Eintracht Frankfurt: Neuer Geist und zwei neue Spieler
Stand: 26.07.2026, 13:32 Uhr

Die Eintracht will alles Schlechte abstreifen. Der nigerianische Nationalspieler Onyedika vom FC Brügge soll die Schwäche auf der Sechs beheben. Und: Abwehrhüne Otavio kommt für 4,5 Millionen aus Portugal.
Nicht selten geht Adi Hütter während der vielen Trainingseinheiten der Eintracht am Fuße der Chiemgauer Alpen in die Hocke, wie ein Skifahrer beim Abfahrtslauf, mit federnden Knien. Mit Argusaugen beobachtet der Frankfurter Cheftrainer das Treiben seiner Fußballer, nichts bleibt unentdeckt, nichts entgeht dem Fußballlehrer. Big Boss is watching you.
Die Schlagzahl ist hoch. Die Belastung auch. Das ist nichts Besonderes in der Vorbereitung, das ist nichts, was Eintracht Frankfurt exklusiv hätte im Bundesligazirkel. Plackerei ist angesagt, Schufterei gehört dazu. Aber: Die Hessen werden, so ganz allgemein, doch ein bisschen mehr machen müssen als die Konkurrenz.
Aus zweierlei Gründen: 1.) Sie haben nach der gänzlich missratenen Vorsaison etwas gutzumachen, und das ist nicht wenig. Sie müssen Vertrauen, ja die Herzen der Menschen zurückgewinnen. „Wir alle waren nicht zufrieden mit der Art, wie wir gespielt haben“, sagt Ansgar Knauff im Rückblick. „Das wollten auch die Fans nicht mehr sehen. Deshalb war die Stimmung im Stadion nicht mehr so wie vorher.“ Eine zutreffende Einschätzung.

Und, 2.): Die Mannschaft wird deshalb topfit, wehrhaft und widerstandsfähig sein müssen, weil sie gütemäßig sicher nicht zur Crème de la Crème der Liga gehört. Das zeigte schon die zurückliegende Saison, und ein signifikanter Qualitätssprung ist jetzt nicht zu erwarten. Das ist aber nicht weiter schlimm. Denn Eintracht-Teams, gerade unter Adi Hütter in seiner ersten Amtszeit, gehörten selten zu den besten in Deutschland. Aber sie wussten durch Willen, Einstellung und Mentalität zu punkten, und Grenzen zu verschieben.
Lachnummer der Liga
Auch das ist in der jüngeren Vergangenheit verschüttgegangen, ehrlicherweise nicht erst unter Albert Riera, sondern schon vorher unter Dino Toppmöller. Jetzt soll die Eintracht zu ihren Wurzeln zurückkehren. „Es soll wieder unangenehm sein, gegen uns zu spielen“, bekundet Ansgar Knauff, der in Frankfurt fast schon zum Inventar gehört.
Auch das war schlimm für die Verantwortlichen: Die Eintracht war gegen Ende der Saison zur Lachnummer der Liga verkommen. Dabei schien es in den Jahren zuvor keine Grenzen zu geben, es ging immer nur nach oben.
Und dann dieser Absturz. Wie es so weit kommen konnte? Knauff zuckt die Schultern. Schon im Training habe man gespürt, dass da etwas verrutscht und das Ensemble, ja der ganze Klub vom Weg abgekommen ist. „Es gab viele Themen drumherum, mit denen man sich beschäftigt hat. Das hat dem Fokus nicht gedient“, erklärt Knauff und blickt wohlgestimmt in die nahe Zukunft: „Es ist ein gutes Gefühl, dass alle wieder voll dabei sind und den Verein wieder nach oben bringen wollen. Es ist für uns alle ein Neuanfang.“
Zurzeit lässt sich das alles ganz gut an. Die Spieler sind mit Feuereifer dabei, die Intensität ist hoch. „Es herrscht wieder ein ganz anderer Spirit“, bedeutet Knauff. Was im Ernstfall noch zu beweisen wäre. Aber mehr als den Ist-Zustand können die Spieler und auch die Beobachter ja nicht ablesen und bewerten.
Asekos Knie zickt
Der Flügelmann umreißt zwei klare Absichtserklärungen, eine übergreifende und eine persönliche. Die allgemeine lautet: „Wir wollen wieder um Europa spielen.“ Und die spezifische: „Natürlich ist es irgendwo ein Ziel, irgendwann für die Nationalmannschaft zu spielen.“ Unter Jürgen Klopp, der den kleinen Ansgar als Kind bei einem Jugendturnier entdeckte, rechnet sich der pfeilschnelle Spieler zumindest Chancen aus.
Das verbindet ihn, wenn man so will, mit Noel Aseko. Der Neuzugang von den Bayern hat schon diverse DFB-Juniorenauswahlteams durchlaufen. Zurzeit muss der 20-Jährige aber erst einmal wieder richtig auf die Beine kommen. Eine schon länger anhaltende Knieproblematik, die wahrscheinlich auf eine Meniskusverletzung aus dem Jahr 2024 zurückgeht, beschäftigt ihn und zwingt ihn zum Rundendrehen. Deshalb verpasste er auch das Saisonfinale seines alten Klubs Hannover 96. Das ist jetzt fast zweieinhalb Monate her. Alles andere als optimal also. In der kommenden Woche soll er, wenn es gut läuft, einsteigen.
Da passt es ganz gut, dass ein anderer defensiver Mittelfeldspieler zur Mannschaft stößt: Raphael Onyedika vom FC Brügge. Der 25-Jährige wird mit allen Nebengeräuschen gut zehn Millionen Euro kosten. Der nigerianische Nationalspieler gilt als absoluter Wunschspieler, bringt Power, Dynamik und Wucht mit. Die Eintracht buhlte nicht zum ersten Mal um Onyedika, der die notorische Schwäche auf der „Sechs“ beheben soll.
Und auch für die Abwehr sind die Frankfurter fündig geworden: Der Brasilianer Otavio Manoel Galdino Fernandes, kurz Otavio, kommt für 4,5 Millionen Euro aus Portugal. Dort hat der 20-Jährige für Estrela Amadora 22 Partien absolviert. Otavio ist ein talentierter Abwehrhüne, der auch links verteidigen kann, mit 1,93 Meter aber eher in der Mitte gut aufgehoben ist.