„Eingeknickt wie ein Regenschirm“: Trump rastet wegen Reflecting Pool aus – und steht als Blamierter da
„Eingeknickt wie ein Regenschirm“: Trump wettert wegen Reflecting-Pool-Debakel gegen eigene Staatsanwältin
Stand: 04.08.2026, 14:00 Uhr
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Die Vandalismusvorwürfe rund um den Reflecting Pool sind fallengelassen worden. Trump attackiert ausgerechnet seine frühere Verbündete Jeanine Pirro. Eine Analyse.
Washington, D.C. – Auf dem Boden des Reflecting Pool am Lincoln Memorial stehend, versprach Präsident Donald Trump Anfang Mai, die Lecks und anderen Probleme zu beheben, die eines der bekanntesten Wahrzeichen der Hauptstadt seit Langem plagten.
„Das wird halten, ich würde sagen, 50 Jahre“, sagte er. „Es wird halten, es wird sehr lange halten.“
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Vollmundiges Versprechen, schnelle Enttäuschung
Trump versprach, die Arbeiten rechtzeitig zu den Feierlichkeiten zum 4. Juli auf der National Mall abzuschließen. Er und seine Berater stellten das Projekt, das mit einem millionenschweren Auftrag ohne Ausschreibung und ohne die üblichen Prüfverfahren gestartet worden war, als Beweis dafür dar, wie schnell der langjährige Immobilienmagnat Washington verändern könne.
Doch Trumps Umbau hielt nur wenige Tage. Die Beschichtung des Beckens begann sich sichtbar abzulösen, Bruchstücke von Trumps neuer, in „American Flag Blue“ getönter Poolauskleidung übersäten die Oberfläche, und Algenblüten trübten das Wasser.
Seitdem hat sich die Reaktion der Regierung – die Schuld „Vandalen“ zuzuschieben – zu einem politischen Ärgernis entwickelt und wirft Fragen darüber auf, was führende Regierungsvertreter wussten, während die Behörden strafrechtliche Anklagen gegen vier Personen verfolgten, darunter den ehemaligen US-Olympioniken David Hearn.
Trump wütend auf treue Verbündete
Der Präsident ist wütend auf eine seiner treuesten Unterstützerinnen, Jeanine Pirro, die US-Staatsanwältin für die Hauptstadt, weil diese vor Kurzem die Vandalismusvorwürfe gegen die vier Personen fallen ließ. Staatsanwälte machten in einem Gerichtsschreiben vom Freitag mangelhafte Installationsarbeiten für den Schaden verantwortlich und erklärten, das Innenministerium habe entscheidende Informationen nicht rechtzeitig weitergegeben.
Trump wetterte in sozialen Medien gegen Pirro und übermittelte ihr laut einem Mitarbeiter des Weißen Hauses in einem Telefonat am Samstag eine „sehr deutliche“ Botschaft. Am Montag erneuerte er die Kritik im Oval Office und sagte, sie sei „eingeknickt wie ein Regenschirm“.
Das Reflecting-Pool-Projekt, das als Schaufenster für Trumps Fähigkeit dienen sollte, Dinge rasch zu erledigen, ist stattdessen zu einer Stolperfalle in seiner zweiten Amtszeit geworden. Der problembehaftete Start fällt in eine Zeit, in der Trump größere und komplexere Projekte vorantreibt, die die Skyline Washingtons neu gestalten sollen, darunter einen neuen Ballsaal am Weißen Haus und einen 76 Meter hohen Triumphbogen.
Das Becken wurde am 10. Juli erneut für weitere Reparaturarbeiten entleert.
Behördendokumente widersprechen der Vandalismus-These
Regierungsunterlagen „legen stark nahe, dass eine überstürzte und mangelhafte Installation durch AIC, den Hauptauftragnehmer“, zu den sichtbaren Schäden an der neuen Beckenauskleidung geführt habe, schrieben Pirro und einer ihrer Stellvertreter in dem Schreiben vom Freitag. Pirro warf dem Innenministerium vor, relevante Dokumente zurückgehalten zu haben, die die Ermittlungen zunichtegemacht hätten.
Die Probleme des Beckens hatten bereits im Weißen Haus für Wutausbrüche Trumps gesorgt. Bald geriet der Präsident aus einem weiteren Grund in Rage: Pirro habe das Weiße Haus nicht vorab über die Rücknahme der Anklagen informiert, so ein Mitarbeiter des Weißen Hauses. Trump sprach am Samstag telefonisch mit ihr über die Entscheidung – ein Gespräch, über das zuerst CNN berichtet hatte.
Öffentlich richtete Trump seinen Zorn ebenfalls gegen Pirro. Er erklärte in sozialen Medien, er sei „zu 100 Prozent“ anderer Meinung als sie, und bekräftigte erneut, dass Vandalen für die Schäden verantwortlich seien. Innenminister Doug Burgum pflichtete ihm bei und erklärte, Vandalen hätten das Gelände „wiederholt“ beschädigt; die Taten seien auf Kamera festgehalten worden, und seine Behörde sei den Anwälten des Justizministeriums gegenüber stets kooperativ gewesen.
Das Weiße Haus und das Innenministerium lehnten weitere Stellungnahmen ab und verwiesen auf die Beiträge von Trump und Burgum. Atlantic Industrial Coatings, der ausführende Auftragnehmer, reagierte nicht auf wiederholte Anfragen um eine Stellungnahme.
Unabhängige Analysen widersprechen der Vandalismus-Erzählung
Außenstehende Beobachter hatten Behauptungen über flächendeckenden Vandalismus bereits seit Wochen zurückgewiesen. Eine Analyse der Washington Post, die Satellitenbilder sowie im Juni während der Renovierung aufgenommene Fotos und Videos auswertete, kam zu dem Schluss, dass die Ablösungen im Becken wahrscheinlich auf Anwendungsfehler zurückzuführen seien. Abdichtungsexperten, die die Beweise prüften, gelangten zum selben Ergebnis.
Die Regierung bestritt öffentlich, dass die Beschichtung unsachgemäß aufgetragen worden sei, doch am Montag räumte Trump gewisse Frustration über die Arbeit der Auftragnehmer ein.
„Ich sage nicht, dass ich zu 100 Prozent begeistert vom Auftragnehmer war, aber der Auftragnehmer stand unter Zeitdruck“, sagte er im Oval Office und wies darauf hin, dass die Arbeiter eine knappe Frist gehabt hätten. Seine schärfsten Worte hob er sich für Pirro auf.
„Ich schätze, sie ist eingeknickt. Ich weiß nicht, was zum Teufel passiert ist“, sagte er.
Pirros Wandel vom Verfechter zur Zielscheibe
Pirro, eine ehemalige Moderatorin bei Fox News, war eine standhafte Verteidigerin des Präsidenten gewesen, bevor sie in seine Regierung eintrat. In ihrer jetzigen Funktion verfolgte sie mehrere Vorwürfe des Fehlverhaltens gegen vermeintliche politische Gegner Trumps – wobei sie dabei auch gerichtliche Rückschläge erlitt, darunter einen gescheiterten Versuch, einen Mann aus Washington, D.C., wegen einfacher Körperverletzung anzuklagen, nachdem dieser im vergangenen Jahr einen Bundesbeamten mit einem Sandwich beworfen hatte.
Das 20-seitige Schreiben der Staatsanwaltschaft zur Einstellung des Verfahrens gegen Hearn war insofern außergewöhnlich, als es nicht nur dem widersprach, was Trump und Pirro öffentlich über die Anklagen gesagt hatten. Es listete auch akribisch Dokumente des Innenministeriums auf, die Probleme bei der Installation der Auskleidung belegten, und legte dar, wie die Staatsanwälte zu dem Eindruck gelangten, getäuscht worden zu sein. Pirro prüfte den Antrag und unterzeichnete ihn, nachdem sie mit Michael Spence gesprochen hatte, dem Leiter der Abteilung, die in der US-Staatsanwaltschaft für Verfahren vor dem Superior Court zuständig ist, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen berichteten, die zu internen Beratungen anonym sprachen.
Norm Eisen, ein Anwalt Hearns, sagte, er akzeptiere nicht die Behauptung, das Justizministerium habe von Beweisen, die Hearns Unschuld nahelegten, nichts gewusst. Eisen verwies auf öffentlich zugängliche Fotos und Berichte, die zeigten, dass der Schaden wahrscheinlich auf Fehler des Auftragnehmers zurückzuführen sei.
„Die Vorstellung, Jeanine Pirro und ihr Büro seien von der Innenbehörde gewissermaßen hinters Licht geführt worden, ist nicht glaubwürdig“, sagte Eisen.
Dieser Bericht stützt sich auf Gespräche mit Vertretern des Justiz- und Innenministeriums sowie des Weißen Hauses, ferner auf öffentliche Erklärungen und Dokumente, die die Trump-Regierung im Zuge rechtlicher Auseinandersetzungen um das Reflecting Pool offengelegt hat. Einige der Gesprächspartner sprachen unter der Bedingung der Anonymität, da sie nicht befugt waren, sich öffentlich zu der Angelegenheit zu äußern.
Trumps Ambitionen für ein neues Washington
Trump beschloss Anfang des Jahres, das über hundert Jahre alte Becken zu erneuern, und erklärte, Freunde hätten das Erscheinungsbild und den Geruch der historischen Stätte kritisiert.
„Ich bekam Beschwerden von Leuten, die sagten, es sähe nicht gut aus“, sagte Trump gegenüber Reportern. „Ich rief Doug [Burgum] an, und er stimmte zu.“
Die letzte umfassende Renovierung des Beckens hatte während der Regierung Obama begonnen, mehrere Jahre gedauert und 34 Millionen Dollar gekostet. Trump kam zu dem Schluss, er könne das deutlich schneller und weitaus günstiger erledigen.
Der Präsident glaubte zudem, das Projekt persönlich vorantreiben zu können, nachdem er das Verhältnis zwischen dem Weißen Haus und den Mitarbeitern des National Park Service verändert hatte. Trump hatte den East Wing des Weißen Hauses abgerissen, um einen geplanten, rund 8.400 Quadratmeter großen Ballsaal-Anbau zu errichten, hatte mit der Planung eines Triumphbogens in der Nähe des Arlington National Cemetery begonnen und weitere Großprojekte auf Bundesgrünflächen ins Auge gefasst, etwa die Renovierung mehrerer Golfplätze. Im Vergleich dazu erschien ihm das Becken, wie er Verbündeten gegenüber sagte, als unkompliziertes Vorhaben.
Die Regierung hatte zudem Hierarchieebenen zwischen den Mitarbeitern des Park Service vor Ort und hochrangigen Vertretern des Innenministeriums und des Weißen Hauses abgebaut. Viele erfahrene leitende Mitarbeiter des Park Service hatten die Behörde im vergangenen Jahr im Zuge der Kürzungen durch den U.S. DOGE Service verlassen, die das Personal der Behörde um etwa ein Viertel reduzierten – wodurch weniger erfahrene Beamte zwischen Nachwuchskräften und politisch ernannten Amtsträgern verblieben.
Beamte mit wenig Erfahrung im Bereich Denkmalschutz trafen am Ende Bauentscheidungen, während erfahrene Park-Service-Mitarbeiter mit Erfahrung bei der Sanierung der National Mall ins Abseits gedrängt wurden.
Überstürzte Bauarbeiten unter Zeitdruck
Bis März trieb der National Park Service das Beckenprojekt auf Anweisung des Weißen Hauses im Eiltempo voran. Die Änderungen, darunter das Auftragen einer neuen, eingefärbten Epoxidbeschichtung auf das Becken, durchliefen nicht die normalerweise vorgeschriebenen Prüfverfahren, da es „keine andere Option“ gebe, als das Projekt zu beschleunigen, um den Zeitplan der Regierung einzuhalten, schrieb ein Beamter des Park Service in einem Dokument vom 30. März.
Trump stellte das Projekt am 23. April im Oval Office vor und veröffentlichte noch am selben Tag ein begleitendes Werbevideo. Er bezeichnete es als „Wirtschaftlichkeitsstudie“.
„Es wird viel schöner aussehen, schöner als 1922, als es gebaut wurde“, sagte Trump. Statt Jahre und potenziell Hunderte Millionen Dollar auszugeben, werde seine Renovierung weniger als zwei Millionen Dollar kosten und weniger als zwei Wochen dauern, sagte er. Diese Kosten sollten später deutlich steigen.
Fast unmittelbar warnten Denkmalschützer und ehemalige Regierungsvertreter, Trump gehe zu überstürzt vor.
Charles A. Birnbaum, der die Cultural Landscape Foundation leitet, eine Bildungs- und Interessenorganisation für historische Stätten, erklärte nach Trumps Ankündigung, er verstehe nicht, wie „etwas so Bedeutendes ohne Tests“ der neuen Materialien verändert werden könne.
„Die Devise scheint zu lauten: erst handeln, später Fragen stellen“, sagte Birnbaum mit Blick auf Trumps andere Bauprojekte in der Stadt, etwa den Abriss des East Wing des Weißen Hauses für den neuen Ballsaal. Birnbaums Organisation klagte zudem gegen das Beckenprojekt, wobei ein Richter einen Antrag auf einstweilige Verfügung ablehnte.
Warnsignale gleich zu Beginn
Die Arbeiten am Becken begannen am 5. Mai, als Auftragnehmer das Gelände reinigten und mit dem Aufsprühen einer speziellen Schutzbeschichtung namens Rhino 406 auf einen Teil des Beckens begannen, wie das Justizministerium mitteilte. Am 6. Mai regnete es, sodass die Arbeiter für einen Tag pausieren mussten.
Hinter den Kulissen zeigten sich rasch Warnzeichen.
„AIC scheint erheblich im Zeitplan zurückzuliegen“, schrieb ein Mitarbeiter eines Auftragnehmers, der mit der Überwachung des Baufortschritts von AIC betraut war, laut Justizministerium in einer E-Mail an Beamte des Innenministeriums am 7. Mai.
Weitere Verzögerungen folgten. Regen legte die Arbeiten wiederholt lahm, und am 18. Mai ging den Auftragnehmern das Material Rhino 406 aus, was eine weitere Unterbrechung erforderte, bis neuer Nachschub eintraf, so das Justizministerium.
Die Eröffnung – und der schnelle Verfall
Die Arbeiten waren bis zum 7. Juni größtenteils abgeschlossen, und die Arbeiter begannen, das Becken wieder zu befüllen. Eine abschließende Inspektion fand am 9. Juni statt, schrieb das Justizministerium, als das Becken offiziell eröffnet wurde – einen Monat später als geplant und mit Mehrkosten von über 12 Millionen Dollar gegenüber dem, was Trump ursprünglich versprochen hatte.
Das aufgehübschte Becken erhielt zunächst überparteiliches Lob, und der Präsident veröffentlichte eine Flut von Fotos auf seinem Social-Media-Konto. Trump teilte zudem Bilder eines verdreckten, mit Müll gefüllten Beckens – dies sei der Zustand unter seinem Vorgänger Joe Biden gewesen, behauptete er – im Vergleich zu einem makellosen Becken, das seiner Führung zu verdanken sei.
„Alle schauen sich dieses Reflecting Pool an; sie können es nicht glauben, dass es Spiegelungen zeigt“, sagte Trump am folgenden Tag im Oval Office. „Wenn ich hier bin, wird es perfekt sein.“
Am Tag darauf stellte ein Ingenieur des Park Service fest, dass sich die neue Auskleidung des Beckens bereits abzulösen begonnen hatte, und machte dafür einen Fehler des Auftragnehmers verantwortlich, wie aus am Freitag veröffentlichten Dokumenten des Justizministeriums hervorgeht.
Bald bemerkten auch Passanten die Ablösungen. Hearn erzählte der Washington Post, dass er bei seinem Besuch am Becken am 19. Juni ein Stück Auskleidung sah, das sich bereits teilweise vom Beckenboden gelöst hatte, und mit der Hand ins Wasser griff, um zu fühlen, wie es sich anfühlte.
Er wurde umgehend von Beamten der U.S. Park Police festgenommen und wegen Vandalismus an der Stätte angeklagt. Weitere Festnahmen folgten.
Anklagen ohne stichhaltige Beweise
Die Anklagen lieferten Regierungsvertretern eine Rechtfertigung für ihre Behauptung, die Probleme des Beckens seien auf vorsätzliche Beschädigung zurückzuführen. Doch keiner der Festgenommenen wurde des schwerwiegendsten Verhaltens beschuldigt, das Trump öffentlich behauptet hatte – nämlich der Verwendung von Klingen oder Chemikalien zur Beschädigung der Auskleidung.
„Sie nahmen eine Art Messer oder Klinge und schnitten einen 250 Fuß langen Riss in die wunderschöne Fassade dessen, was so viel Arbeit, Können und Geld gekostet hat, um es zu bauen und fertigzustellen. Sie gossen zudem ätzende und zerstörerische Chemikalien in das Becken“, schrieb Trump am 20. Juni auf Truth Social und erhöhte in späteren Beiträgen die Länge des angeblichen Risses zunächst auf 300, dann auf 350 Fuß.
Frank Lands, der stellvertretende Direktor des Park Service, erklärte zudem am 24. Juni in einem separaten Verfahren gegenüber einem Bundesrichter, die Schaumdichtung am Becken sei „mit einem scharfen Messer oder einer Rasierklinge durchtrennt“ worden. Lands, ein ehemaliger stellvertretender Garnisonskommandeur der Armee, der 2021 zum Park Service kam, war zu einer zentralen Figur bei der Umsetzung von Trumps Politik in Washington geworden. Er lehnte eine Stellungnahme gegenüber der Washington Post ab.
Pirros anfängliche Härte und der spätere Rückzieher
Pirro, deren Behörde sowohl lokale als auch bundesstaatliche Straftaten in Washington, D.C., verfolgt, stellte den mutmaßlichen Vandalismus zunächst als Angriff auf das gemeinsame Erbe der Amerikaner dar. Sie besuchte das Becken laut Gerichtsunterlagen am 1. Juli, um die Schäden zu begutachten. Als eine Grand Jury Hearn am folgenden Tag wegen des Verbrechens der Sachbeschädigung anklagte – der einzigen im Zusammenhang mit dem Becken verfolgten schweren Anklage wegen Vandalismus –, gab Pirro eine Pressekonferenz und später ein Interview bei Fox News, in dem sie schilderte, er habe „gewaltsam und heftig“ mit beiden Händen an der Auskleidung gerissen und einen Mitarbeiter des Park Service angeschrien, der ihn zum Aufhören aufgefordert hatte.
„Ich habe nichts hart angeklagt“, sagte sie damals gegenüber Reportern und fügte hinzu, „es gab enormen Schaden.“
Doch innerhalb der US-Staatsanwaltschaft wuchs der Unmut über Beamte des Innenministeriums, die den Staatsanwälten die angeforderten Informationen zu den Schäden am Becken bislang nicht zur Verfügung gestellt hatten. Den Staatsanwälten lagen laut einem Schreiben des Justizministeriums lediglich „rudimentäre“ Polizeiberichte der Park-Service-Beamten vor, die Hearn und drei weitere, wegen Vergehen angeklagte Beschuldigte festgenommen hatten.
Als das Verteidigungsteam Hearns das Gelände am 17. Juli besichtigte, besuchte auch Pirro es erneut. Da das Becken entleert war, konnten die Staatsanwälte den Schaden laut dem Gerichtsschreiben ihrer Behörde klarer erkennen. Die Ablösungen beschränkten sich den Unterlagen zufolge nicht nur auf die Ränder, sondern traten auch in der Mitte des Beckens auf – Stellen, die für Vandalen nur äußerst schwer erreichbar gewesen wären.
Pirro erklärte, ihre Behörde habe umgehend Unterlagen des Innenministeriums zum Installationsprozess der Auskleidung angefordert.
„Diese Dokumente deuteten auf einen überstürzten und mangelhaften Installationsprozess hin, mit wiederholten Ausfällen der Auskleidung während der Installation und ausgedehnten Ablösungen der Auskleidung im gesamten Reflecting Pool“, erklärte Pirros Behörde in dem Gerichtsschreiben. Die Unterlagen umfassten E-Mails und Berichte, die Installationsmängel, regenbedingte Rückschläge sowie Blasenbildung und Ablösungen dokumentierten – all das schriftlich festgehalten, bevor die Anklagen vor Gericht erhoben worden waren.
„Wäre [das Innenministerium] mit den Informationen, die ihm eindeutig vorlagen, offen umgegangen, hätte die Regierung keine Anklage vor der Grand Jury angestrebt“, heißt es in dem Schreiben.
Die Staatsanwaltschaft ließ auch die Anklagen gegen die drei wegen Vergehen Beschuldigten fallen.
Einer von ihnen, Justin Carreno, verlor durch das Verfahren seine Stelle als Regierungsauftragnehmer und erlitt einen Ansehensschaden, wie sein Anwalt David Benowitz mitteilte.
„Die Anklage hätte von vornherein nie erhoben werden dürfen“, sagte Benowitz.
Das Justizministerium könnte theoretisch erneut Anklage erheben, doch angesichts der Schlussfolgerungen der Staatsanwälte in dem Schreiben dürfte das schwierig werden.
Trump führt eigene Ermittlungen fort
Trump scheint seine eigenen Nachforschungen fortzusetzen.
Am Samstag teilte der Präsident auf Truth Social Überwachungsaufnahmen, die Personen mit den Händen im Reflecting Pool zeigten. „Schaut euch selbst den VANDALISMUS an, der am Reflecting Pool stattgefunden hat“, schrieb er. „Das Material wird mit einem Messer oder Teppichmesser zerschnitten, für alle sichtbar!“ Das Video zeigt drei Personen, die entlang des nördlichen Beckenrands mit den Händen ins Wasser greifen, doch es ist nicht erkennbar, ob jemand ein Messer oder Teppichmesser in der Hand hält.
Das Video scheint eine längere Fassung eines Clips zu sein, den die U.S. Park Police bereits am 24. Juni veröffentlicht hatte, um die Öffentlichkeit um Mithilfe bei der Identifizierung einer darauf zu sehenden Person zu bitten. Die Polizei erklärte, die Aufnahmen stammten vom 19. Juni, 15:36 Uhr – rund eine Stunde bevor Beamte Hearn ansprachen.
Reaktionen aus dem Kongress
Die Affäre hat demokratische Kongressabgeordnete verärgert, die Untersuchungen zu Trumps Projekt eingeleitet haben und erklären, Passanten hätten niemals festgenommen werden dürfen; bei einigen republikanischen Abgeordneten sorgte sie hingegen für Verwunderung und Ratlosigkeit.
„Das kommt der Lehrbuchdefinition von Kakistokratie ziemlich nahe“, sagte der Abgeordnete Jared Huffman (Demokrat, Kalifornien), führender Demokrat in einem Ausschuss des Repräsentantenhauses, der die Bundesgrünflächen beaufsichtigt, auf denen sich das Reflecting Pool befindet. „Pirro sitzt zwischen sprichwörtlichem Amboss und Hammer – entweder wird sie gefeuert, wenn sie die Wahrheit sagt, oder ihr wird die Zulassung entzogen, wenn sie weiter lügt.“
Zu den Republikanern, die sich schwertaten, die Vorgänge nachzuvollziehen, gehörte Senator John Kennedy (Republikaner, Louisiana).
„Das Ganze ist eine Massenkarambolage“, sagte er am Sonntag in der Sendung „Meet the Press“ auf NBC und rätselte über die Beweggründe von Trump und Pirro. „Ich weiß nicht, warum sie die Klage eingereicht hat, ohne eine vollständige Untersuchung durchzuführen. Sie sagt, sie habe sich auf das Innenministerium verlassen. Aber es war klug von ihr, einen Rückzieher zu machen.“
Das Becken ist laut Gerichtsschreiben der Regierung bis zum 10. August für weitere Renovierungsarbeiten geschlossen.
Isaac Arnsdorf, Perry Stein und Meg Kelly trugen zu diesem Bericht bei.
Zu den Autoren:
Dan Diamond ist Korrespondent für das Weiße Haus bei der Washington Post mit Schwerpunkt auf Politik, öffentliche Gesundheit und Präsident Trumps Umgestaltung Washingtons. Seine E-Mail-Adresse lautet [email protected], erreichbar ist er auch über Signal unter @dan_diamond.01.
Liam Bowman ist Praktikant im Metro-Ressort. Er erwarb einen Master-Abschluss in Journalismus an der University of Maryland, wo er als Reporting Fellow am Howard Center for Investigative Journalism tätig war. Zuvor schrieb er für lokale Zeitungen in Virginia.
Salvador Rizzo berichtet für die Washington Post über das Bundesgericht in Washington, D.C., und die US-Staatsanwaltschaft. Sichere Hinweise können ihm unter srizzo.86 auf Signal zugesandt werden.
Jake Spring berichtet über die Umweltschutzbehörde, das Innenministerium sowie die Energie- und Umweltpolitik des Kongresses. Sichere Hinweise können ihm unter jspring.99 auf Signal zugesandt werden.
Dieser Artikel war zuerst am 1. August 2026 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.