Ein Sonnenplatz für jeden: Christoph Seesing lädt zum Beobachten in Fankenhain ein
Stand: 14.08.2026, 13:32 Uhr
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Bei Christoph Seesing war zum Beobachten der Sonnenfinsternis jeder willkommen. In Frankenhain gab es neben Teleskop und Projektionsschirm ganz viel Gemeinschaftsgefühl.
Frankenhain – Wer in den vergangenen Tagen noch eine Sonnenfinsternis-Brille ergattern wollte, fühlte sich zunehmend wie Maria und Josef auf der Suche nach einem Platz in der Herberge: „Hier nicht“ oder „Suchen Sie woanders“ schallte es ihm entgegen. Bestenfalls gab’s dann noch einen Link zur Bastelanleitung. Bei Jutta und Christoph Seesing waren aber alle willkommen: Auf ihrer Wiese über Frankenhain trafen sich stolze Brillenbesitzer und solche, die leer ausgegangen waren. Und weil Christoph Seesing sein Teleskop sowie einen Projektionsschirm aufgebaut hatte, war sichergestellt, dass auch wirklich alle einen Blick auf das Himmelsspektakel werfen konnten.
Es hatte sich eine große, bunte Schar von Beobachtern aller Altersklassen eingefunden, viel mehr waren sogar gekommen, als es die Seesings von anderen gemeinschaftlichen Himmelsbeobachtungen gewohnt waren. Heike aus Frankenhain hatte Christoph Seesing von ihrer Terrasse aus beim Aufbauen beobachtet und sich spontan auf den Weg gemacht, andere waren aus Eschwege, Waldkappel oder Germerode gekommen, walkend, radelnd oder mit dem Auto, nachdem sie aus unterschiedlichen Quellen von dem Event erfahren hatten.
Jeder, der neu hinzustieß, wurde fröhlich begrüßt und von Seesing zu einem ersten Blick durchs Teleskop eingeladen: „Schaut her, man kann die Sonnenflecken deutlich erkennen“, erläuterte der begeisterte Hobby-Astronom und beantwortete alle Fragen bereitwillig und geduldig. Mit seiner freundlichen, zugewandten Art setzte er den Ton und steckte die Besucher damit sogleich an. Auch einander Fremde kamen leicht miteinander ins Gespräch, plauderten und fachsimpelten munter durcheinander. So konnte sich Sonja aus Witzenhausen beispielsweise noch gut an die totale Sonnenfinsternis von 1999 erinnern, an die unwirkliche Atmosphäre, das fahle Licht und das plötzliche Verstummen der Vögel. Während sie noch von dem vergangenen Erlebnis schwärmte, hatte der kleine Max aber längst entdeckt, dass auf dem Projektionsschirm plötzlich ein kleines Stück Sonne fehlte.

Die Beobachterschar war augenblicklich elektrisiert. Sofort bildeten sich Menschentrauben um Christoph Seesings Instrumente, wobei alle respektvoll darauf achteten, ihren Nachbarn nicht die Sicht zu versperren und jedem einen Blick auf die faszinierenden Bilder zu ermöglichen. Einige Brillenbesitzer erwiesen sich zudem als großzügig und verliehen immer wieder begehrte Pappbrillen. Auf diese Weise wurde die Beobachtung sehr umfassend ermöglicht: entweder unter fachkundiger Erläuterung am Teleskop oder ganz bequem und in angenehmer Vergrößerung am Projektionsschirm. Besonders farbintensiv und konzentriert sah es dafür hinter der Brille aus.
Wer ein noch umfassenderes Erlebnis und die totale Verdunklung im Kernschatten gesucht hatte, hätte für teures Geld nach Mallorca oder Island reisen müssen. Wer aber in der Region geblieben war, hatte mit einem Ausflug nach Frankenhain genau die richtige Entscheidung getroffen. Seesings Ehefrau Jutta hatte die Besucher sogar mit leckerem Kuchen und mit Mineralwasser versorgt. Das Schauspiel war bis zum Höhepunkt bestens zu beobachten. Erst nachdem die maximale, knapp 90-prozentige Verdunklung erreicht war, begannen sich allmählich die Wipfel des Meißner-Waldes in der untergehenden Sonnensichel abzuzeichnen. Für die meisten das Signal zum Aufbruch, und fast familiär verabschiedeten sich alle voneinander. „Vielen Dank, Christoph, vielen Dank, Jutta“, schallte es aus vielen Mündern. „Bis zum nächsten Mal.“ Die ist in Deutschland allerdings erst 2081 wieder zu sehen. (Roland Furch)
Einen weiteren Artikel zur Sonnenfinsternis finden Sie in unserer heutigen Ausgabe. In Netra haben über 250 Menschen die Sonnenfinsternis auf dem Eichenberg beobachtet.