ehefrau überlebte in Wien 13 Messerstiche: Zwölf Jahre Haft | Kleine Zeitung
Der Mann hatte vermutet, seine Frau würde ihn betrügen. Er attackierte sie mit einem Taschenmesser, während sie mit dem dreijährigen Sohn spielte. Der Vater wurde von den erwachsenen Kindern überwältigt.
Weil er seiner Ehefrau am 2. Mai 2026 in Wien-Donaustadt 13 Messerstiche versetzt hatte, ist am Mittwoch am Landesgericht ein Familienvater wegen Mordversuchs zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Der aus Afghanistan stammende Mann akzeptierte das Urteil und entschuldigte sich bei seiner in der ersten Zuschauerreihe sitzenden Familie. An seine Ehefrau gewandt, meinte er: „Ich liebe meine Frau bis zu meinem letzten Atemzug.“ Leider werde er sie nun „zwölf Jahre nicht sehen“.
Die Staatsanwältin hatte eingangs der Verhandlung von einer „entsetzlichen Bluttat“ und einem „heimtückischen Angriff“ gesprochen. Sie gab zum Urteil vorerst keine Erklärung ab. Die Gerichtsentscheidung ist daher nicht rechtskräftig. Verteidigerin Iris Augendoppler war von einer „emotionalen Überforderung“ des 46-Jährigen und einer „eskalierenden Ausnahmesituation“ ausgegangen, was zu einer „absolut unkontrollierten Tat“ geführt hätte.

Der Angeklagte hatte seine Frau vor 30 Jahren geheiratet. Er lebte mit der 44-Jährigen und vier gemeinsamen Kindern in einem beschaulichen Ort in der Provinz, ging einer geregelten Beschäftigung nach, war bestens integriert und wies bis zuletzt keine Vorstrafen auf. Drei seiner vier Kinder betreiben ein Hochschulstudium.
Angeklagter mutmaßte Ehebruch
Aufgrund einer Erkrankung musste sich die Ehefrau in Wien behandeln lassen, weshalb sie vorübergehend in die Bundeshauptstadt zog, wo ihre Kinder zu Studienzwecken leben. In dieser Situation mutmaßte der 46-Jährige, seine Ehefrau würde ihn mit einem anderen Mann betrügen. Konkreten Anhaltspunkt, dass dem tatsächlich so war, gab es keinen. Nach einem Streit am Telefon setzte sich der Mann in sein Auto, fuhr nach Wien und versuchte, seine Frau zu überreden, sofort mit ihm nach Hause zu kommen.
Als sie das ablehnte, zog er ein Taschenmesser mit einer Klingenlänge von acht Zentimetern und stach ihr die Klinge 13 Mal in den Rücken, während die Frau mit ihrem jüngsten Sohn am Boden saß und mit dem Dreijährigen spielte. „Aufgrund ihrer Hilfeschreie kamen ihr die erwachsenen Kinder zu Hilfe“, berichtete die Staatsanwältin den Geschworenen. Sie konnten den Vater überwältigen und bis zum Eintreffen der Polizei in Schach halten, wobei zwei von ihnen geringfügige Verletzungen an der Wade bzw. am rechten Daumen erlitten.
Angeklagter: „War komplett außer Kontrolle“
Demgegenüber bewirkten die der Ehefrau zugefügten Stiche eine mehrfache Eröffnung beider Brusthöhlen und eine Beschädigung des Lungengewebes, was zu einer rechtsseitigen Luftbrustfüllung und Einblutungen in die Brusthöhlen führte. Dank rascher notfallmedizinischer Hilfe kam sie mit dem Leben davon.
Er habe „unabsichtlich“ zugestochen, behauptete der Angeklagte. Er sei „komplett außer Kontrolle“ gewesen. Seine Frau sei „die beste Frau auf der Welt“, aber damals habe er daran gezweifelt: „Jetzt habe ich gemerkt, dass meine Frau unschuldig ist. Ich kann nicht beweisen, dass sie mich betrogen hat. Ich schwöre, dass meine Frau eine saubere Frau ist.“
Hatte 1,5 Promille intus
An die Stiche habe er keine Erinnerung, meinte der 46-Jährige. Er habe damals „viele negative Gedanken gehabt“ und außerdem unter Schlaflosigkeit gelitten. Sein größtes Problem sei aber der Alkohol gewesen. Er sei „kein Unmensch, ohne Alkohol, ohne Wodka bin ich nicht so“.
Laut einem Gutachten dürfte der Angeklagte im Tatzeitpunkt 1,5 Promille intus gehabt haben. Zurechnungs- und Schuldfähigkeit waren aber gegeben.