FIFA WM 2026: England stoppt Norwegens Siegeszug

FIFA WM 2026

Für Norwegen ist am Samstag der Rudertrip bei der Weltmeisterschaft zu Ende gegangen. Das Team um Torjäger Erling Haaland musste sich England bei brütender Hitze in Miami mit 1:2 (1:1, 1:1) nach Verlängerung geschlagen geben. Zum Matchwinner für die „Three Lions“ avancierte Jude Bellingham, der wie schon im Achtelfinale gegen Mexiko einen Doppelpack (45.+2, 93.) schnürte. Im Halbfinale trifft England entweder auf Argentinien oder die Schweiz.

Online seit heute, 2.01 Uhr

Norwegen lieferte gegen England vor den Augen von Kronprinz Haakon eine Partie auf Augenhöhe und bewies, dass der Viertelfinal-Einzug kein Zufall gewesen war. Belohnt wurde das Team von Coach Stale Solbakken durch das Führungstor von Andreas Schjelderup (36.). Kurz vor Schluss verhinderte die Latte eine Entscheidung zugunsten der Norweger in der regulären Spielzeit. Torjäger Haaland wurde zu Beginn der zweiten Hälfte der Verlängerung ausgetauscht, damit riss auch seine Serie von 14 Länderspielen in Serie mit einem Torerfolg.

Während die Norweger einen tränenreichen Abschied gaben, darf England, für das Edelfan David Beckham die Daumen drückte und ausgelassen jubelte, weiter vom ersten WM-Titel seit 1966 träumen. Die „Three Lions“ stehen zum insgesamt vierten Mal in ihrer Geschichte im Halbfinale. Zuletzt war das im Jahr 2018 der Fall, damals setzte es eine 1:2-Niederlage nach Verlängerung gegen Kroatien.

Grafik zeigt Spielstatistik

Gemächlicher Beginn in Miami

Nach der Sperre für Jarell Quansah war Tuchel zu Umstellungen gezwungen. John Stones kehrte in die Startelf zurück und spielte an der Seite von Marc Guehi. Damit agierte ein ManCity-Duo in der Innenverteidigung gegen ihren Clubkollegen Haaland. Eine weitere Veränderung gab es am rechten Flügel, dort spielte Noni Madueke statt Bukayo Saka. Norwegens Startelf änderte sich im Vergleich zum Achtelfinale an einer Position: Schjelderup, der gegen Brasilien beide Haaland-Tore aufgelegt hatte, durfte von Beginn an ran.

Vor der Partie gab es eine Trauerminute für den südafrikanischen WM-Spieler Jayden Adams, der im Raum Kapstadt tot aufgefunden wurde. Das Spiel präsentierte sich dann mit viel Ballbesitz für England, das allerdings zunächst keine Lösungen gegen die norwegische Defensive fand. Die „Three Lions“ ließen sich nicht zu ungeduldigen Aktionen hinreißen, um den Norwegern keine Konterchance zu bieten. Die ersten 20 Minuten verstrichen deshalb ohne echtes Highlight.

Die Norweger blieben diszipliniert in ihrem Defensivblock und befolgten strickt den Plan. Die Engländer brachten maximal Flanken in den Strafraum. Erstmals brenzlig wurde es in der 23. Minute: Nach einem scharfen Stanglpass von Madueke konnte Nico O’Reilly den Ball aber nicht kontrolliert auf das Tor bringen. Kane jagte danach einen Freistoß von der Strafraumgrenze über das Tor (29.).

Norwegisches Traumtor mit englischer Reaktion

Und dann kippte das Spiel plötzlich in Richtung der Norweger. Auslöser war ein Fehler von Stones im Strafraum, der knapp ohne Folgen blieb, weil Pickford schneller am Ball war als Haaland (31.). Der Torjäger meldete sich mit einem Kopfball erstmals bei Pickford (35.). Nur Augenblicke danach fiel der Führungstreffer: Kane verlor im Zweikampf den Ball, der bei Schjelderup landete. Mit einer Mischung aus Schuss und Flanke zirkelte der 22-Jährige den Ball via Innenstange ins lange Eck (36.). Die Engländer reklamierten vergeblich Foul an Kane.

Andreas Schjelderup trifft
Beim Schuss von Andreas Schjelderup war Goalie Jordan Pickford nur in der Zuschauerrolle

In den letzten Minuten der ersten Hälfte ging es dann richtig zur Sache. Die Norweger vergaben zunächst eine gute Kontergelegenheit über Alexander Sörloth (43.). England gelang zum idealen Zeitpunkt der Ausgleich: Nach Zuspiel von Anthony Gordon manövrierte Bellingham mit einer perfekten Ballannahme die Norweger aus und schoss ins lange Eck (45.+2).

Beinahe hätte die Engländer sogar über die Führung gejubelt: Kane lupfte den Ball über Goalie Örjan Nyland ins Tor, war aber davor knapp im Abseits gestanden (45.+4).

 Jude Bellingham trifft
Jude Bellingham machte sein Bein lang und traf zum umjubelten Ausgleich der Engländer

Norwegen jubelt zu früh

Die Engländer nahmen Hälfte zwei mit zwei neuen Spielern in Angriff. Madueke, der wenig in Erscheinung getreten war, wurde durch Saka ersetzt. Eberechi Eze kam für den nicht ganz fitten Declan Rice ins Spiel, in dem Norwegen in der 55. Minute vermeintlich über das nächste Tor jubelte. Nach einem Eckball landete der Ball bei Torbjörn Heggem, der im Fallen unter die Latte traf. Die „Wikinger“ hatten aber die Rechnung ohne den VAR gemacht, den der hatte vor dem Treffer einen Stoß von Haaland an Elliot Anderson ausgemacht.

Kurz darauf war die Partie für den angeschlagenen Julian Ryerson zu Ende, der Rechtsverteidiger wurde durch Fredrik Aursnes ersetzt. Nach knapp einer Stunde wurden auch noch die Flügel Schjelderup und Sörloth ausgetauscht, Antonio Nusa und Oscar Bobb sollten für frischen Wind sorgen. Den hätten auch die Engländer gut gebrauchen können. Die „Three Lions“ fanden nur schleppend ihren Offensivelan von vor der Pause wieder. Deshalb reagierte auch noch einmal Tuchel und brachte für Gordon Reece James (71.).

Latte bewahrt England vor Rückstand

Es ging in die Schlussphase der regulären Spielzeit, jeder Fehler oder jede gute Aktion hätte zu diesem Zeitpunkt entscheidend sein können. In der 76. Minute durften die Engländer durchatmen. Nach einem Eckball faustete Pickford den Ball weg. Das Spielgerät kam aber postwendend zurück in den Strafraum, wo Kristoffer Ajer an die Latte köpfelte. Auf der Gegenseite ging eine Flanke von Saka an Freund und Feind, aber auch am knapp langen Eck vorbei (78.).

Jordan Pickford
Jordan Pickford wäre geschlagen gewesen, doch die Latte kam Englands-Goalie zur Hilfe

Ansonsten waren die Engländer mehr im Verteidigungsmodus, Norwegen war dem Tor näher. Ein Schuss von Nusa fiel aber zu zentral aus, Pickford war zur Stelle (85.). Tuchel brachte mit Djed Spence und Morgan Rogers noch zwei neue Spieler. Saka brachte nach einer starken Einzelleistung einen Pass zur Mitte. Er fand jedoch keinen Abnehmer, da Aursnes gegen zwei Engländern klärte (87.). Spence blockte einen Abschlag von Goalie Nyland, der Ball ging aber am Tor vorbei. Die siebenminütige Nachspielzeit brachte keine klare Torchance, es ging in die Verlängerung.

Tormannfehler wird Norwegen zum Verhängnis

Dort wurde bei der Hitze natürlich auch die physische Verfassung der Spieler zum wichtigen Faktor. Zum entscheidenden Faktor wurde allerdings ein schwerer Tormannfehler. Goalie Nyland klärte zunächst bei einem Kopfball von Kane. Damit war die Aktion aber noch nicht erledigt. Rogers versuchte es mit einem Distanzschuss. Diesen Versuch ließ der Held vom Brasilien-Spiel nach vorne abprallen, Bellingham schaltete am schnellsten und schoss aus kurzer Distanz ein (93.).

Jude Bellingham
Da half auch kein banger Blick von Goalie Örjan Nyland nichts mehr, Jude Bellingham nutzte seinen Fehler eiskalt

Nur wenige Minuten später stand die Partie knapp vor der Vorentscheidung. Spence dribbelte in den Strafraum und wurde von Bobb gelegt (99.). Der VAR bat Clement Turpin zum Check. Und der Schiedsrichter nahm die Entscheidung mit der Begründung zurück, dass Spence das Foul mit seiner Seitwärtsbewegung provoziert hatte. Strittig, aber am Ende regelkonform. Die Chancen der Norweger, die allerdings körperlich angeschlagen wirkten, auf den Einzug ins Semifinale blieben am Leben.

Die zweite Hälfte der Verlängerung begann mit einem überraschenden Wechsel. Haaland blieb auf der Bank und wurde durch Jörgen Strand Larsen ersetzt. Ein Weitschuss von Patrick Berg ging über das Tor (109.). Auf der Gegenseite gab Saka nach schönem Solo einen schwachen Schuss ab (109.). Danach parierte Nyland Schüsse gegen Spence und Saka (110.). Danach war das Spiel für Bellingham vorbei. Für die Luftschlacht im englischen Strafraum kam der 2,01 m große „Abwehrturm“ Dan Burn, den Norwegen probierte es natürlich mit vielen hohen Bällen. Die Uhr tickte aber gnadenlos gegen die Norweger. Und dann war der Rudertrip der „Wikinger“ vorbei.

Spieler von England nach dem Spiel
Nach der Partie stimmten die Engländer wie schon gewohnt mit ihren Fans „Wonderwall“ an

Stimmen zum Spiel:

Stale Solbakken (Norwegen-Teamchef): „Leider ist der Fußball so. Das ist grausam. Wir hatten gegen Brasilien Glück gehabt, das hat uns heute ein wenig gefehlt. Auf diesem Niveau darf man keine Fehler machen. Nach den ersten 20 Minuten haben wir ein super Spiel gemacht. Aber leider war es nicht gut genug. Ich ärgere mich. Es waren Entscheidungen gegen uns, aber so ist das Leben. Wir waren jetzt über sechs Wochen beisammen, aber ich wäre gerne noch ein paar Tage länger geblieben. Dieser Sommer war super für unser ganzes Land, die Unterstützung war unglaublich. Wir waren besser, als wir es uns erhofft haben. Darauf bin ich stolz.“

Thomas Tuchel (England-Teamchef):

FIFA WM 2026, Viertelfinale „Wir haben uns das Leben selber schwer gemacht. Das Ergebnis passt, aber wie wir gespielt haben, damit bin ich nicht glücklich. Wir waren schlampig und haben viele technische Fehler gemacht. Wir waren am Ende glücklich, wir müssen besser spielen. Aber jetzt feiern wir einmal.“

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Samstag:

Norwegen – England 1:2 (1:1,1:1) n. V.

Miami, 64.478, SR Turpin (FRA)

Torfolge:
1:0 Schjelderup (36.)
1:1 Bellingham (45.+2)
1:2 Bellingham (93.)

Norwegen: Nyland – Ryerson (60./Aursnes), Ajer, Heggem (91./Östigard), Möller Wolfe (90./Holmgren Pedersen) – Ödegaard, Berge, Berg – Sörloth (67. Bobb), Haaland (106./Strand Larsen), Schjelderup (67./Nusa)

England: Pickford – Konsa (89./Rogers), Stones, Guehi, O’Reilly (86./Spence) – Anderson, Rice (46./Eze) – Madueke (46./Saka), Bellingham (111./Burn), Gordon (71./James) – Kane

Gelbe Karten: Ajer bzw. Keiner