Ende einer Ära: Das alte „Traumschiff“ geht auf seine letzte Kreuzfahrt

Ende einer Ära Das alte „Traumschiff“ geht auf seine letzte Kreuzfahrt

Die „MS Deutschland“ war 16 Jahre lang im Fernsehen als „Das Traumschiff“ zu sehen, zehn Jahre auf hoher See für Phoenix Reisen folgten. Nun läuft der Charter-Vertrag aus.

01.09.2026 , 19:34 Uhr

Zwischen 1999 und 2015 war die „MS Deutschland“ als „Traumschiff“ im ZDF und auf den Weltenmeeren zu sehen.

Zwischen 1999 und 2015 war die „MS Deutschland“ als „Traumschiff“ im ZDF und auf den Weltenmeeren zu sehen.

Foto: dpa/Ulrich Perrey

Die MS Deutschland ist auf ihrer letzten Kreuzfahrt für das Unternehmen Phoenix Reisen unterwegs. Das frühere ZDF-“Traumschiff“ hat Bremerhaven am 28. August verlassen und soll dort am 5. September zurückkehren. Danach endet die Charter des Bonner Reiseveranstalters, der das Schiff von seinem amerikanischen Eigner „Delos Cruise“ angemietet hat. Wie es für das fast 30 Jahre alte Kreuzfahrtschiff weitergeht, ist bislang offen. Ein neuer Charterer für die Sommersaison 2027 ist derzeit nicht bekannt.

Die „MS Deutschland“ ist ein Stück deutsche TV-Geschichte

Für viele Menschen ist es mehr als der Abschied von einem gewöhnlichen Kreuzfahrtschiff. Die „MS Deutschland“ war für sie ein Stück Fernseherinnerung, Urlaubstraum und schwimmende Kulisse zugleich. Von 1999 bis 2015 diente das Schiff als Schauplatz der ZDF-Serie „Das Traumschiff“, ehe es von der „MS Amadea“ ersetzt wurde.

Schauspieler, Crew und Passagiere gingen auf der legendären Treppe am Heck entlang, standen an der Poolbar oder versammelten sich in den eleganten Salons.

Nun fährt das Schiff vielleicht ein letztes Mal durch den Ärmelkanal. Auf dem Reiseplan stehen unter anderem Portsmouth und Fowey in England, Saint-Malo in Frankreich sowie Antwerpen und IJmuiden. Die Kreuzfahrt endet wieder in Bremerhaven – dort, wo sich zuletzt bei der Ausschiffung am 28. August zahlreiche Schaulustige emotional von dem Schiff verabschiedeten.

Warum Phoenix Reisen „MS Deutschland“ nicht weiter nutzt

Der Grund für das Ende der Zusammenarbeit zwischen Phoenix Reisen und der „MS Deutschland“ ist vor allem wirtschaftlicher Natur. Das Schiff wurde 1998 in Kiel gebaut und ist damit inzwischen fast drei Jahrzehnte alt. Nach Angaben von Phoenix Reisen müsste das Schiff umfassend modernisiert werden, um technisch wieder dem heutigen Standard zu entsprechen.

Dazu kommt, dass die Ausstattung nicht mehr den Erwartungen des Charterunternehmens entspreche. Wie das Portal „buten un binnen“ berichtet, erklärte Phoenix-Reisen-Mitarbeiterin Heike Euskirchen, die technische Ausrüstung sei nicht mehr zeitgemäß. Der Eigentümer, die US-Gesellschaft Delos Cruises, habe sich jedoch gegen die notwendigen Investitionen entschieden.

Phoenix Reisen gibt das Schiff deshalb nach der letzten Reise zurück. Für den Veranstalter endet damit eine Ära: Seit 2016 war die „MS Deutschland“ jedes Jahr im Sommer für den deutschen Kreuzfahrtmarkt unterwegs. Im Winter wechselte sie traditionell den Namen und fuhr als „World Odyssey“ für das Bildungsprogramm „Semester at Sea“.

Aus dem „MS Deutschland“ wird wieder die „World Odyssey“

Nach der Rückkehr nach Bremerhaven wird das Schiff zunächst äußerlich verändert. Die türkisblaue Banderole und der Albatros am Schornstein, die für Phoenix Reisen stehen, werden übermalt. Wie nach jeder Sommersaison soll die das Kreuzfahrtschiff danach nicht mehr als Schiff der deutschen Reederei erkennbar sein.

Auch Teile der Einrichtung und Ausstattung könnten künftig auf anderen Phoenix-Schiffen zum Einsatz kommen. Der Kreuzfahrtveranstalter will seine Hochseeflotte nach dem Ende der Charter mit drei Schiffen betreiben.

Für die „MS Deutschland“ selbst ist die nächste Verwendung bereits absehbar: Im Winterhalbjahr soll sie wieder als „World Odyssey“ für „Semester at Sea“ fahren. Ob sie danach erneut im Sommer für einen anderen Anbieter auf Kreuzfahrt geht, ist offen. Möglich wäre ein neuer Chartervertrag – sicher ist er bislang nicht.

Ein kleines Schiff mit besonderem Charme

Die „MS Deutschland“ gehört mit einer Länge von 175,3 Metern und einer Breite von 23 Metern zu den kleineren Kreuzfahrtschiffen. Auf sieben Decks gibt es rund 300 Kabinen für mehr als 500 Gäste. Viele davon verfügen über einen eigenen Balkon.

Gebaut wurde das Schiff für rund 215 Millionen Deutsche Mark. Anders als viele moderne Kreuzfahrtriesen setzt die „MS Deutschland“ nicht auf spektakuläre Freizeitparks, riesige Shoppingbereiche oder mehrere tausend Passagiere. Ihr Stil ist klassisch: viel Holz, Kunst und Salons, die an die 1920er Jahre erinnern.

Phoenix Reisen bezeichnete das Schiff als „schwimmendes Grandhotel“. Genau dieser nostalgische Charakter machte die „Deutschland“ für ihre Fans so besonders.