Ein liebenswürdiger Sturkopf: Der Gründer des Orgelzentrums Valley Sixtus Lampl ist tot
Stand: 20.09.2026, 20:00 Uhr
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Sein Leben war stets von Musik begleitet: Der Musikwissenschaftler, Kunsthistoriker, Orgelsachverständige und Musiker Sixtus Lampl ist tot. Er ist am Freitag nach wochenlangen gesundheitlichen Beschwerden sanft entschlafen.
Valley – Wenige Tage vor seinem Tod in den frühen Freitagmorgenstunden hatte der 85-Jährige noch die Haltenberger Missa Ruralis gehört, ein barockes Stück, das sein Ensemble Musica di Baviera oft aufgeführt hatte. „Das hat ihn beruhigt“, erzählt Ensemblemitglied Christel Schelle. Wie auch andere Weggefährten und Freunde des gebürtigen Westenhofeners hatte sie ihn im Krankenhaus Agatharied besucht. Bei einem ihrer letzten Besuche brachte sie die CD mit der Einspielung, einen CD-Player und Kopfhörer mit, um ihm eine Freude zu bereiten. Zu diesem Zeitpunkt war Lampl schon recht schwach.
Anfang August war er aufgrund von Durchblutungsstörungen in den Beinen ins Krankenhaus gekommen. Mit mehreren Operationen und Antibio㈠tika hatten die Ärzte seine Beschwerden zunächst lindern können. Schelle erinnert sich an einen Besuch kurz nach seinem Geburtstag am 6. August. „Da war er fidel und voller Tatendrang“, erzählt die Bratschistin. „Wir haben sogar besprochen, wie wir unser Weihnachtskonzert gestalten wollen.“ Daher kam sein Tod für die Menschen in seinem Umfeld doch überraschend, wenngleich sie wussten, dass er krank war.
Das für Sonntag, 27. Dezember, geplante Weihnachtskonzert, über das er mit Schelle gesprochen hatte, erhält nun eine andere Bedeutung: Sein Ensemble Musica di Baviera wird es als Gedenkkonzert für Lampl gestalten, den Universalgelehrten, der in München christliche Philosophie, Theologie, Kirchen- und Kunstgeschichte sowie Musikwissenschaften studiert und mit einer Arbeit über die Klosterkirche Tegernsee promoviert hatte. Lampl, der von 1977 bis 2006 als Konservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege der sachgerechten Erhaltung der bayerischen Baudenkmäler diente und von 1980 an zusätzlich der Erhaltung historischer Orgeln in Bayern. Er war Träger der bayerischen Verfassungsmedaille und des Bundesverdienstkreuzes – um nur ein paar seiner Auszeichnungen zu nennen.
Vor allem aber erweckte er Kompositionen aus bayerischen Barockklöstern wieder zum Leben, machte sie überhaupt erst wieder spielbar. „Das war seine eigentliche, sensationelle Leistung und sein größter Verdienst“, erklärt Schelle. Barocke Musik aus den Klöstern Weyarn, Schäftlarn oder Scheyern war in einer Notenschrift verfasst, die heute niemand mehr lesen kann. Lampl transkribierte sie in die heutige Notenschrift – und rettete sie so vor dem Vergessen. Eine Meisterleistung, die Experten mit Ehrfurcht erfüllt. Lampl editierte etwa eine bis dahin unbekannte Vesper aus dem Jahr 1737 des Tegernseer Benediktiner-Komponisten Leonhard Trautsch. Einen wichtigen Forschungsbeitrag leistete er zur Missa Solemnis, die bis dahin nur von Beethoven bekannt war: Lampl entdeckte weitere Werke dieses Typs.
Am Landesamt für Denkmalschutz stieß er in den 80er-Jahren auf eine Orgel des Orgelbauers Koulen aus der Martinskirche Landshut. Er rettete sie vor dem Schrottplatz – und das Instrument wurde sein Schicksal: Wohin damit? Mit seiner 2024 verstorbenen Frau Inge kaufte er 1987 das baufällige alte Schloss in Valley. Die Lampls renovierten es, sodass die Orgel dort aufbewahrt werden konnte. Weitere Instrumente, Pfeifen und Register folgten – der Beginn des Orgelzentrums Valley, das in dieser Form weltweit einzigartig ist. Mit der Gründung der „Dr. Sixtus und Inge Lampl Stiftung“ 2021 sicherte Lampl den Fortbestand seines Lebenswerks über seinen Tod hinaus. „Auch darin zeigte sich sein beeindruckender Weitblick“, sagt Anja Gild vom Orgelzentrum. „Wir verlieren mit ihm einen Visionär.“
Am Orgelzentrum und bei Musica di Baviera ist die Betroffenheit groß: „Wir sind glücklich, dass wir ihn hatten, und sehr traurig, dass er von uns gegangen ist“, sagt Sopranistin Anne-Maria Greindl. „Wir werden seine Liebenswürdigkeit vermissen, aber auch seinen Starrsinn, ohne den sein beeindruckendes Lebenswerk nicht möglich gewesen wäre.“