Der Bund will verstärkt nach Marokko abschieben

«Eine Reihe von Flügen geplant»

Schweiz beschleunigt Abschiebungen nach Marokko

Migranten in ihr nordafrikanisches Heimatland zurückzuführen, war jahrelang äusserst schwierig. Laut dem Staatssekretariat für Migration hat sich die Zusammenarbeit mittlerweile verbessert.

Publiziert: 12:18 Uhr

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Aktualisiert: 13:23 Uhr

Darum gehts

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  • Schweiz will Marokkaner schneller ausschaffen – 353 müssen das Land verlassen
  • Marokkos Behörden verzögerten Identifikationen teilweise länger als ein Jahr
  • 2026 gab es bisher fast so viele Zwangsrückführungen wie 2025 im gesamten Jahr
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Raphael RauchBundeshausredaktor

Die dramatischen Szenen in der zu Spanien gehörenden Exklave Ceuta werden die Politik noch lange beschäftigen: Zehntausende, die über Zäune kletternd und durchs Meer schwimmend aus Marokko auf europäisches Territorium drängten, führten der Welt vor Augen: Die EU ist an ihren Aussengrenzen verwundbar.

Auch die Schweiz beschäftigt sich mit Ceuta – allerdings ohne konkrete Massnahmen zu planen. Zwar gehört Ceuta nicht zum Schengenraum. Dennoch hat die Zürcher Kantonspolizei diese Woche Stichprobenkontrollen bei Flügen aus Spanien durchgeführt. «Dabei konnten keine Auffälligkeiten festgestellt werden», teilt die Kapo mit.

Bern ist Marokkaner-Hotspot

Für bedeutend mehr Kopfzerbrechen sorgen in Bern Ausschaffungen nach Marokko. Aktuell müssen 353 Marokkaner die Schweiz verlassen. Mehr als ein Fünftel von ihnen befindet sich im Kanton Bern. Von diesen 83 Migranten wiederum sind 41 identifiziert. Doch laut Regierungsrat Philippe Müller (62) ist es gar nicht so einfach, sie auszuschaffen: «23 Personen sind untergetaucht. 14 Personen sind in Untersuchungshaft oder im Strafvollzug.»

Müller ist überzeugt: «Wir müssen die Ausschaffungshaft auf mindestens eineinhalb Jahre verlängern. Heute ist sie nur ein paar Monate möglich und nur, wenn die Ausschaffung absehbar ist. Wenn ein Marokkaner weiss, dass er bei Kriminalität sofort ins Gefängnis kommt und ausgeschafft wird, ist die Schweiz nicht mehr attraktiv.» 

«Verfahrensverschleppung» der marokkanischen Behörden

In diesem Zusammenhang kritisiert der Regierungsrat das Verhalten der marokkanischen Behörden. Im März schrieb er einen Brandbrief an Bundesrat Beat Jans (62), der Blick vorliegt. Darin wirft Müller der nordafrikanischen Verwaltung «Verfahrensverschleppung» vor. Während die Identifizierung marokkanischer Staatsangehöriger in Strafverfahren nur wenige Wochen dauere, brauche die Botschaft bei Ausschaffungen «teilweise mehr als ein Jahr».

Müller nennt einen besonders drastischen Fall: Ein Marokkaner wurde im Alter zwischen 9 und 13 Jahren mehrmals von der Berner Polizei aufgegriffen, teilweise in «lebensgefährlicher» Situation. Immer wieder, so der Regierungsrat, landete der Jugendliche im Gefängnis. «Die Botschaft Marokkos reagierte nicht auf die Kontaktaufnahme für einen Besuch durch die diplomatische Vertretung.» Laut Müller verletzt Marokko damit die Kinderrechtskonvention.

Schweizer Haltung zur Westsahara ist Marokko ein Dorn im Auge

In der Bundesverwaltung gilt es als offenes Geheimnis, dass Marokko wenig Interesse hat, straffällige Jugendliche zurück ins Land zu holen – und die Migration als Druckmittel benutzt. Denn die Schweizer Haltung in der Westsahara-Frage ist Marokko ein Dorn im Auge. Die Schweiz hat die Annexion der Westsahara durch Marokko nie anerkannt – sehr zum Missfallen der Autoritäten in Rabat.

Bundesrat Beat Jans (62) antwortete Müller umgehend. Und die Schweiz protestierte bei den marokkanischen Behörden. Nachdem Rabat monatelang kaum etwas unternommen hatte, kam plötzlich Bewegung in die Sache: Die Zahl der Abklärungen schoss nach oben. Am 24. April traf Justizminister Jans den marokkanischen Aussenminister Nasser Bourita (57).

«Wir müssen den Druck aufrechterhalten»

Die Marokkaner wollten sich nicht die Blösse geben, tatenlos dazustehen – und machten Tempo. Im Februar und März wurde nur eine Identität geklärt, im April waren es dann plötzlich 185. Im Mai und Juni erfolgten jeweils 14 Abklärungen, immer noch deutlich mehr als früher. «Wenn Marokko will, dann macht es Abklärungen. Für mich zeigt das: Wir müssen den Druck aufrechterhalten», sagt Müller. 

Am 22. Mai reiste Vincenzo Mascioli (56) nach Rabat, der Staatssekretär für Migration, um eine Vereinbarung zu den Rückführungsverfahren zu unterschreiben. Laut Staatssekretariat für Migration (SEM) hat sich die Zusammenarbeit mit Marokko deutlich verbessert: «Im ersten Halbjahr 2026 wurden fast so viele zwangsweise Rückführungen vollzogen wie im gesamten Jahr 2025.» Ausserdem kündigt das SEM an: «In den nächsten Wochen sind eine Reihe von Flügen nach Marokko geplant. Die stark gestiegenen Identifikationszahlen schlagen sich somit bereits im Vollzug nieder und werden sich in den kommenden Wochen noch stärker in den Rückkehrzahlen zeigen.»

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