Elon Musk macht Angst: Mit Vollgas in die Apokalypse?

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

der Text, den Sie gerade lesen, wurde mit der Hilfe von Maschinen geschrieben. Natürlich stammt er aus meiner Feder, aber hier und da habe ich die Künstliche Intelligenz um ihre Mitarbeit gebeten. Denn es soll hier um die Zukunft der Arbeit gehen. Um meinen Job, aber auch um Ihren. Denn schon bald könnte es sein, dass Sie und ich an einem Morgen wie diesem nicht mehr auf dem Weg in den Betrieb oder ins Büro sind. Sondern zu Hause sitzen, auf der Couch – und zwar arbeitslos.

Das könnte sogar schon sehr bald passieren. Jedenfalls glaubt das ein Mann, der maßgeblich an der Zukunft der Arbeit herumwerkelt. Elon Musk. In spätestens fünf Jahren, orakelte der SpaceX-Gründer kürzlich in einem Interview mit dem britischen "Economist", gebe es nichts mehr, das eine Künstliche Intelligenz (KI) nicht viel besser könne als der Mensch. Außer eben, Mensch zu sein.

Musk lachte. Er freute sich über seine Pointe. Als ob das Menschsein nur eine Nebensache wäre.

Der 55-jährige Multiunternehmer entwarf in dem Gespräch seine Vision der Zukunft. Es ist ein ebenso unterhaltsamer wie furchterregender Entwurf, angesiedelt irgendwo zwischen Douglas Adams’ Satire "Per Anhalter durch die Galaxis" und Arthur C. Clarkes düster-melancholischer "Odyssee im Weltraum". Musk liebt diese bizarren Science-Fiction-Welten, sie prägten ihn schon als Kind. Später sorgte er dafür, dass die Fiktion aus den Romanen zur Realität wird. Musks Raketen fliegen zum Mond, seine Autos fahren (mehr oder weniger) autonom und seine KI-Modelle wie der Chatbot Grok mischen den Weltmarkt auf. "Die Menschen verstehen einfach nicht, dass alles, was ich vorhersage, auch eintritt", sagte er.

Musk gefällt sich als moderne Kassandra ebenso wie als Provokateur. Man tritt ihm wohl nicht zu nahe, wenn man ihm einen gewissen Narzissmus unterstellt. Anders ist kaum zu erklären, warum ein unternehmerisches Genie wie er plötzlich wie ein aufmüpfiger Teenager den Hitlergruß zeigt oder sich als kaltherziger Kassenwart eines irrlichternden Präsidenten verdingt und bis zu 400.000 US-Beamte in die Arbeitslosigkeit schickt. Ganz zu schweigen davon, dass er beinahe täglich demokratiezersetzenden Unfug bei X verbreitet.

Ihn nur als rechtsdrehenden Troll abzutun, verbietet sich dennoch. Denn Musk ist nicht nur der reichste, sondern auch einer der einflussreichsten Menschen der Welt. Jüngst durchbrach er als erster Mensch die Billionärs-Schallmauer. Sein ökonomischer und politischer Einfluss ist enorm.

In dem "Economist"-Interview prophezeite Musk ein posthumanes Wirtschaftssystem, das von menschenähnlichen Robotern gesteuert wird. In diesem System gibt es keine Jobs für echte Menschen mehr, denn die Arbeit wird komplett von Maschinen erledigt. Es gibt demzufolge auch kein Geld mehr, das verdient werden könnte. Niemand müsse mehr Zinsen oder Steuern zahlen, außer ihm selbst und ein paar anderen zukünftigen Billionären, wie er hinzufügt. Es werde ein "Zeitalter des Überflusses", in dem jeder alles haben könne, was er sich vorstelle.

Da Musk sich selbst gern den Anstrich eines Universalgelehrten und Großdenkers gibt, beschränkt sich seine Vision aber nicht auf das Ökonomische. So sagte er bis spätestens 2036 unter anderem eine postnationale Weltordnung voraus, in der Staaten so gut wie keine Rolle mehr spielen. Nationale und kulturelle Identitäten würden zweitrangig, weil die Künstliche Intelligenz die Gedanken aller Menschen sofort übersetze und in ein kollektives Bewusstsein einspeise. Davon schwadronierte er in einem Interview mit dem indischen Milliardär und Podcaster Nikhil Kamath Ende 2025.

An den Schalthebeln der Macht säße dann nur noch eine Handvoll KI-Unternehmer. Neben ihm selbst und seiner KI-Firma xAI auch OpenAI-CEO Sam Altman, Anthropic-Gründer Dario Amodei oder Meta-Gründer Mark Zuckerberg sowie Google-Chef Sundar Pichai.

Als normaler Bürger mit Breitbandanschluss hält man all das wohl eher für eine Horrorvorstellung. Musk sieht in alldem eine "sehr optimistische Botschaft". Vermutlich muss man Tech-Fetischist und Kurzzeit-Billionär sein, um sich an einer solchen Zukunft erfreuen zu können. Es gebe da allerdings noch eine klitzekleine Unbekannte, räumte er ein: "Immer vorausgesetzt, wir Menschen existieren im Jahr 2036 noch".

Noch vor ein paar Jahren hatte Musk selbst eindringlich vor dem rasenden Tempo bei der KI-Entwicklung gewarnt. Die Technologie habe das Potenzial, die gesamte Menschheit auszulöschen. Schon 2016 unkte er, wenn der Mensch nicht schnell Maßnahmen ergreife, werde er zu einer Art Haustier der KI: Homo sapiens nur noch ein Labrador an der Leine humanoider Roboter. Inzwischen scheint ihn diese Aussicht nicht mehr zu stören. Irgendwann habe er verstanden, dass der KI-Zug nicht mehr aufzuhalten sei. Da habe er beschlossen, lieber mitzufahren, als am Bahnhof zu stehen und nur zu winken. Das Jahrhundertgeschäft KI will er sich offenbar nicht entgehen lassen.

Es ist nicht so sehr Musks unerschöpflicher Geldspeicher, der Angst macht. Sondern die Widersprüchlichkeit des Mannes. Er gibt offen zu, dass das Überleben der Menschheit vor allem davon abhängig sei, dass es gelinge, einen Atomkrieg zu verhindern und die digitale Revolution zu zügeln.

Gleichzeitig gibt er sich redlich Mühe, dass die gesellschaftliche Polarisierung immer größer wird und liberale Demokratien ins Schlingern kommen. Er unterstützt die AfD, die britische UK Reform und andere Staatsverächter weltweit. Meinungsfreiheit hält er praktisch für das Recht des Stärkeren. Dass er mit einer Viertelmilliarde Followern bei X und dem Chatbot Grok ganz oben in der Meinungsmacher-Pyramide sitzt, schärft vor allem seine Hybris, weniger sein Verantwortungsbewusstsein. Und dass Musk den Weltlauf wesentlich beeinflussen kann, obwohl er Recherchen von US-Medien zufolge das Narkosemittel Ketamin zeitweise in gefährlichen Mengen konsumiert haben soll, um seine Depressionen zu behandeln, trägt auch nicht zur Beruhigung bei. Das ist in etwa so, als würde man einen Schimpansen zum Verkehrspolizisten machen.

Manche Forscher warnen bereits, die industrielle Revolution sei ein Kindergeburtstag gegen das, was uns durch KI bevorsteht. Fakt ist, dass die Arbeitswelt sich rasant wandelt. Nicht auszuschließen, dass hunderte Millionen Jobs wegfallen und damit die Erwerbsgrundlagen für unzählige Familien. Die Anfänge dieser Entwicklung sind bereits zu beobachten.