Millionen Menschen haben Bluthochdruck, ohne es zu wissen – eine Studie zeigt, warum die Diagnose oft ausbleibt
Stand: 24.09.2026, 19:05 Uhr

Eine Studie zeigt: Millionen Menschen in Großbritannien haben Bluthochdruck, ohne davon zu wissen. Warum Kontrollen früher ansetzen müssen.
London – Millionen Menschen im Vereinigten Königreich könnten unentdeckten Bluthochdruck haben. Eine große Untersuchung von 1,4 Millionen Erwachsenen in England ergab, dass 37 Prozent die Kriterien für Bluthochdruck erfüllten. 59 Prozent dieser Fälle waren zum Zeitpunkt der Messung noch nicht diagnostiziert und wurden nicht behandelt, berichtet EurekAlert!.
Das entspricht insgesamt ungefähr einem von fünf Erwachsenen. Andere aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass rund 16 Millionen Menschen im Vereinigten Königreich Bluthochdruck haben und bis zu fünf Millionen davon nichts von ihrer Erkrankung wissen, laut Archynewsy.
Risiko steigt mit dem Alter
Für die Analyse wurden Blutdruckmessungen ausgewertet, die zwischen 2022 und 2025 im Rahmen von Our Future Health, dem größten Gesundheitsforschungsprogramm des Vereinigten Königreichs, erhoben wurden. Die Häufigkeit von Bluthochdruck nahm mit dem Alter deutlich zu. Unter den 18- bis 39-Jährigen waren 15 Prozent betroffen, bei Menschen ab 80 Jahren waren es 71 Prozent. Bei Männern trat Bluthochdruck nach Altersanpassung deutlich häufiger auf als bei Frauen: 42 gegenüber 29 Prozent, laut EurekAlert!.
Probleme zeigten sich auch bei Menschen, die bereits behandelt wurden. Von denjenigen, denen ein oder mehrere blutdrucksenkende Medikamente verschrieben worden waren, hatte die Hälfte weiterhin erhöhte Werte.
Bluthochdruck bleibt häufig unbemerkt
Bluthochdruck verursacht häufig keine auffälligen Beschwerden und kann deshalb lange unentdeckt bleiben. „Obwohl Hypertonie weitgehend ein ‚stiller Killer‘ ist, ist der derzeitige Ansatz zur Erkennung und Behandlung von hohem Blutdruck nicht zweckmäßig“, sagte Wenyu Liu, medizinischer Statistiker bei Oxford Population Health und Leitautor der Studie, laut EurekAlert!.
Auch Bryan Williams, wissenschaftlicher und medizinischer Leiter bei der British Heart Foundation, bezeichnete die Ergebnisse als besorgniserregend. „Millionen von Menschen leben weiterhin mit der Erkrankung, ohne es zu wissen, und verpassen Chancen für eine frühe Diagnose und Behandlung“, sagte er laut EurekAlert!. Die Studienautoren argumentieren, dass die derzeitigen Abläufe bei Diagnose und Behandlung dazu führen, dass viele Fälle unerkannt, unbehandelt oder nicht ausreichend kontrolliert bleiben.
Das britische National Institute for Health and Care Excellence verteidigte dagegen die Praxis, auffällige Messungen aus einer Arztpraxis vor einer Diagnose durch Messungen zu Hause zu bestätigen. Dies entspreche den Leitlinien der European Society of Cardiology und solle sicherstellen, dass Betroffene die richtige Diagnose und Behandlung erhalten. Die Leitlinien verlangten zudem nicht, zunächst ausschließlich Lebensstiländerungen auszuprobieren und notwendige Medikamente aufzuschieben, berichtet The Sun.
Kostenlose Blutdruckmessungen
Um unentdeckte Fälle früher zu erkennen, wird der Zugang zu Blutdruckkontrollen ausgeweitet. Kostenlose Messungen werden unter anderem in Hausarztpraxen, teilnehmenden Apotheken, einigen Arbeitsstätten, Supermärkten und Wettbüros angeboten, laut Archynewsy. Apotheken bieten dabei sowohl unangemeldete als auch vorab gebuchte Kontrollen an. Menschen, die ihren Blutdruck zu Hause kontrollieren, wird empfohlen, ein dafür validiertes Gerät zu verwenden und die Werte regelmäßig zu dokumentieren.
Was den Blutdruck senken kann
Neben Medikamenten können auch Änderungen des Lebensstils helfen, erhöhte Werte zu senken. Empfohlen werden mindestens 150 Minuten Bewegung mit mäßiger Intensität oder 75 Minuten intensive Bewegung pro Woche. Ausdauerbewegung sollte dabei mit Krafttraining kombiniert werden.
Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Empfohlen werden unter anderem mindestens fünf abwechslungsreiche Portionen Obst und Gemüse täglich sowie eine Verringerung der Salzaufnahme. Lebensmittel wie Rote Bete, Spinat, Sellerie und Grünkohl sowie kaliumreiche Lebensmittel können Teil einer ausgewogenen Ernährung sein.
Zudem kann eine höhere Ballaststoffaufnahme helfen. Erwachsenen werden etwa 30 Gramm pro Tag empfohlen, tatsächlich liegt die durchschnittliche Aufnahme den Angaben zufolge bei rund 17 Gramm. Eine 2024 veröffentlichte Untersuchung brachte zusätzliche fünf Gramm Ballaststoffe täglich mit einer Senkung des Blutdrucks in Verbindung, so The Sun. (Redaktion)