Perfekte Nations-League-Bilanz: Einen wie Manzambi hatte die Schweiz noch nie

Einen wie Manzambi hatte die Schweiz noch nie. Doch wie geht es nun weiter mit Xhaka und Embolo?

Das Schweizer Nationalteam beweist in der Nations League, dass es auch ohne die langjährigen Leader funktioniert. Die jungen Fussballer um Johan Manzambi sind die Gewinner dieses Zusammenzugs.

07.10.2026, 14.00 Uhr

4 Leseminuten


Wird im Schweizer Nationalteam immer prägender und beweist auch gegen Nordmazedonien seine Extraklasse: der Offensivspieler Johan Manzambi (rechts).

Wird im Schweizer Nationalteam immer prägender und beweist auch gegen Nordmazedonien seine Extraklasse: der Offensivspieler Johan Manzambi (rechts).

Joeran Steinsiek / Imago

Nein, diese ersten 45 Minuten gegen Nordmazedonien waren alles andere als gut, «eine Halbzeit zum Vergessen» sei das gewesen, sagt der Nationaltrainer Murat Yakin hinterher.

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Aber letztlich kann es den Schweizer Fussballern egal sein, denn auch so bezwingen sie Nordmazedonien am Dienstagabend in Luzern 3:0. Weil Yakin bald einsieht, dass fünf Wechsel in der Startformation zu viele waren und in der Pause Korrekturen anbringt. Weil er Ardon Jashari und Johan Manzambi einwechselt, mit denen sich die Statik des Schweizer Spiels schlagartig verändert. Und weil die Schweiz danach wieder so agiert, wie sie das schon in den drei Spielen zuvor getan hat: abgeklärt, routiniert, souverän.

Der Aufstieg in Liga A ist vertagt

Und so erringt die Nationalmannschaft vier Siege in vier Partien, Torverhältnis 11:1. Was eigentlich schon alles darüber aussagt, wie dominant Yakins Equipe in der Liga B der Nations League aufgetreten ist. Überhaupt dieses Selbstverständnis: Die Schweiz spielt mittlerweile gegen jedes Team konsequent Ballbesitzfussball, heissen die Gegner nun Algerien und Argentinien wie an der WM oder Schottland und Slowenien wie in dieser Nations-League-Kampagne. Und sie ist dabei äusserst effizient.

Der sofortige Wiederaufstieg nach der schmachvollen Relegation vor zwei Jahren ist nur deshalb noch nicht Tatsache, weil die Slowenen in Glasgow gleichzeitig 2:1 gewinnen. Aber die Schweiz hat schon vor den letzten zwei Nations-League-Partien Mitte November klargemacht, wo sie hingehört: in die Liga A, wo sie sich in zwei Jahren wieder mit den europäischen Top-Nationen messen wird statt mit zweitklassigen wie in diesem Herbst.

Trägt viel zum starken Herbst der Schweizer Fussballer in der Nations League bei: der linke Flügel Dan Ndoye.

Trägt viel zum starken Herbst der Schweizer Fussballer in der Nations League bei: der linke Flügel Dan Ndoye.

Joeran Steinsiek / Imago

Der Nationalcoach Yakin dürfte während des XXL-Zusammenzugs in den letzten sechzehn Tagen viele erfreuliche Erkenntnisse gesammelt haben. Mit Granit Xhaka und Breel Embolo fehlten zwei wichtige Leader wegen Corona-Affären. Aber Yakins Team hat in den vier Spielen bewiesen, dass es auch ohne seinen Captain und den Stürmer Nummer eins ganz gut funktioniert.

Mehr noch: Die Abwesenheit der beiden langjährigen Führungsspieler eröffnete anderen, jüngeren Spielern mehr Raum zur Entfaltung. Etwa Ardon Jashari, der seit Jahren in Xhakas Schatten stand und nun gezeigt hat, dass die Zukunft auf der Sechserposition ihm gehört. Oder der Stürmer Zeki Amdouni, der nach einer langen Verletzung wie aus der Versenkung auftauchte und mit drei Toren und einem Assist ein eindrückliches Comeback im Nationalteam gab. Regelrecht unverzichtbar gemacht haben sich Dan Ndoye und Johan Manzambi, die ebenfalls zu den Gewinnern dieses Zusammenzugs gehören.

Und dann ist da noch die geglückte Integration der jungen, aufstrebenden Spieler. Zachary Athekame absolvierte seine ersten vier Länderspiele und überzeugte hinten rechts sofort – der Härtetest gegen eine Top-Nation steht allerdings noch aus. Mit Sascha Britschgi und Winsley Boteli gaben zudem zwei weitere verheissungsvolle Nationalspieler ihr Debüt. Wobei sich Yakin sogar den Luxus leisten konnte, Boteli, dem Shooting-Star in der Super League, bloss 37 Einsatzminuten zuzugestehen – so viele valable Optionen hat der Nationalcoach mittlerweile in der Offensive.

Am eindrücklichsten ist dort zweifellos die Entwicklung von Johan Manzambi. An die WM in Nordamerika ging er noch als Ersatzspieler; jetzt ist der Romand nicht mehr wegzudenken aus der Startformation. Lässt ihn Yakin aber doch einmal draussen wie gegen Nordmazedonien, merkt man sofort, was der Mannschaft fehlt. Technik, Tempo, Tordrang: Vielleicht hatte die Schweiz noch nie einen so kompletten Fussballer wie Manzambi. Kein Wunder hat der 20-Jährige bereits seinen eigenen Fan-Song – er ist der neue Publikumsliebling.

Es braucht eine Meldepflicht bei Strafverfahren

Sportlich hat der Nationalcoach zurzeit also kaum Sorgen. Trotzdem bleibt die Zeit bis zum nächsten Zusammenzug des Nationalteams Mitte November interessant. Denn zwischen den Länderspiel-Terminen wird der Verband Gespräche mit Xhaka und Embolo führen. Das hatte die Verbandsspitze um SFV-Präsident Peter Knäbel angekündigt, nachdem Xhakas Impfbetrug und der Strafbefehl gegen Embolo bekannt geworden waren.

Die Frage, ob die Vergehen der beiden so gravierend sind, dass sie nicht mehr Nationalspieler sein können, beantwortet der Verband mit Nein. Und da der Captain nicht von der Verbandsspitze, sondern vom Trainer und dem Mannschaftsrat gewählt wird, und Xhaka teamintern grossen Rückhalt geniesst, dürfte auch klar sein, dass der 34-Jährige im November als Captain in die Auswahl zurückkehrt. Der Vize-Captain Manuel Akanji sagt: «Wir wollen, dass die beiden Spieler zurückkommen. Granit ist weiterhin unser Captain.» Beides ist aus sportlicher Perspektive im Hinblick auf die EM-Qualifikation im Frühling nachvollziehbar.

Aber Knäbel versprach auch, dass man «Leitlinien» ausarbeiten wolle, die festlegen, wie der Verband künftig mit fehlbaren Spielern umgeht. Das ist dringlicher denn je, wie die jüngsten Fälle nur allzu deutlich gezeigt haben. Der SFV liess sich – zum wiederholten Mal – von seinen eigenen Spielern überraschen, reagierte nur, statt zu agieren. Weshalb er im Umgang mit den Corona-Geschichten von Xhaka und Embolo ebenfalls eine schlechte Figur abgab.

«Müssen wir bei jedem Spieler nachfragen, ob ein Verfahren gegen ihn läuft oder nicht?», hatte der SFV-Mediensprecher Adrian Arnold an der denkwürdigen Pressekonferenz gefragt, als der Verband den temporären Verzicht auf Embolos Dienste mitteilte. Die Antwort darauf hätte «Ja» gelautet. Will sich der SFV Überraschungen und kommunikative Desaster wie jüngst ersparen, so muss er nun einen Katalog ausarbeiten, der eine Meldepflicht bei laufenden Strafverfahren enthält. Und am besten erklärt er seinen Akteuren gleich auch, was ein Strafverfahren ist und welche Vergehen ein solches nach sich ziehen.

Es bleibt abzuwarten, welche «Leitlinien» der SFV konkret erlässt und wann der Verband die Rückkehr von Xhaka und Embolo kommuniziert; voraussichtlich passiert das Ende Oktober. Aber eines ist schon jetzt klar: Nach all den Skandalen in der Vergangenheit verträgt es keine weiteren Fehltritte von Xhaka und Embolo. Das muss der Verband den beiden in den anstehenden Gesprächen unmissverständlich klarmachen. Andernfalls verliert er seine Glaubwürdigkeit.

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Die vielen Wechsel in der Startformation tun dem Nationalteam nicht gut. Nach Korrekturen zur Pause agiert Yakins Equipe dann wieder so überzeugend wie in den drei Nations-League-Partien zuvor.

Schon jetzt spricht fast die Hälfte des Nationalteams Französisch. Die aufstrebenden jungen Romands dürften die Auswahl auf Jahre hinaus prägen – vor allem in der Offensive.

Der frühere Nationalspieler erklärt, weshalb die Diskussion um die Captainbinde intern geführt werden müsse. Und Huggel findet, dem Fussball werde zu viel moralisches Gewicht aufgeladen.