Ein Tor beim Pflichtspieldebüt: Nick Rothweiler überzeugt beim 3:0 des KSV Hessen gegen Frankfurt II

Stand: 10.08.2026, 06:00 Uhr

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Nick Rothweiler

Jubeln kann er schon: Nick Rothweiler nach seinem Treffer zum 2:0 gegen Frankfurt. © Dieter Schachtschneider

Dass Nick Rothweiler ein Jahr lang kein Fußball gespielt hat, war ihm am Samstag überhaupt nicht anzumerken.

Kassel – Fußball hat der 20-Jährige in den vergangenen 365 Tagen natürlich schon gespielt, aber der Mittelfeldspieler hat in diesem Zeitraum kein Pflichtspiel bestritten. Rothweiler stand dreimal im Bundesliga-Kader des 1. FC Heidenheim, bekam aber keine Einsatzzeit. Nun ist er für ein Jahr an den Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel ausgeliehen. Dass sich dieses Leihgeschäft auszahlen könnte für die Löwen, war beim Saisonauftakt gegen Eintracht Frankfurt II zu sehen.

Rothweiler stand direkt in der Startelf, bildete zusammen mit Neuzugang Cemal Kaymaz die Mittelfeldzentrale, Kaymaz spielt den defensiveren Part, Rothweiler den des Achters, der durchaus mal mit in den gegnerischen Strafraum geht. Das tat er auch in der 36. Minute, als er nach einer Flanke von Nael Najjar den Ball technisch sehenswert aus der Luft mit dem linken Fuß ins Tor beförderte. Für den 20-Jährigen war es der perfekte Einstand im Auestadion. Und wie sich hinterher herausstellte, fiel auch eine große Last von ihm ab.

Denn anders als Torjäger Jan Dahlke, der in der zweiten Hälfte trotz einer Erkältung und 90 Minuten Spielzeit das 3:0 erzielte (77.) und hinterher selbstbewusst sagte: „Für mich ist es nicht so entscheidend, dass ich heute gleich meinen ersten Saisontreffer erzielt habe – auch wenn es natürlich schön ist. Aber ich mache meine Tore schon“, befand Rothweiler: „Das Tor freut mich sehr, die drei Punkte sind aber noch wichtiger. Das war ein super Erlebnis. Nach dem schwierigen letzten Jahr hat es mich erst mal sehr, sehr gefreut, wieder auf dem Platz zu stehen. Mich dann noch mit einem Tor zu belohnen, das ist perfekt. Die Familie saß auf der Tribüne und hat alles gesehen. Ich hoffe, dass sie ein bisschen stolz sind.“ Grund dafür hat er geliefert.

Während der 28-Jährige Kaymaz vor der Abwehr seine Zweikampfstärke und Ruhe zeigte, die dem KSV-Spiel sehr guttat, trat Rothweiler etwas weiter vorn nicht wie ein Neuling im Seniorenfußball auf. Stabil im Duell mit dem Gegenspieler, selbstbewusst mit dem Ball am Fuß und viel unterwegs – wenn sich der 20-Jährige so über die gesamte Saison präsentiert, könnte er ein wichtiger Neuzugang sein, den manch einer gar nicht auf dem Zettel hatte.

Rothweiler erinnerte dabei ein wenig an Jakob Kuntze ein Jahr zuvor. Der 18-Jährige, der im Sommer nach seiner Leihe vom SC Paderborn nach Ostwestfalen zurückgekehrt ist, stand beim FC Homburg am ersten Spieltag in der Startelf. Damals hatte der KSV personelle Probleme, Kuntze, zu der Zeit noch 17 Jahre alt, war die Nervosität durchaus anzumerken. Doch im Lauf der Saison wurde er immer besser und selbstbewusster.

Rothweiler scheint schon einen Schritt weiter zu sein. Und mit René Klingbeil hat er einen Trainer, der überhaupt keine Skrupel hat, jungen Spielern das Vertrauen zu schenken. Kapitän Adrian Bravo Sanchez lobte hinterher, dass seine Mannschaft eine gute Ruhe im Spiel gehabt habe. „Das, was wir im Training und den Testspielen einstudiert haben, hat gefruchtet, hat sich bezahlt gemacht.“ Und zum Treffer von Rothweiler befand er: „Überragende Vorarbeit von Nacho, er macht den dann gut weg. Da war ein Plan dahinter, wir hatten gute Positionierungen.“

Spielerisch war auch ohne Lukas Rupp und Yannick Stark kein Bruch im Saisonübergang zu erkennen. Und das ist dann auch ein Verdienst von Rothweiler. Der jetzt endlich wieder Fußball spielen darf. (Maximilian Bülau)