Ein Skelett, mehrere Schädel: Grab in Polen lässt Archäologen rätseln
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In der Nähe von Breslau im Südwesten Polens haben Archäologen eine außergewöhnliche Grabstätte entdeckt, die den Forschern neue Fragen zur Bestattungspraxis vor rund 5000 Jahren stellt. Im Grab befand sich das nahezu vollständig erhaltene Skelett eines erwachsenen Mannes. Besonders rätselhaft sind jedoch die Grabbeigaben: Neben dem menschlichen Skelett wurden zwei Schädel erwachsener Menschen sowie eine Kette aus Tierzähnen entdeckt.
Ungewöhnlicher Fund: Grabbeigaben geben Rätsel auf
Bei den archäologischen Untersuchungen konzentrierten sich die Forscher zunächst auf einen Friedhof in der Nähe von Żórawina, der aus der Zeit zwischen etwa 350 und 430 n. Chr. stammt. Die Fundstelle ist für Bestattungen aus der spätrömischen Zeit und der frühen Völkerwanderungszeit bekannt. Erst in den letzten Tagen der Ausgrabungen stießen die Archäologen auf einen bislang unbekannten Grabhügel. Der etwa vier Meter durchmessende Hügel rückte daraufhin in den Mittelpunkt der Untersuchungen, wobei sich die Arbeiten vor allem auf die zentrale Grabkammer konzentrierten.
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Zunächst entdeckten die Wissenschaftler 42 spitze Zähne, die in einer Anordnung vorlagen, die auf eine Halskette schließen lässt. Wie „Archaeology News“ unter Berufung auf eine Studie der Medizinischen Universität Breslau berichtet, wies jeder einzelne Zahn eine Öffnung auf. Dies deutet darauf hin, dass die Zähne einst auf einer Schnur aufgereiht waren, die im Laufe der Jahrtausende vollständig verwittert ist. Analysen ergaben, dass die Zähne von Hunden, Bären und Hirschen stammen. Auch ein menschlicher Ursprung einzelner Zähne konnte bislang nicht vollständig ausgeschlossen werden.

In der darunterliegenden Erdschicht stießen die Archäologen anschließend auf das außergewöhnlich gut erhaltene Skelett eines erwachsenen Mannes. Besonders bemerkenswert sind die Beigaben, die gemeinsam mit den menschlichen Überresten entdeckt wurden. Dazu zählen mehrere Perlen aus Knochen und Bernstein, Feuersteinklingen, eine aus Serpentinit gefertigte Steinaxt sowie zwei menschliche Schädel.

Grabbeigaben geben Rätsel auf: Welche Stellung hatte der Mann inne?© PR | Wrocław Medical University
Eine Radiokarbonuntersuchung der Axt ergab, dass das Werkzeug bereits um 2900 v. Chr. hergestellt wurde. Nun sollen weitere Untersuchungen der menschlichen Überreste klären, ob auch das Skelett und die übrigen Funde derselben Epoche zugeordnet werden können. Damit könnte sich möglicherweise erklären lassen, weshalb die ungewöhnlichen Grabbeigaben gemeinsam mit dem Mann bestattet wurden.
Rätselhaft: Wurden die Köpfe vor der Bestattung abgetrennt?
Die beiden Schädel, die gemeinsam mit dem menschlichen Skelett in der Grabstätte entdeckt wurden, stellen die Archäologen bislang vor das größte Rätsel. Eine Hypothese der beteiligten Wissenschaftler geht davon aus, dass die Köpfe bereits vor der Bestattung vom Körper getrennt wurden. Demnach könnten sie Bestandteil eines besonderen Bestattungsrituals gewesen sein, das möglicherweise einer sozial herausgehobenen Person galt. Mehrere Hinweise aus dem Grab sprechen für einen besonderen Status des Verstorbenen.
Auch die ungewöhnliche Zahnkette und die Steinaxt könnten diese Annahme stützen. Die Axt weist deutliche Gebrauchsspuren auf und wurde möglicherweise bei der Jagd oder im Kampf eingesetzt. Dass ein solches Werkzeug dennoch als Grabbeigabe niedergelegt wurde, könnte auf seine besondere symbolische oder persönliche Bedeutung für den Verstorbenen hinweisen.
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Weitere Hinweise liefert ein vergleichbarer archäologischer Fund aus dem nahegelegenen Iwiny. Auch dort wurde eine Grabstätte mit einem menschlichen Skelett entdeckt, die Feuersteinobjekte, Bernsteinschmuck und zwei Äxte enthielt. Ein detaillierter Vergleich der beiden Bestattungen und ihrer Beigaben könnte den Forschern helfen, Gemeinsamkeiten in den Bestattungspraktiken zu erkennen und die ungewöhnliche Funktion der beiden Schädel besser zu verstehen.
Handelt es sich um einen Fund der Schnurkeramik-Gemeinschaft?
Die Forschungsarbeiten an den Skeletten sind noch nicht abgeschlossen. Mit den endgültigen Ergebnissen wird voraussichtlich im Herbst gerechnet. Von besonderer Bedeutung sind dabei die genaue Datierung der Funde sowie genetische Untersuchungen, Isotopenanalysen und die Auswertung der skelettalen Befunde. Diese Untersuchungen sollen dabei helfen, die Grabstätte und die darin entdeckten menschlichen Überreste eindeutig einer bestimmten Kulturgemeinschaft zuzuordnen. Die Forscher vermuten derzeit einen möglichen Zusammenhang mit den Gemeinschaften der Schnurkeramikkultur, die sich insbesondere im vierten und dritten Jahrtausend v. Chr. über weite Teile Europas ausbreiteten.
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Darüber hinaus sollen die Untersuchungen nähere Erkenntnisse über das Leben und die Lebensbedingungen der bestatteten Person liefern. Anhand des Knochengewebes lassen sich möglicherweise Spuren von Verletzungen, Erkrankungen oder außergewöhnlicher körperlicher Belastung erkennen. Chemische Analysen könnten zudem Hinweise auf die Herkunft und Mobilität des Mannes liefern. Auch seine Ernährungsgewohnheiten lassen sich unter Umständen anhand von Untersuchungen der Zähne und des Zahnabriebs rekonstruieren. Zusammengenommen sollen die verschiedenen Analyseverfahren ein möglichst umfassendes Bild der Person, ihrer Lebensumstände und der kulturellen Traditionen zeichnen, in denen die ungewöhnliche Bestattung stattfand.