„Eine Milliarde Tonnen Wasser ist nicht viel“: Forscher zerlegen Musks Mondstadt-Plan mit neuer Studie

Stand: 16.09.2026, 14:16 Uhr

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Die Milliardäre Elon Musk und Jeff Bezos wollen den Mond besiedeln – doch Forscher haben nachgerechnet und sehen ein massives Problem: Das Wasser wird knapp.

Frankfurt – „Der Mond ist wie unser achter Kontinent, er ist noch komplett unerforscht“, sagte der ESA-Astronaut Alexander Gerst im März im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Doch wenn es nach Raumfahrt-Milliardären wie Elon Musk oder Jeff Bezos geht, dann soll sich das ändern: Musk will erst eine Stadt auf dem Mond bauen und dann den Mars kolonisieren, und Bezos möchte die irdische Schwerindustrie auf den Mond auslagern.

Gibt es für eine Stadt auf dem Mond überhaupt genug Wasser und Energie? Eine Studie geht dieser Frage nach.

Gibt es für eine Stadt auf dem Mond überhaupt genug Wasser und Energie? Eine Studie geht dieser Frage nach. © KI-generiert

Doch eines benötigen sowohl Industrie als auch Städte in großer Menge: Energie und Wasser. Ein Forschungsduo hat sich nun die Frage gestellt, ob es auf dem Mond überhaupt möglich ist, eine große Stadt zu unterhalten – gibt es dort genügend Wasser und Energie?

Wasser und Energie auf dem Mond: Gibt es genug für eine Millionenstadt?

Die Antwort auf die Energiefrage ist dabei überraschend eindeutig: Eine Stadt mit einer Million Einwohnern würde etwa 2,1 Gigawatt elektrischer Leistung benötigen. Solarpaneele an den Mondpolen könnten laut Studie rund drei Gigawatt liefern – auch Kernreaktoren wären als Energiequelle denkbar. Das Fazit der Autoren: Energie ist kein entscheidender Engpassfaktor für eine Mondstadt. Das eigentliche Problem ist das Wasser.

Das konzentriert sich an den Polen in den sogenannten „permanently shadowed regions“ (PSR). Dort gibt es tiefe Krater, in die seit vier Milliarden Jahren kein Sonnenlicht hineingefallen ist. Eine chinesische Sonde soll diese Krater erstmals direkt auf der Oberfläche erkunden, ist jedoch noch nicht gestartet. Das Forschungsteam, bestehend aus Martin Elvis und Jonathan McDowell vom Center for Astrophysics in Cambridge, schätzt für die Studie die Gesamtmenge des Wassers auf dem Mond auf etwa eine Milliarde Tonnen. Die Schätzung ist sehr großzügig, denn bisher wurden nur etwa 34 Millionen Tonnen Wasser nachgewiesen.

„Eine Milliarde Tonnen Wasser ist nicht viel, wenn man eine Million Menschen hat“

Doch reicht eine Milliarde Tonnen Wasser, um eine Stadt mit einer Million Einwohnern dauerhaft zu versorgen? „Eine Milliarde Tonnen Wasser ist nicht viel, wenn man eine Million Menschen hat“, betont Studienautor McDowell auf Anfrage und verweist auf den Bodensee, der alleine schon 48 Milliarden Tonnen Wasser beinhaltet.

Das Forschungsduo geht davon aus, dass eine Person auf dem Mond einen Wasserverbrauch von 500 Tonnen pro Jahr hat – der Wert beinhaltet Getränke, Hygiene, Nahrungsmittelanbau sowie die Sauerstoffproduktion. Das heißt: Ohne Wasserrecycling wäre die Milliarde Tonnen Wasser auf dem Mond rasch aufgebraucht. Die Schlussfolgerung der beiden Forscher in der Studie, die im Fachjournal Frontiers in Space Technologies veröffentlicht wurde: „Es liegt auf der Hand, dass ein effizientes Wasserrecycling erforderlich sein wird, um eine Stadt auf dem Mond zu versorgen.“

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Recycling von Wasser spielt auf dem Mond eine wichtige Rolle – doch selbst das reicht nicht

Auf der Internationalen Raumstation ISS, die dauerhaft von Menschen bewohnt wird, erreicht das Recycling von Wasser eine Effizienz von 98 Prozent. Doch nicht einmal das würde reichen, um eine Stadt auf dem Mond langfristig mit Wasser zu versorgen, zeigen die Autoren. Bei einer Bevölkerung von 100.000 Menschen würde es bei einer Effizienz von 98 Prozent tausend Jahre dauern, bis das Wasser vollkommen aufgebraucht wäre. Bei einer Million Menschen wäre das Wasser dann schon in hundert Jahren aufgebraucht.

Bei einer Recyclingeffizienz von 99 Prozent würden sich die Werte verdoppeln – das Wasser würde aber immer noch nicht lange genug reichen. Gegenüber Spiegel.de ergänzt McDowell zudem: „Niemand würde auf der Erde eine Stadt bauen, in dem Wissen, dass er sie schon nach ein oder zwei Jahrhunderten wieder aufgeben muss.“ Und: Selbst wenn 99,9 Prozent des Wassers recycelt würden, wäre das kostbare Nass eines Tages leer. Bei einer Million Menschen in 2000 Jahren, bei 100.000 Menschen in 20.000 Jahren.

Wasser- und Sauerstoffgewinnung auf dem Mond

Nicht nur Wassereis aus den Kratern könnte auf dem Mond genutzt werden – die Forschung arbeitet auch daran, Wasser aus Mondgestein zu extrahieren. Denn der Regolith besteht zu rund 45 Prozent aus gebundenem Sauerstoff. Durch thermische Reduktion (Erhitzen auf mehr als 900 Grad Celsius) wird das Gas aus Mineralien herausgelöst.

Verbindet man den abgespaltenen Sauerstoff mit Wasserstoff, entsteht künstlich flüssiges Wasser, das man auf dem Mond als Trinkwasser und für die Landwirtschaft verwenden könnte – zusätzlich zu dem Wasser aus den Kratern. Allerdings gibt es dabei einen gewaltigen Haken: Der Prozess erfordert eine enorme Menge thermischer Energie.

„Wasser scheint die langfristige Mondbevölkerung auf einige hunderttausend zu begrenzen“

Das Fazit der Autoren: „Wasser scheint die langfristige Mondbevölkerung auf einige hunderttausend zu begrenzen.“ Bleibt die Frage, was McDowell Elon Musk und Jeff Bezos empfehlen würde? „Ich würde sagen, sie müssen sich das einmal genau ausrechnen – und vielleicht einen Weg finden, die Grenzen, auf die wir stoßen, zu umgehen“, sagt der Astronom.

In der Studie schlägt das Forschungsduo vier Ansätze vor, wie man mit der Wasserknappheit auf dem Mond umgehen kann:

  • Effizienteres Recycling: So werden immerhin die Zeiträume gestreckt, in denen das Wasser reicht.
  • Wassernutzung reduzieren: Maßnahmen wie vertikale Landwirtschaft und weniger oder kein Fleischverbrauch könnten die Wassermenge reduzieren.
  • Wasser von anderen Himmelskörpern importieren: Pro Jahr müsste man zehn Millionen Tonnen Wasser importieren, wenn man eine Recyclingeffizienz von 98 Prozent und eine Bevölkerung von einer Million Menschen hat. Allerdings spielt hier die Anzahl der einfach zu erreichenden Asteroiden eine Rolle.
  • Mehr Wasser auf dem Mond finden: Es könnte tief im Mond noch mehr Wasser geben, das man bisher nicht gefunden hat. Dafür müsste man allerdings tief bohren.

Wasser auf dem Mond muss verwaltet werden – „eine politische Herausforderung“

Doch egal welcher Ansatz verfolgt wird – die Forscher sind sich einig: Für das Wasser auf dem Mond braucht es einen Plan. Wer das Mondwasser nutzen darf, wer es verwaltet und wer die Regeln aufstellt – das sind Fragen, die die Menschheit beantworten muss, bevor die ersten Siedler einziehen. McDowell bringt es auf den Punkt: „Wir brauchen einen Weg, das Mondwasser durch ein internationales Abkommen zu verwalten – das wird eine politische Herausforderung sein.“ (Quellen: Studie, eigene Recherche, Spiegel.de) (tab)