Debüt im DFB-Pokal: Die Feierabendkicker von St. Tönis wollen Eintracht Frankfurt in die Krise stürzen

Eintracht-Gegner St. Tönis: Spiel des Lebens für die Feierabendkicker

Stand: 20.08.2026, 13:42 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Der Oberligist spielt am Freitag erstmals im DFB-Pokal. Vier Leistungsträger haben den Verein verlassen.

Für Bekim Kastrati ist die hell ausgeleuchtete Bühne DFB-Pokal kein Neuland. Beileibe nicht. Als Spieler erzielte der heutige Cheftrainer des SC St. Tönis mal ein schönes Tor in diesem schönen Wettbewerb, im August 2005 für Jünters Fohlen aus Mönchengladbach.

sC St.Tönis - Fortuna Düsseldorf - Testspiel

Gibt die Richtung vor: Trainer Bekim Kastrati. © IMAGO/DeFodi.de

Der Kosovare stürmte seinerzeit für die Elf vom Niederrhein, zumeist in der zweiten Mannschaft, überaus erfolgreich. Torschützenkönig war er sogar, 29 Buden, ab und an durfte er bei den Profis mitspielen, erste Liga, andere Welt. Und er machte damals in der ersten Pokalrunde mit seinem Kopfballtreffer den Deckel drauf zum 3:0-Endstand beim kleinen FC Kutzhof – auf Flanke des ewigen Peer Kluge.

St. Tönis: DFB-Pokal-Qualifikation gelingt durch Niederlage

Eingewechselt wurde der damalige Mittzwanziger Kastrati übrigens für einen gewissen Giovane Elber. Ja, genau der. Lange her. Heute leitet er die erste Mannschaft mit dem leicht sperrigen Namen Sportclub St. Tönis 1911/20 an, Gegner der Frankfurter Eintracht in der ersten Pokalrunde, Anstoß am frühen Freitagabend um 18 Uhr in der altehrwürdigen, aber umgebauten Krefelder Grotenburg.

Ein historisches Erlebnis für den gewissermaßen alten wie jungen Verein: Die Zahlen im Namen verdankt er einer Fusion aus dem Jahr 2022 der Klubs DJK Teutonia St. Tönis (von 1920) und des SV St. Tönis (von 1911). Der neue Großverein mit 1700 Mitgliedern, davon 900 in der Abteilung Fußball, hat sich mit dem Männerteam in der Oberliga Niederrhein eingenistet, mischt dort in der Spitzengruppe mit.

2012 kickte das Tönis-Ensemble noch in der Kreisliga B. Acht Jahre später dann fünfte Liga. Nicht schlecht. Ex-Profi Kastrati, inzwischen 47, arbeitet seit drei Jahren beim Oberligisten, der gar nicht aufsteigen will in die Regionalliga. Das geben die Rahmenbedingungen nicht her. Das erstmalige und also historische Ticket für den DFB-Pokal zogen sie im Mai kurioserweise durch eine Pleite, im Finale des Niederrheincups war der MSV Duisburg zu stark, 4:1.

Weil die Zebras aber in der Dritten Liga Vierter wurden, zog der unterlegene Sportclub in den DFB-Pokal ein. Gibt schlimmere Niederlagen. Die Kastrati-Mannschaft ist aktuell gut drauf, prima in die Saison gestartet. Trotz eines 0:2-Rückstands drehte sie die Partie gegen Aufsteiger Solingen-Wald, 3:2-Siegtreffer in der Nachspielzeit. Und es brachen alle Dämme. Wie am Tag der Pokalauslosung.

Für das kleine St. Tönis ist das Frankfurt-Duell das Spiel des Jahres, ja das Spiel des Lebens. Die Feierabendkicker wittern ihre Chance als Underdog, und wenn sie verlieren sollten (was wahrscheinlich ist, Eintracht-Klatsche in London hin oder her), na und, kann ihnen keiner mehr nehmen, den Abend.

Kastrati über seine Kicker bei St. Tönis: „Sie lieben den Fußball“

Zumal sie ja mit einer runderneuerten Mannschaft antreten, gleich vier Leistungsträger verließen den Verein. Für Kastrati kein Grund, um Trübsal zu blasen. „Unsere Philosophie, mit hungrigen Spielern weiterzumachen, finde ich gut. Damit kann ich mich identifizieren“, sagte er dem Portal FuPa. „Wir haben acht Neue, die alle nicht älter sind als 23 Jahre. Das sagt schon was aus. Das sind alles Jungs, die den Fußball lieben.“ Klingt romantisch.

Bleibt nur noch die Frage nach der Heimat des Klubs. St. Tönis ist der Hauptort von Tönisvorst im Kreis Viersen, 30 Kilometer entfernt von der niederländischen Grenze. In der rund 30.000 Menschen zählenden Gemeinde geht’s in erster Linie um Äpfel, Tönisvorst nennt sich „Apfelstadt“. Was Wunder, schließlich stehen dort gut 400.000 Obstbäume und werfen jährlich rund 40 Millionen Äpfel ab. Ebbelwei gibt’s auch, Marke Roter Adam. Es ist also angerichtet für die Gäste aus Bembeltown.