Paukenschlag! „Emma“-Magazin wird eingestellt - Datum für letzte Ausgabe angekündigt
„Emma“-Magazin eingestellt: Alice Schwarzer kündigt Datum für letzte Ausgabe an – „es reicht!“
Stand: 21.10.2026, 08:23 Uhr
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Nach 50 Jahren ist Schluss: Das fast schon legendäre feministische Magazin „Emma“ wird eingestellt. Am Geld liegt es wohl nicht.
Köln – Nach fast einem halben Jahrhundert endet eine Ära des bundesdeutschen Feminismus: Publizistin Alice Schwarzer stellt ihr Magazin „Emma“ ein. Die Ausgabe vom 8. Dezember 2026 wird das letzte Heft sein. Wirtschaftliche Nöte seien nicht der Grund, versicherte die 83-Jährige gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Sicher, auch unsere Auflage sinkt. Aber unsere Einnahmen decken immer noch die Ausgaben. Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!“
„Emma“ habe über drei Generationen hinweg die Stellung gehalten und sich „gegen so manchen Unsinn im Namen des Feminismus“ gewehrt, so Schwarzer in ihrer Erklärung: „Also gestattet: Jetzt sind wir ermattet.“
Gegengewicht zu den „Männermedien“
Die Zeitschrift erschien erstmals am 26. Januar 1977. Gegründet wurde sie von Schwarzer als publizistische Gegenwehr gegen die damaligen „Männermedien“, um Journalistinnen eine unabhängige Plattform zu geben. Redaktionssitz war zuletzt der mittelalterliche Bayenturm im Kölner Rheinauhafen.
Über Jahrzehnte hinweg setzte das Blatt gesellschaftliche Debatten: Themen wie sexueller Missbrauch, Genitalverstümmelung, das Ehegattensplitting oder Kritik am Islamismus wurden in der Bundesrepublik oft erstmals durch „Emma“-Recherchen breit verhandelt. Das Magazin galt bis zuletzt als das weltweit einzige professionelle Kioskmagazin, das vollständig in Feministinnenhand lag.
Kontroversen und Abonnentinnen-Verluste in den Spätjahren
In den vergangenen Jahren sorgte der Kurs des Blattes und seiner Gründerin jedoch zunehmend für Polarisierung. Schwarzers Haltung zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine – sie initiierte gemeinsam mit Sahra Wagenknecht ein umstrittenes „Manifest für Frieden“ – kostete das Magazin massiv Zuspruch. Schwarzer räumte 2024 ein, dass jede fünfte Leserin aus Protest ihr Abonnement gekündigt habe.
Auch in der Debatte um geschlechtliche Selbstbestimmung und Transgeschlechtlichkeit stieß Schwarzer auf vehemente Kritik jüngerer Generationen und queerer Gruppen, die ihr Transfeindlichkeit vorwarfen. Schwarzer wies dies zurück und verteidigte ihre Skepsis gegenüber dem neuen Selbstbestimmungsgesetz.
Das Heft blieb stets in ihrer Hand
Einen Generationenwechsel an der Spitze des zweimonatlich erscheinenden Hefts gab es nie: Ein Versuch, die Chefredaktion 2008 an Lisa Ortgies zu übergeben, scheiterte rasch am Zerwürfnis beider Frauen. Nachfolgerinnen im eigenen Geiste zu finden, sei schwer gewesen, so Schwarzer in der vorletzten Ausgabe – bei anderen Medien wehe der Wind „nicht ganz so rau“.
Ganz verschwinden wird das publizistische Lebenswerk indes nicht: Das vollständige „Emma“-Archiv wird in den Bestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach überführt. (spr) (dpa)