Italien schafft „eine der am meisten verhassten Steuern“ ab – Meloni will Familien entlasten

„Eine der am meisten verhassten Steuern“: Italien schafft Kfz-Steuer ab – für bestimmte Klassen

Stand: 16.09.2026, 22:46 Uhr

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Auch Italien kämpft mit den Spritpreisen. Giorgia Meloni schafft kurzerhand die Kfz-Steuer für kleinere Autos und Roller ab. Vorerst befristet.

Rom – Italiens Regierung hat eine sehr weitreichende Steuerreform für Autofahrer beschlossen: Die Kfz-Steuer wird 2027 für die meisten Kraftfahrzeuge im Land abgeschafft. Zumindest vorübergehend.

Giorgia Meloni hat in Italien die Kfz-Steuer für viele kleinere Autos im Jahr 2027 ausgesetzt.

Giorgia Meloni hat in Italien die Kfz-Steuer für viele kleinere Autos im Jahr 2027 ausgesetzt. © dpa/Gabriele Hafner//IMAGO / ZUMA Press

Betroffen sind nach Regierungsangaben Personenwagen mit kleiner und mittlerer Motorleistung bis 80 Kilowatt. Das entspricht in etwa 108 PS. Betroffen seien knapp 70 Prozent aller Autos in Italien und besonders die Modelle, die laut Meloni vor allem von Familien genutzt werden. Daneben entfällt die Steuer für Motorräder und Roller. Insgesamt seien rund 14,5 Millionen Fahrzeuge von der Steuerbefreiung im Jahr 2027 betroffen.

Italien schafft die Kfz-Steuer für Millionen Autos ab: Es gibt weitere Bedingungen

Die Regelung gilt vorerst vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2027 – ist also nur befristet, da sie laut Rai auf Basis eines Notverordnungsbeschlusses durchgesetzt wurde. Ob die Steuerbefreiung „strukturell“ und dauerhaft wird, wird sich demnach erst später zeigen. Meloni selbst sprach davon, dass die Regelung dauerhaft werden solle. Aus der linken Opposition kamen Hinweise, dass in Italien aller Voraussicht nach nächstes Jahr ein neues Parlament gewählt wird.

Allerdings gibt es weitere Bedingungen: So kann jeder Autobesitzer nur ein Fahrzeug von der Steuer befreien lassen. Für Zweit- und Drittwägen sowie für Luxus-, Sport- und viele SUV-Autos gilt die Regelung nicht. Besitzt man mehrere Autos unter 80 KW, soll die Entlastung automatisch für das Fahrzeug mit der geringsten Leistung gelten. Besitzt jemand ein Auto und einen Roller, hat der PKW Vorrang.

Sie habe vor „eine der von den Italienern am meisten verhassten Steuern“ abzuschaffen, gab Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zu der neuen Regelung zu Protokoll. Das Ziel sei eine Entlastung für Familien. Zu der betroffenen Fahrzeugklasse zählen viele Modelle des Fiat Panda, VW Polo, Dacia Spring oder Renault Clio.

Meloni entlastet mit der Steuer nicht nur gezielt Besitzer kleinerer Autos, sondern auch ausschließlich Menschen, die in Italien ein solches Auto angemeldet haben. Anders als etwa bei der in Deutschland von Wirtschaftsministerin Reiche diskutierten Senkung der Steuer auf Benzin und Diesel. Von dieser würden auch Urlauber profitieren.

Der Hintergrund: Auch in Italien sind die Spritpreise in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Aktuell liegen die Literpreise bei 2,13 Euro für Benzin beziehungsweise 2,24 Euro für Diesel.

Italien schafft Kfz-Steuer ab: Meloni muss Regionen Ausgleichszahlungen liefern

Nach Angaben von Wirtschaftsverbänden spült die Kfz-Steuer pro Jahr mehr als sieben Milliarden Euro in die Kassen. Die Einnahmen aus der Kfz-Steuer stehen in Italien eigentlich den Regionen zu. Hier werden sie laut Rai größtenteils für die Finanzierung des Gesundheitswesens und zur Sicherstellung einer Grundversorgung in den Krankenhäusern verwendet.

Aus diesem Grund musste Melonis Regierung auch direkte Ausgleichszahlungen für die Regionen mitliefern. Sie stellte mit dem neuen Erlass zunächst etwa 2,3 Milliarden Euro in einem Fonds bereit, um die Ausfälle im nächsten Jahr zu kompensieren. Dadurch würden die fehlenden Mittel im Gesundheitswesen „vollständig kompensiert“, schreibt Rai. Den Regionen reicht der bereitgestellte Betrag nach eigenen Angaben nicht aus.

Parallel zur Kfz-Steuer-Aussetzung hat die Regierung erneut eine befristete Senkung der Verbrauchssteuer auf Diesel beschlossen, um die Bürger angesichts hoher Kraftstoffpreise kurzfristig zu entlasten. (Verwendete Quellen: Rai, Corriere, dpa) (rjs)