Schock nach künstlicher Befruchtung: DNA-Test zeigt, dass Baby biologisch nicht von den Eltern stammt

Embryonenverwechslung in Neapel: DNA-Test bringt Eltern in Gewissenskonflikt

Stand: 15.08.2026, 21:43 Uhr

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Nach der Geburt ihrer Tochter zeigt ein DNA-Test: Das Mädchen ist biologisch nicht ihr Kind. Die Gesundheitsbehörde widerspricht.

Neapel – Ein DNA-Test hat für ein Ehepaar aus Neapel eine kaum vorstellbare Gewissheit gebracht: Die Tochter, die eine 36-jährige Frau im Juni 2025 zur Welt brachte, ist biologisch nicht das Kind von ihr und ihrem 41 Jahre alten Ehemann. Erste Zweifel waren aufgekommen, nachdem die Blutgruppe des Mädchens weder mit derjenigen der Mutter noch mit der des Vaters übereinstimmte.

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Dieser Artikel von Redazione online entstand in Kooperation mit Corriere della Sera.

Das Paar vermutet nun eine Verwechslung im Rahmen einer künstlichen Befruchtung im Krankenhaus San Paolo in Neapel. Besonders quält die Eltern die Frage, ob ihr eigener Embryo möglicherweise einer anderen Frau eingesetzt wurde. Die zuständige Gesundheitsbehörde ASL Napoli 1 Centro weist einen Embryonentausch allerdings ausdrücklich zurück. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Kulturschalen in einem Labor für Reproduktionsmedizin (Symbolbild).

Nach einer künstlichen Befruchtung stellte ein Paar in Neapel fest, dass seine Tochter biologisch nicht von ihm abstammt. © picture alliance/dpa | Jens Kalaene

Das Ehepaar hatte sich im Krankenhaus San Paolo einer In-vitro-Fertilisation unterzogen, um ein zweites Kind zu bekommen. Dabei sollte einer von fünf zuvor eingefrorenen Embryonen verwendet werden. Am 3. Juni 2025 brachte die Frau ein Mädchen zur Welt. Die Zweifel kamen auf, als die Eltern erfuhren, dass dessen Blutgruppe weder mit derjenigen der Mutter noch mit der des Vaters übereinstimmte.

DNA-Test nach Geburt: Mädchen ist biologisch nicht das Kind eines Paares aus Neapel

Weitere Untersuchungen einschließlich eines DNA-Tests bestätigten schließlich den Verdacht: Das Mädchen ist biologisch nicht das Kind des Paares. Im Juli 2025 erstatteten die Eltern deshalb Anzeige bei der Staatsanwaltschaft von Neapel. Inzwischen läuft ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung. Die auf den Gesundheitsbereich spezialisierte Einheit der Carabinieri, NAS, nahm im Zentrum für medizinisch assistierte Fortpflanzung des Krankenhauses Ermittlungen auf.

Eltern fürchten, dass ihr leibliches Kind bei anderer Familie lebt

Besonders belastend ist für die Eltern die Ungewissheit darüber, was mit ihrem eigenen Embryo geschehen sein könnte. „Als wir von dem Embryonentausch erfuhren, gerieten wir in einen Strudel der Gefühle“, erklärten sie laut der Nachrichtenagentur Ansa. Sie hätten sich gefragt, „ob unsere Embryonen vielleicht einem anderen Paar eingesetzt worden waren“. Besonders quäle sie der Gedanke, dass irgendwo ein leibliches Kind von ihnen existieren könnte.

Das geborene Mädchen wollen die beiden unabhängig von seiner biologischen Abstammung als ihre Tochter großziehen. Das Paar habe das Kind „anerkannt“, erklärten die Eltern: „Wir möchten es großziehen.“ Ihr Anwalt Petruzzi spricht dennoch von einer erheblichen psychischen Belastung. „Wir sind vom Vertauschen im Kinderbett zum Vertauschen im Uterus übergegangen“, sagte er. Es sei ein psychologischer Schaden entstanden, dessen Ausmaß beziffert werden müsse.

Gesundheitsbehörde bestreitet Embryonentausch in Neapel

Die ASL Napoli 1 Centro widerspricht der Darstellung eines Embryonentauschs ausdrücklich. In einer Stellungnahme zu den Berichten über den Fall erklärte die Gesundheitsbehörde, im Krankenhaus San Paolo habe es „keinen Embryonentausch gegeben“. Wie es dennoch dazu kommen konnte, dass das Mädchen laut DNA-Untersuchung biologisch nicht von dem Paar abstammt, ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen.

Nach Bekanntwerden des Falls leitete die Klinik nach eigenen Angaben zahlreiche interne Maßnahmen ein. Dazu gehörten die Meldung des unerwünschten Ereignisses an die zuständigen regionalen und nationalen Stellen, ein sofortiges klinisches Audit sowie die Einsetzung einer internen multidisziplinären Inspektionsgruppe. Zudem wurden sämtliche Aktivitäten des Zentrums für medizinisch assistierte Fortpflanzung vorübergehend ausgesetzt und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Kinderwunschzentrum in Italien nach Vorfall umfassend umstrukturiert

Die Gesundheitsbehörde betrachtet sich nach eigenen Angaben selbst als geschädigte Partei. Die von der Aussetzung des Kinderwunschzentrums betroffenen Paare seien in den folgenden Monaten informiert und individuelle Anfragen beantwortet worden. Zusätzlich setzte die ASL einen multidisziplinären technischen Ausschuss mit externen Experten ein, um die Abläufe in der Einrichtung zu überprüfen.

In der Folge sei das Zentrum strukturell, technologisch und organisatorisch umfassend neu aufgestellt worden. Unter anderem wurden modernere Geräte für die Kryobank sowie das Labor für Seminologie und Embryologie angeschafft. Zudem seien neue klinische und biologische Verantwortliche benannt und Fortbildungsmaßnahmen geplant worden.

Embryonenverwechslung: Gesundheitsbehörde in Neapel setzt auf vollständige Aufklärung durch die Justiz

Die ASL Napoli 1 Centro versicherte den Ermittlungsbehörden ihre „volle Verfügbarkeit“ und betonte ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Man habe „volles Vertrauen in die Arbeit der Justiz“ und in eine endgültige Aufklärung der Geschehnisse durch die zuständigen Stellen.

Nach Darstellung der Gesundheitsbehörde wurden zugleich alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um die festgestellten Probleme zu beheben und die Interessen der Patienten zu schützen. Ziel sei es, die Struktur für medizinisch assistierte Fortpflanzung am Krankenhaus San Paolo wieder vollständig in Betrieb zu nehmen.