Sogar Trump kritisiert Milliardengewinne der Ölkonzerne

Wird es jetzt sogar Donald Trump zu bunt? Der US-Präsident, ein intimer Freund der Öl- und Gasindustrie, erklärte, dass die Konzerne Exxon Mobil und Chevron „zu viel Geld verdienen“. Diese sollten etwas davon an die Öffentlichkeit zurückgeben. Das deckt sich ungefähr mit den Aussagen und Forderungen der Grünen in Deutschland sowie des SPD-geführten Finanzministeriums, auch Klimaschützer könnten da mitgehen. Donald Trump auf den Spuren von Links-Grün.

Auslöser sind die Zahlen zum zweiten Geschäftsquartals der Öl- und Gaskonzerne. Chevron verdiente zwölf Milliarden US‑Dollar, mehr als das Vierfache im Vergleich zum gleichen Quartal des Vorjahres. Exxon Mobil verdoppelte den Gewinn auf 14,7 Milliarden US-Dollar. Bei den großen europäischen Ölfirmen sah es ähnlich aus: Shell mit 9,8 Milliarden US-Dollar, Gewinn verdoppelt. TotalEnergies mit sechs Milliarden, zwei Drittel mehr als 2025. BP mit 5,7 Milliarden, verdoppelt.

Das liegt zum einen am relativ hohen Ölpreis seit Beginn des Irankriegs Ende Februar. Die Meerenge von Hormus ist weitgehend gesperrt, hier wurden vor dem Krieg etwa 20 Prozent des weltweiten Erdöls verschifft. Der zweite große Devisenbringer sind die Raffinerien.

MeinungMilliardengewinne der Ölkonzerne

:Shell und Co. profitieren von der Bequemlichkeit der Leute

Dort werden aus Erdöl die Destillate Benzin, Diesel, Heizöl oder Kerosin – und sie werden zunehmend zum „Engpass im Energiesystem“, wie Exxon-Mobil-Finanzvorstand Neil Hansen sagte. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg sind derzeit fast zehn Prozent der weltweiten Raffinerie-Kapazitäten für Rohöl außer Betrieb: wegen der Blockade vom Hormus, wegen der anhaltenden Angriffe der Ukraine auf Anlagen in Russland und wegen eines Exportverbots in China. Deshalb laufen Raffinerien etwa von Exxon, Chevron oder Shell am Limit und können Rekordpreise verlangen.

Dadurch steigen allerdings die Kosten für die Verbraucher, etwa an den Zapfsäulen. Exxon und Chevron warnen bereits davor, dass die Preise selbst dann hoch bleiben dürften, wenn der Irankrieg bald endet und der Ölpreis sinkt. Eine Aussicht, die nun offenbar sogar Donald Trump erbost hat.

In Amerika kostet eine Gallone Benzin (etwa 3,8 Liter) derzeit im Durchschnitt mehr als vier Dollar und damit etwa 30 Prozent mehr als beim Amtsantritt des US-Präsidenten im Januar 2025. Und das, obwohl er mit dem Slogan „Drill, Baby, Drill“ in den Wahlkampf ging, Gesetze und Vorgaben änderte, um den Öl- und Gaskonzernen das Geschäft zu erleichtern. Umfragen zeigen, dass gerade die hohen Lebenshaltungskosten bei Wählerinnen und Wählern in den USA sehr unbeliebt sind und die Chancen von Trumps republikanischer Partei bei den wichtigen Zwischenwahlen im November gefährden.

„Mir gefällt das nicht. Ich sollte der Letzte sein, der so etwas sagt, weil ich ein großer Verfechter der freien Marktwirtschaft bin, größer als jeder andere“, sagte der Präsident vor Reportern im Weißen Haus und fügte hinzu: „Sind Sie überrascht, dass ich das sage? Ich sage es laut und deutlich: Ich bin nicht glücklich darüber.“

Europäische Länder planen „Übergewinnsteuer“

Was er genau dagegen tun wolle, erklärte Trump nicht. Das Wort „Übergewinnsteuer“ dürfte ihm kaum geläufig sein, es wird nun aber in Europa wieder lauter diskutiert. Die „obszönen Gewinne der Ölkonzerne“ würden danach schreien, erklärte Michael Kellner, energiepolitischer Sprecher der Grünen der ⁠Nachrichtenagentur Reuters. Ein Sprecher von Finanzminister Lars Klingbeil sagte, es dürfe „keine Abzocke durch Energiekonzerne geben“. Allerdings versucht der SPD-Politiker, eine Regelung in der EU zu erreichen. Denn Konzerne könnten gegen diese Sondersteuer klagen und hatten in der Vergangenheit auch schon einigen Erfolg damit.

Eine europäische Regelung erscheint aber noch nicht in Sicht, dabei plädieren etwa Spanien oder Italien ebenso für eine Übergewinnsteuer. Portugal wagte es in der vergangenen Woche sogar, eine Extraabgabe zu beschließen. Dies gilt für den Teil der Gewinne, die höher als 20 Prozent des Durchschnitts der Jahre 2024 und 2025 liegen. Darauf müssen Öl- oder Raffinerieunternehmen nun 33 Prozent extra bezahlen.

Das betrifft zum Beispiel den heimischen Konzern Galp Energia, der seinen Gewinn im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 45 Prozent steigerte. Mit den Einnahmen will die Regierung in Lissabon Energiepreise für Haushalte und Unternehmen senken sowie in die Energiewende investieren – weg von Öl und Gas.

Denn auch in Portugal ist in diesem Sommer spürbar, wie sich der Klimawandel auswirkt. Ganz Europa leidet unter Hitzewellen, Dürren und enormen Waldbränden. Wissenschaftler betonen, dass das Ausmaß der Katastrophen ohne Erderwärmung kaum möglich wäre. Und weil die Klimakrise hauptsächlich durch das Fördern und Verbrennen von Öl, Gas und Kohle vorangetrieben wird, prangern vor allem Umweltorganisationen die gleichzeitigen Supergewinne der Konzerne an.

Umweltorganisationen: Ölriesen verdienen am Klimakollaps

Es sei skandalös, dass ausgerechnet die Ölriesen, die den Klimakollaps befeuern, an unserem Elend verdienen, klagt Flossie Boyd, Abteilungsleiter bei der Menschenrechts- und Umweltorganisation Global Witness. „Dieser Sommer sollte für Regierungen weltweit ein Weckruf sein – es ist Zeit, sich von klimazerstörenden fossilen Brennstoffen abzuwenden und Big Oil endlich gerecht zu besteuern.“ Greenpeace-Mitarbeiterin Lena Donat nennt es „zutiefst obszön, dass diese Konzerne aus der Not der Menschen und der Zerstörung des Planeten ein Geschäftsmodell machen“. Solange man an fossilen Energien hänge, werde sich die Klimakrise verschärfen.

Die Unternehmen denken allerdings nicht daran, ihr florierendes Geschäft einzuschränken oder gar aufzugeben. Meg O'Neill, seit April Chefin von BP, erklärte, auch künftig müssten die Erwartungen der Aktionäre erfüllt werden. Das erfordere unter anderem, den zuvor eingeschlagen Kurs Richtung erneuerbare Energien zu stoppen. Auch Donald Trump verabscheut bekanntermaßen Windräder und fordert von den Ölgiganten lieber billige Benzinpreise. Sowie Dankbarkeit. Denn „ohne die geniale Weitsicht, Stärke und Stabilität“ seiner Regierung wäre die Ölindustrie bereits tot, wie er auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social schrieb.