Ein Sommer auf Schiene: Billiger Reisen mit Interrail?
Sparschiene
Ein Sommer auf Schiene: Billiger Reisen mit Interrail?
Günstig per Bahn ans Mittelmeer: So gelingt eine Riviera-Rundreise mit Interrail und kleinem Budget. Ein Routenvorschlag und eine Kalkulation
Markus Böhm
Wer 2026 günstig durch Europa reisen möchte, muss nicht zwangsläufig in den Billigflieger steigen. Eine Alternative ist etwa der Interrail Global-Pass. Er ermöglicht Bahnreisen durch 33 europäische Länder und gilt seit Jahren als Geheimtipp für jene, die gerne entschleunigt unterwegs sind. Attraktiv ist das Konzept für alle, die zeitlich unabhängig sind und außerhalb der Hauptsaison unterwegs sein möchten – wenn das Meer noch warm ist, die Ferienmassen verschwunden und viele Unterkünfte günstiger sind.
Für zwei Mittdreißiger aus Österreich, unserem Musterreisepaar, zum Beispiel bietet sich der 7-Tage-Pass an: Dieser kostet aktuell 381 Euro pro Person – in der 2. Klasse. Unser Reise-Duo ist ja sparsam unterwegs. Es lassen sich damit beliebig viele Zugfahrten an sieben frei wählbaren Tagen unternehmen. Und: Die An- und Rückreise aus dem Heimatland ist dabei ebenfalls berücksichtigt, egal wie oft man umsteigen muss.
Ganz ohne Zusatzkosten funktioniert das System allerdings nicht: In Frankreich muss in TGV-Hochgeschwindigkeitszüge verpflichtend reserviert werden, das kostet zehn Euro pro Person und Fahrt extra. Wer flexibel bleibt und auch Regionalzüge nutzt, kann diese Kosten jedoch reduzieren.
Warum liegt die Betonung auf Frankreich? Weil sich die Musterreisenden für die Interrail-Route entlang der Côte d'Azur entschieden haben: Die meisten Städte liegen direkt an derselben Bahnlinie und sind durch günstige Regionalverbindungen miteinander verknüpft. Konkret verbinden die Regionalzüge der Linie Zou! Cannes, Antibes, Nizza und Monaco in einem engen Takt – oft alle 15 Minuten – Tickets sind flexibel am selben Tag gültig, es gibt keine Reservierungspflicht und freie Platzwahl.
Französischer Abschnitt
Die von Interrail empfohlene, sogenannte Mittelmeerroute, führt eigentlich von Spanien über Südfrankreich bis nach Italien. Für einen einwöchigen Urlaub genügt jedoch der französische Abschnitt vollkommen.
Erste Station ist Montpellier. Die Universitätsstadt liegt nur wenige Kilometer von der Küste entfernt und gilt als eine der angenehmsten Städte Südfrankreichs. Man erreicht sie von Wien aus via Brüssel mit dem Nightjet. Der ist im Interrail-Ticket inkludiert, allerdings muss pro Fahrt jeder Passinhaber eine Reservierungsgebühr bezahlen. Nach einem Aufenthalt in der belgischen Hauptstadt geht's dann weiter mit dem TGV über Lyon nach Montpellier, wo zwischen historischen Fassaden, kleinen Plätzen und Straßencafés eine entspannte Atmosphäre herrscht.
Eine Nacht und einen Tag haben unsere Bahnreisenden, um in den südfranzösischen Lebensstil einzutauchen. Günstig wohnen lässt es sich zum Beispiel im Ibis Budget Montpellier Sud Près d'Arènes (58 Euro im Dreibettzimmer für eine Nacht und zwei Erwachsene). Mit den Öffis kann man das Zweisternhotel vom Bahnhof aus in rund 16 Minuten erreichen. Von dort sind es nur 2,4 Kilometer zum Place de la Comédie, dem Mittelpunkt des Stadtlebens. Ein Hostel wäre noch günstiger, aber aus diesem Alter ist unser Reisepaar längst draußen. Dafür spart man an anderer Stelle: Sehenswürdigkeiten, die nicht kostenlos sind, werden gemieden.
Von Montpellier geht es weiter nach Marseille. Die Hafenstadt besitzt nicht den makellosen Glamour von Cannes oder Nizza, dafür aber Charakter. Rund um den Alten Hafen pulsiert das Leben, während die Basilika Notre-Dame de la Garde hoch über der Stadt wacht. Wer zwei Nächte bleibt, hat genügend Zeit für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Übernachtet wird im Meininger Marseille Centre la Joliette für 138 Euro für zwei Personen und zwei Nächte. Der Bahnhof ist nur eine Viertelstunde Fußweg entfernt.
Nach Marseille wird die Reise glamouröser. Es ist auch der Abschnitt, auf dem man als Zugenthusiast voll auf seine Kosten kommt. Denn die rund 38 Kilometer lange Bahnstrecke entlang der Côte d'Azur zwischen Cannes und Monaco gilt als besonders schön. Hinter nahezu jeder Kurve eröffnen sich neue Panoramablicke auf das Mittelmeer, mondäne Küstenorte und die charakteristische Landschaft der Französischen Riviera.
Nicht glamourös, aber preiswert
In Cannes säumen Luxushotels die berühmte Strandpromenade La Croisette, teure Sportwagen rollen an Designer-Boutiquen vorbei, im Hafen schaukeln teure Jachten. Die Unterkunft ist nicht glamourös, aber preiswert: Im B&B Hotel Cannes la Bocca Plage kostet eine Nacht für unser Reisepaar 82 Euro. Vom Bahnhof ist es eine halbe Stunde mit den Öffis entfernt.
Die letzte Nacht gehört Nizza. Die Stadt vereint alles, wofür die Côte d'Azur berühmt ist: Palmen, Märkte, Belle-Époque-Architektur, mediterrane Küche und eine spektakuläre Uferpromenade. Nizza eignet sich außerdem perfekt als Basislager, weil nahezu alle Orte der Riviera schnell mit der Bahn erreichbar sind. Zwei Nächte in Nizza schlagen sich im Hostel Alpazur, wo es auch Zimmer mit zwei Einzelbetten gibt und das sich in der Nähe des Bahnhofs Nice-Ville befindet, mit 77 Euro für zwei Erwachsene und eine Nacht zu Buche.
Nach Hause über Paris
Weiter geht's nach Monaco. Die Fahrt dauert von Nizza aus nur rund eine halbe Stunde. Dort warten der Fürstenpalast, das berühmte Casino von Monte-Carlo und den Jachthafen. Monaco ist deutlich teurer als Frankreich, doch es gehört fast schon zum Pflichtprogramm jeder Riviera-Reise. Von Monte Carlo geht's dann auch schon wieder zurück nach Österreich. Dafür stehen mehrere Routen offen. Das Reisepaar entscheidet sich für jene, die über Paris und Brüssel führt. Von dort gehts mit dem Nightjet nach Wien.
Bleibt die Preisfrage: Für Interrail, Zugreservierungen und Unterkunft gibt das Musterreisepaar 1.250 Euro aus. Kommt noch die Verpflegung hinzu. Hier kommen die Reisenden mit rund 500 Euro über die ganze Reise aus, da sie sich auf Märkten, in Bäckereien oder einfachen Restaurants verköstigten. Unterm Strich kommt die Interrail-Tour entlang der französischen Riveria demnach auf 1.750 Euro. Aber rechnen wir lieber mit 2.000 – man weiß ja nie. Der eigentliche Wert einer Interrail-Reise liegt sowieso woanders: in der Freiheit. Heute einen Tag länger in Marseille bleiben? Morgen spontan nach Monaco fahren? Genau dafür ist Interrail gemacht. (Markus Böhm, 12.7.2026)
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